Gruselgeschichten im Zwielicht

© Foto: Ilke, 2017

Eigentlich hatte ich mir vorgenommen,  diesen Monat mal wieder eine Mangareihe zu rezensieren. Bei der Internetrecherche, welche mich denn interessieren würde, stieß ich nebenbei auf ein ganz anderes Jugendbuch und vermerkte es innerlich als „Will-ich-mal-lesen“. Als es mir dann in der Buchhandlung erneut vor die Linse fiel und ich nicht nur von der Optik, sondern auch von der Haptik des Covers begeistert war, entschloss ich mich kurzerhand, dieses mitzunehmen und zu rezensieren. Mit der Hoffnung, dass Der 13. Stuhl mich auch von seinem Inhalt überzeugen konnte, fuhren wir nach Hause.

Jack ist ein neugieriger Junge, deshalb steht er im Flur eines alten, verlassenen Hauses, in dem es spuken soll. Er folgt dem Lichtschein, der unter einem Türspalt zu sehen ist und betritt einen Raum, in dem bereits zwölf Gestalten unterschiedlichen Alters an einem Tisch sitzen, vor sich jeweils eine brennende Kerze. Der dreizehnte Platz ist für Jack reserviert. Der scheinbare Boss der Gesellschaft stellt alle Mitglieder vor und begrüßt den Neuankömmling. Ein jeder wird nun eine gruselige Geschichte erzählen, danach die Kerze ausblasen und in der Dunkelheit verschwinden. Je mehr Geschichten erzählt werden, desto unwohler fühlt sich der Junge – nicht nur die Storys jagen ihm Angst ein, sondern auch die Gewissheit, dass er irgendwann an der Reihe ist und nicht weiß, was er erzählen soll und was dann mit ihm geschieht.

In dieser Rahmenhandlung werden also insgesamt dreizehn Gruselgeschichten erzählt. Nach jeder Erzählung folgt ein kleiner Abschnitt, in dem die Teilnehmer das Gehörte anschließend kommentieren und zumeist ihre Bewunderung ausdrücken.  Ich bin ein Fan von Geschichten in Geschichten und obgleich mir bewusst war, dass es sich hierbei um ein Jugendbuch handelt und sich der Horror dementsprechend in Grenzen hält, wollte ich das Buch unbedingt haben. Meine Erwartungen waren daher nicht sehr groß. Für mich waren die meisten Storys nicht überraschend und das Ende recht absehbar, dennoch konnte stets ein Spannungsbogen aufgebaut werden und die Gruselgeschichten zogen mich in ihren Bann. Die einzelnen Erzählungen unterscheiden sich sowohl in der Schriftart als auch vom Schreibstil von der Rahmenhandlung. Jeder Teilnehmer hat seine eigene Wortwahl und Erzählweise, die in den Werken auch so ausgedrückt werden, was mir sehr gut gefallen hat. Es gelang eine Mischung zwischen traditionellen und modernen Gruselgeschichten, die alle ihren eigenen Charme besitzen. So erfahren wir beispielsweise von einem Dieb, der von seinem Schatz verfolgt wird, von einer Taxifahrt ohne Wiederkehr, von der Belastung, die Schlaflosigkeit mit sich bringt und natürlich vom Geheimnis des Hauses und der Gesellschaft, in die Jack sich begab. Die einzelnen Charaktere bleiben aufgrund der geringen Seitenzahlt recht blass, was ich aber nicht als störend empfand. Das Ende lässt sogar ein wenig Spielraum zur Interpretation.

Der 13. Stuhl ist kurzweilige Unterhaltung für Zwischendurch und für alle, die sich gern gruseln und spannende Geschichten ohne Happy End mögen.

Ilke

Autor: Dave Shelton
Buchtitel: Der 13. Stuhl
Übersetzung: aus dem Englischen von Ingo Herzke
Verlag: Königskinder Verlag

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