Samstagshäppchen: Der Spiegel in uns allen

© Foto: Karoline, 2017

Als mich mein Buchhändler des Vertrauens neulich auf den brandneuen literarischen Krimi eines Rumänen aufmerksam machte, brauchte er gar keine weitere Überzeugungsarbeit zu leisten. Ich marschierte mit dem Buch der Spiegel nach Hause und konnte es kaum erwarten loszulesen.

Im Zentrum der Geschichte steht der US-amerikanische Professor Joseph Wieder. Er ist einer der angesehensten Psychologen der 80er Jahre und steht kurz vor einer bahnbrechenden Buchveröffentlichung, als er brutal in seinem Haus ermordet wird. Die Liste der Verdächtigen ist lang, doch nie konnte jemand verhaftet werden. Erst Jahrzehnte später bringt das Manuskript eines damals Verdächtigen die Tragödie wieder ins Rollen und aus der anfänglichen psychologischen Forschung entwickelt sich ein Detektivroman.

Das Buch der Spiegel besteht aus drei Perspektiven: ein Literaturagent, ein Reporter und ein pensionierter Polizist geben nacheinander ihre Erkenntnisse zu Protokoll. Jeder hat dabei seinen eigenen Antrieb und bringt die Ermittlungen im Mordfall soweit voran, dass der nächste übernehmen kann. Die Geschichte selbst ist in der Tat wie ein Spiegel, denn die damaligen und heutigen Geschehnisse decken sich weitestgehend; angefangen bei den zwei Manuskripten, bei denen jeweils nur der Anfang auffindbar ist.

Schade finde ich es hingegen, dass der rumänische Autor die Geschichte in den USA spielen lässt, wo doch Rumänien so viel exotischer und eine erfrischende Abwechslung gewesen wäre. Nichtsdestotrotz ist der Krimi packend geschrieben und entwickelt, je weiter man kommt, einen immer stärkeren Sog. Die Sprache ist sehr flüssig und nüchtern gehalten, mit einem Hauch von Ironie. Beim weißen Cover hingegen kräuselten sich mir Pragmatiker die Fußnägel. Trotz der schönen Gestaltung war es nur eine Frage der Zeit bis die ersten Schlieren auf dem Umschlag zu erkennen waren.

Die beste Geschichte kommt jedoch, nachdem der eigentliche Roman schon beendet ist. Im Nachwort erläutert der Autor welch eine Odyssee er durchlebt hat bis sein Buch in über 30 Länder verkauft werden konnte. Auch wenn E.O. Chirovici die psychologischen Forschungen seines toten Professors leider nicht so konsequent bis zum Ende verfolgt, wie ich es mir gewünscht hätte, ist Das Buch der Spiegel doch ein gelungener Krimi für verregnete Nachmittage, mehr aber auch nicht.

Karoline

Autor: E. O. Chirovici
Buchtitel: Das Buch der Spiegel
Übersetzung: Aus dem Englischen von Silvia Morawetz und Werner Schmitz

Verlag: Goldmann

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