Gevatter Tod auf weihnachtlicher Mission

© Foto: Georgia, 2016

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Es gibt wenig Buchreihen, die ich so sehr liebe wie die Scheibenwelt-Romane von Terry Pratchett. Die Reihe umfasst 41 Bände und kann in beliebiger Abfolge gelesen werden. Der erste Titel, der mir vor langer Zeit in die Hände fiel, war Hogfather oder ins Deutsche übersetzt Schweinsgalopp. Noch habe ich nicht alle Bücher gelesen, aber momentan ist Hogfather mein ungeschlagener Liebling. Zum einen weil ich ihn eben zuerst verschlungen habe und zum anderen handelt es sich um eine der Tod-Geschichten, was bedeutet, dass der Sensenmann eine der Hauptfiguren ist.

Die Revisoren der Realität mischen sich gerne in das Geschehen auf der Scheibenwelt ein. Sie sind die Buchhalter des Universums, verabscheuen Individualität und haben sich das Ziel gesetzt alles zu quantifizieren. Das Leben an sich ist ihnen ein Dorn im Auge, da sich Lebewesen mit ihren Gefühlen, Träumen und Fantasien schlecht quantifizieren lassen. Ihr aktuelles Ziel ist es, den Schneevater zu beseitigen. Er ist als ein Äquivalent des Weihnachtsmannes auf der runden Welt zu sehen. Die Revisoren beauftragen die Assassinen-Gilde mit der Ermordung. Es gelingt ihnen jedoch nicht den Schneevater zu töten. Dieser ist aber durch den Anschlag so sehr geschwächt, dass er seine Pflichten an Silvester (sprich Weihnachten für uns) nicht erfüllen kann und die Menschen dadurch beginnen, nicht mehr an ihn zu glauben. Kurzerhand springt Gevatter Tod ein, übernimmt die Rolle des Schneevaters und versucht dadurch den Glauben aufrecht zu erhalten.

Einer der Erzählstränge von Hogfather befasst sich damit, wie sich der Tod als Schneevater so anstellt und welches Chaos er verbreitet. Weiterhin bekommt der Leser einen Einblick wie Herr Kaffeetrinken, der Anführer des Assassinen-Trupps, versucht den schwindenden Glauben an den Schneevater für seine eigenen Zwecke zu missbrauchen. Schließlich taucht noch die Enkelin des Todes Susanne Sto Helit auf. Als sie bemerkt, wie sich ihr Großvater gerade die Zeit vertreibt, macht Susanne sich auf zur Unsichtbaren Universität um Näheres zu erfahren. Die Zauberer der Universität haben derweil mit eigenen Problemen zu kämpfen. Durch den fehlenden Glauben an den Schneevater ist ein Vakuum entstanden. Denkt ein Zauberer sich jetzt eine komische Kreatur aus, wie beispielsweise ein Warzengnom, wird dieser Realität. Nichtsdestotrotz erhält Susanne Informationen von den Zauberern und bekommt über diverse Irrungen und Wirrungen die Aufgabe zugeteilt Herrn Kaffeetrinken aufzuhalten.

Was mir an Hogfather so gut gefällt, ist die kreative und komplexe Handlung, die alle Scheibenwelt-Romane teilen. Die Geschichte ist spannend und vor allem durch die sich verändernden Perspektiven abwechslungsreich. Terry Pratchetts Stil ist so wunderbar witzig, innovativ und ironisch. Er versteht sich darauf Probleme und Diskussionsthemen aus unserer Welt aufzunehmen und diese mit gnadenloser Strenge und Humor deutlich in die Geschichte einfließen zu lassen und ein Urteil abzugeben. Während es viele Szenen zum Lachen gibt, stimmen sie den Leser auch oft nachdenklich. Die Hauptfiguren setzen dem Buch noch das i-Tüpfelchen auf.

Herr Kaffeetrinken ist ein unheimlich interessanter Antagonist. Unheimlich trifft es ganz gut, denn er zeigt viele psychopathische Züge. Irgendwie findet man ihn witzig und im nächsten Moment läuft es einem eiskalt den Rücken herunter. Er erinnert ein wenig an den Moriarty aus BBCs Sherlock. Susanne ist ebenfalls ein toller Charakter. Sie ist wunderbar pragmatisch, furchtlos und sarkastisch. Ich fühle mich oft, als würde sie mir aus der Seele sprechen. Last but not least: Gevatter Tod ist meiner Meinung nach die beste Figur der gesamten Scheibenwelt. Der schnittige Sensenmann ist sehr an den Menschen interessiert und hat viel Freude daran den Schneevater zu mimen. Als Tod freuen sich die Leute selten auf ihn, aber bringt er Geschenke sieht die Sache ganz anders aus. Tod nimmt alles Gesagte wortwörtlich, wodurch die Kinder eben das bekommen, was sie sich wünschen. Da gibt es nicht ein einfaches Holzschwert, sondern die echte Ritterausgabe, mit der man Menschen erstechen kann. Er ist so unglaublich liebenswert und bringt viel Humor in die Geschichte ein. Selten war ein Sensenmann sympathischer. Gerade jetzt zu Weihnachten kann ich euch das Buch nur empfehlen. Alternativ gibt es auch eine gelungene gleichnamige Verfilmung.

Georgia

Autor: Terry Pratchett
Buchtitel: Hogfather (Schweinsgalopp)
Verlag: Corgi Books

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