Sagen wir erst mal „Hallo“

Arrival Poster

© Foto: kino.de, 2017

Wie die anhaltende Popularität der Serien Star Wars und Star Trek beeindruckend beweist, sind Science Fiction Geschichten schon längst dem Nischenmarkt entwachsen und zu Großereignissen geworden. Im Fokus stehen dabei meist actiongetriebene Abenteuergeschichten, bei denen es an allen Enden kracht, rumst oder bumm macht. So bombastisch das sein mag, gehört zur Tradition des Genres auch das ruhige Nachdenken über uns als Menschen. Wer sich nun genau nach dieser Facette der Science Fiction sehnt, wird mit dem großartigen Film Arrival mehr als glücklich sein.

Eines Tages landen plötzlich 12 Raumschiffe an Orten überall auf der Erde. Wer da gekommen ist und was sie wollen, weiß keiner so recht. Die Linguistin Louise Banks wird, zusammen mit anderen Forschern wie dem Physiker Ian Donnelly, von der amerikanischen Regierung beauftragt herauszubekommen, mit welchen Motiven die Besucher auf der Erde sind. Kaum zu einem Landepunkt nach Montana verfrachtet, beginnt für sie ein Balanceakt zwischen der Besorgnis der Militärs vor einem Angriff auf der einen und der noch bestehenden Möglichkeit auf ein friedliches Kommunizieren auf der anderen Seite. Louise vertieft sich in ihre Arbeit. Langsam aber sicher beginnt sie, die Sprache der Heptapods getauften Außerirdischen zu verstehen.

Noch während ich versuche grob die Handlung des Films zusammenzufassen, tut mir die Marketing-Abteilung von Sony Pictures leid, denn es scheint mir schier unmöglich eine Beschreibung zu finden, bei der kein falscher Eindruck zur Geschichte entsteht. Es geht natürlich um Außerirdische, die Bedrohung, die sie vielleicht darstellen und die Angst, die dadurch entstehen kann. Es geht allerdings ebenso um Sprache: darum, wie sie unser Denken formt und wie kompliziert sie eigentlich ist. Louise erklärt was wir alles wissen müssen, um allein die Frage nach einer Absicht überhaupt zu verstehen oder welchen Einfluss es hat, in welchem Kontext wir eine Sprache lernen. Bereits ein paar kleine Einblicke in dieses Denken haben mich zutiefst neugierig gemacht. Noch viel mehr geht es aber um Entscheidungen und ihre Konsequenzen – und darum ob wir großen Schmerz akzeptieren, um endliches Glück zu empfinden.

Wie einschneidend diese Entscheidungen sind, lässt sich immer wieder an Amy Adams Gesicht ablesen, die Louise Banks mit solchem Können darstellt, dass sie die Golden Globe Nominierung für ihre Rolle mehr als verdient hat. Jeremy Renner als ihr Freund und Mitstreiter Ian steht dahinter zwar etwas zurück, versteht sein Handwerk aber durchaus. Die monumentalen Bilder des Films dagegen sind so klar und eindrucksvoll, dass man die Überwältigung der Figuren angesichts ihrer Aufgabe nur zu gut nachvollziehen kann. Das geradezu phantastische Sounddesign unterstützt diesen Effekt immer phänomenal. Hier wirkt nichts schematisch oder typisch, alles fühlt sich für mich frisch an. Durch das Zusammenspiel aus Schauspiel, Bildgewalt und Ton werden die Szenen ungewöhnlich stimmungsvoll und prägnant. Der Blick auf das Raumschiff lässt so etwas wie Ehrfurcht aufkommen. Wenn Ian es zum ersten Mal berührt, läuft mir ein Schauer über den Rücken. Als Louise sich den Heptapods endlich richtig vorstellt, keimt Hoffnung auf.

Selbst dann könnte Arrival noch einfach nur ein guter Film, anstatt eines großartigen sein. Was ihn diesen extra Schritt tun lässt, ist seine Erzählkunst. Einerseits ist das nicht verwunderlich, basiert er doch auf einer Kurzgeschichte des vielgelobten Autoren Ted Chiang. Und doch nutzt gerade der Film sein Medium unvergleichlich gut um die zentrale Idee der Geschichte widerzuspiegeln. So nimmt Schicht um Schicht ein wirkliches Kunstwerk Gestalt an. Ein Geniestreich, der erst wenn er vollendet ist seine ganze Kraft entfaltet. Kaum ist es vorbei, lehnt man sich als Zuschauer erstaunt zurück und denkt bei sich: Science Fiction ist etwas Wunderbares!

Bettina

Regisseur: Denis Villeneuve
Filmtitel: Arrival
Erscheinungsjahr: 2016

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