Wie man aus einer drohenden Krise Kapital schlagen kann

© Foto: Ilke, 2017

© Foto: Ilke, 2017

Ich komme leider nicht so oft dazu, Filme im Kino anzuschauen, wie ich das gern hätte. Zum Glück gibt es diverse Streaming-Websiten, die mir das Kino teilweise ersetzen. So konnte ich nun den 2015 verpassten Film über das Platzen der Immobilienblase und der Finanzkrise von 2007 anschauen: The Big Short.

Während die Wall Street und das amerikanische Bankensystem sich selbst feierten und glaubten, der Wachstum der Renditen würde immer weiter gehen, schauten eine Handvoll Außenseiter, die selbst in diesem Geschäft tätig sind, genauer hin und erkannten den Zusammenbruch dessen vor allen anderen. Anstatt die Katastrophe abzuwehren nutzten sie ihr Wissen, um für sich selbst Reichtum zu ergattern.

Der Hegdefondmanager Michael Burry (Christian Bale) war hierbei der Erste. Durch eine akribische Analyse des Marktes und des Inhaltes von Finanzanleihen mehrerer Banken fiel ihm auf, dass ein Großteil der ausgezahlten Kredite faul ist. Es wurden massenhaft Kredite vergeben, vor allem für angehende Hauskäufer, dessen Rückzahlung mehr als zweifelhaft sind. Diese Kredite wurden mit guten Krediten zusammengepackt und teuer an andere Banken weiterverkauft (sogenannte CDOs). Von Ratingagenturen wurden diese ungeprüft mit der Bestnote eingestuft. Burry durchschaute, dass es nicht mehr lange dauern kann, bis dieses Konstrukt zusammenbricht und nicht nur den nationalen Immobilienmarkt, sondern auch das internationale Wirtschaftssystem in den Abgrund reißen wird. Dies möchte er zu seinem Vorteil nutzen und ließ sich von den größten Banken der USA ein neues Produkt zusammenstellen, eine Art Kreditausfallversicherung (CDS). Er wird solange Geld an die Bank zahlen, bis der Immobilienmarkt zusammenbricht; in diesem auftretenden Fall würde er die genannte Summe als Gewinn erhalten. Somit wettete er gegen den Markt, was als shorten bezeichnet wird. Da niemand an den Zusammenbruch des so stabilen Marktes glaubte, verkaufte jede gefragte Bank die CDS an Burry. Er finanzierte das natürlich nicht aus eigener Tasche, sondern mit Geschäftskapital. Als der Immobilienmarkt weiterhin stabil blieb, war der Ärger mit Vorgesetzten und Kapitalgebern vorprogrammiert.
Jared Vennett (Ryan Gosling) gehörte zu den Top-Verkäufern von Finanzprodukten und arbeitete für die Deutsche Bank. Er kannte die Risiken der aktuellen Geschäftspraktiken sehr gut und erkannte ebenfalls das baldige Platzen der Immobilienblase. Er war beteiligt an der Entwicklung der CDS und verdient durch dessen Verkauf gut daran, vor allem, da er kein Risiko zu tragen hatte. Vennett ist hier der Erzähler der Geschichte, er durchbricht die „Vierte Wand“ und spricht somit direkt mit dem Zuschauer.
Mark Baum (Steve Carell) war Investmentbanker unter dem Dach der Bank Morgan Stanley. Durch einen Zufall, der eigentlich keiner war, erfuhren er und seine Kollegen von den CDS. Durch eigene Recherchen wurde ihm ebenfalls klar, wie prekär die Lage ist und dass der Kollaps bevor steht. Doch niemand wollte seine Warnungen hören. Nichts desto trotz verdiente auch er viel Geld durch die CDs.
Als Charlie Geller und Jamie Shipley, zwei junge Fondmanager, von den CDS erfuhren, witterten sie ihre Chance auf Reichtum und stiegen ebenfalls in dieses Geschäft ein. Auch sie können die „Vierte Wand“ durchbrechen.

In über zwei Stunden wird also die Geschichte dieser Akteure erzählt. Die Handlung erstreckt sich über einen Zeitraum von knapp 1,5 Jahren und endet mit dem Bankrott der Bank Lehman Brothers. Das Ergebnis des Filmes ist jedem klar, der die Berichte über das Platzen der Blase und die Bankenkrise 2007 und 2008 verfolgte hatte. Dennoch ist es gelungen, Spannung aufzubauen und kontinuierlich zu halten. Dies ist zum einem dem schauspielerischen Talent der Starbesetzung geschuldet, aber auch den filmischen Kniffen wie dem Durchbrechen der Vierten Wand und dem Zeigen von Originalaufnahmen aus diversen Berichterstattungen dieser Zeit. Um die Komplexität der Bankbegriffe und -praktiken dem Zuschauer näher zu bringen, werden einfache, sinngemäße Erklärungen von Prominenten eingestreut. Helden gibt es in der Geschichte nicht, darüber klärt Vennett zu Beginn des Filmes auf. Es ist erstaunlich und erschreckend zugleich, wie die Akteure die Katastrophe zwar kommen sehen, aber keinen Gedanken daran verschwenden, dies als Warnung dem einfachen Bürger mitzuteilen, sondern sich selbst bereichern. Durch den Kauf von CDS wettet man schließlich darauf, dass die Immobilienblase platzt und Menschen ihr Haus und Geld verlieren. Schlimmer ist jedoch die Kaltschnäuzigkeit und Arroganz aller Akteure, die diesen Zusammenbruch erst verursacht haben und die Tatsache, dass sie nie zur Verantwortung gezogen wurden und – schlimmer noch – niemand etwas daraus gelernt hat. Aufgrund der Thematik ist der Film schwere Kost und lässt einen fassungslos und frustriert zurück, dennoch – oder vielleicht gerade wegen der Authentizität – ist er sehr gelungen und eine Empfehlung wert.

Bei dem Film handelt es sich um eine Adaption des Buches The Big Short: Inside the Doomsday Machine von Michael Lewis. Die Protagonisten sind real existierende Personen bzw. an jene angelehnt.

Ilke

Regisseur: Adam McKay
Filmtitel: The Big Short
Erscheinungsjahr: 2015

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6 Gedanken zu “Wie man aus einer drohenden Krise Kapital schlagen kann

  1. Shalima Moon schreibt:

    Stimmt in der Sneak warst du damals gar nicht dabei! Ein sehr interessanter Film und ich glaub ich hätte ihn nicht so gut zusammenfassen können und alle Begriffe erklären

    • Ilke schreibt:

      Ja, das hatte mich damals so geärgert, dass ich nicht mit zur Sneak konnte.
      Vielen Dank; das Internet war mir bei der Recherche behilflich 🙂

  2. Katrin schreibt:

    Ich finde ebenfalls, dass du den Kern der Sache wunderbar wiedergegeben hast. Hab den auch vor längerem gestreamt und fand ihn ebenfalls einfach nur erschreckend.

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