Pepe, der Paukerschreck

© Foto: Georgia, 2017

Über Ostern hatte ich mal wieder Gelegenheit in dem DVD-Regal meiner Eltern zu stöbern, nachdem ich beim letzten Mal über geliebte Kindheitsfilme gestolpert bin. Prompt fiel mir eine Sammelbox in die Hände, deren Inhalt ich so gut kenne wie meine Westentasche. Die Lümmel von der ersten Bank und ihre Geschichten begleiten mich seit ich denken kann. Noch heute schaue ich diese kultigen Filme über die intriganten Schüler und ihre tollpatschigen Lehrer sehr gerne und ergreife die Gelegenheit sie euch vorzustellen.

Die Lümmel von der ersten Bank sind weniger eine Serie, sondern vielmehr eine siebenteilige Filmreihe. Schauplatz, Charaktere und Grundidee bleiben gleich, jedoch ist jeder Film in sich abgeschlossen. Man muss weder die Erscheinungsreihenfolge beachten, noch irgendwelches Vorwissen mitbringen. Die Handlung dreht sich immer um eine rebellische Schulklasse des Mommsen-Gymnasiums in Baden-Baden. Sie spielt ihren spießigen und oft unnötig strengen Lehrern gern Streiche und versucht dadurch und durch Intrigen veraltete Lernmethoden aufzuzeigen und zu ändern. Ungekrönter Anführer der Klasse und Kopf der ausgefallenen Scherze ist Pepe Nietnagel (Hansi Kraus), Sohn eines wohlhabenden Briefmarkenhändlers. Er ist ein typischer Bengel, der viel Ideenreichtum und Intelligenz auffährt, um dem Lehrkörper die Stirn zu bieten. Dennoch oder vielleicht sogar deshalb ist er ein unheimlich sympathischer Charakter, der auch mal ernst sein kann und bei schwierigen Problemen ebenso eine Lösung findet. Man kann seine Beweggründe nachvollziehen und hat als Zuschauer viel zu lachen, vor allem bei den Reaktionen der veralberten Pauker.

Auf der Gegenseite der ungehörigen Schüler finden wir eine Reihe von unfreiwillig komischen Lehrern, angeführt von Oberstudiendirektor Taft (Theo Lingen). Er ist ein schon für damalige Verhältnisse langweiliger Spießbürger, den man hervorragend an der Nase herumführen kann. Aber ähnlich wie Pepe ist er kein eindimensionaler Charakter. So hat Taft auch Momente, in denen er verständnisvoll, sympathisch oder absichtlich humorvoll ist. Weiterhin sind nicht alle Lehrer dazu verdammt Negativ-Beispiele des strikten Schulwesens zu sein. Mein Lieblingsfilm ist der vierte Teil, in dem Peter Alexander als neuer Deutschlehrer Dr. Bach ans Mommsen-Gymnasium kommt. Er bringt erfrischende Lehrmethoden mit, hat einen guten Draht zu der Klasse und ist selbst noch manchmal ein richtiger Lümmel. Besonders gut gefällt mir, dass dieser Filmteil diverse musikalische Einlagen mit sich bringt. Unangefochten ist dabei Dr. Bachs gesungene Interpretation von Wilhelm Tell. Unterm Strich gefallen mir alle Filme und ich kann nicht behaupten, dass auch nur einer schlecht wäre.

Die Geschichten der Lümmel von der ersten Bank sind, was die Handlung angeht, nicht unbedingt anspruchsvoll, aber das müssen sie auch nicht sein. Grundgedanke ist die gute und kurzweilige Unterhaltung, die durch Schülerstreiche, aber auch wundervoll witzige Dialoge und Sprüche gegeben ist. Denn wenn die 12a wegen allgemeiner Unlust nicht zum Unterricht erscheint oder Direktor Taft bei einer von Pepe und Dr. Bach inszenierten Untersuchung des Lehr(er)körpers als Schrumpfgermane bezeichnet wird, ist das schon den einen oder anderen Lacher wert. Ich habe zumindest immer viel Spaß beim Anschauen und bereue es fast, dass wir unseren Lehrern nie den einen oder anderen Streich gespielt haben.

Georgia

Erschaffen von: Franz Seitz
Serientitel: Die Lümmel von der ersten Bank
Ausgestrahlt: 1967 bis 1972

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4 Gedanken zu “Pepe, der Paukerschreck

  1. faedenziehend schreibt:

    Ach großartig, die Filme habe ich früher auch geliebt und oft angeschaut! Muss ich mal bei Gelegenheit unbedingt wieder reingucken 🙂

    Danke für den tollen Text und dafür, dass du mir die „Lümmel aus der ersten Bank“ wieder ins Gedächtnis gerufen hast!

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