Cat Stevens ist schuld

© Foto: Kristina, 2017

„Mama, Papa! Ich werde heiraten! Dann ziehe ich zu Sam und seinen anderen zwei Ehefrauen!“ – die Freude bei den englischen Eltern könnt ihr euch bestimmt vorstellen. Was haben sie nur falsch gemacht, dass ihre einzige Tochter sich in einen Harem begibt? Schuld ist eindeutig Cat Stevens …

Das Buch beginnt mit der tagträumerischen Tracy im Supermarkt. Statt mit ihrem körperlichen Auge potenzielle Ladendiebe zu entdecken, sieht sie vor ihrem geistigen Auge Prinzessin Leia, Johanna von Orléans, Julia Roberts und Scheherazade an der Kasse stehen. Schwupps ist sie ihren Job los, als Königin Elisabeth I. eine Packung Mandeltörtchen klaut.

Aber kein Problem, dann sucht sie sich eben einen Job als Kellnerin. So landet sie bei Sam im Persischen Garten, mitten in dessen Kultur und den zunächst verwirrenden Familienverhältnissen mit zwei Frauen und vier Kindern, die nicht seine sind. Alles läuft super, Sams Frauen Firouzeh und Yvette schließen Tracy ins Herz. Tracys Eltern wiederum mögen Sam – als ihren Kollegen, als Ehemann ist er absolut undenkbar. Die Hochzeit findet jedoch statt und Tracy nimmt ihren Platz in der Multikulti-Familie ein. Doch die schockierten Eltern, ein psychopathischer Exfreund und die englischen Behörden machen ihnen das Leben schwer.

Letztendlich dreht sich in dem Buch alles um die zwei großen Gefühle: Liebe und Hass. Nicht kitschig, sondern spannend, schockierend und unterhaltsam wird eine Geschichte erzählt, die mich so einige Male das Buch nicht aus der Hand legen ließ. Das Spiel mit den Vorurteilen brachte mich zum Nachdenken über meine eigenen Einstellungen.  Schwer nachvollziehbar ist, dass Sam nicht daran interessiert ist, Tracys Eltern oder auch die Behörden über die tatsächliche Familiensituation aufzuklären. So können sie ja gar nicht von ihrem Schubladendenken abweichen. Generell hätte ich an mancher Stelle gern gewusst, was in den Köpfen der Hauptfiguren vorgeht; ein kleines Manko, das der Geschichte an sich aber keinen Abbruch tut.

Und wenn ihr euch immer noch fragt, warum denn nun Cat Stevens schuld an der ganzen Misere sein soll: Greift zum Buch!

Kristina

Autor: Anthony McCarten
Buchtitel: Englischer Harem

Übersetzung: aus dem Englischen von Manfred Allié und Gabriele Kempf-Allié
Verlag: Diogenes

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5 Gedanken zu “Cat Stevens ist schuld

  1. Sabienes schreibt:

    Anthony McCarten ist ja überhaupt ein sehr ambitionierter Schriftsteller, der gerne Moralvorstellungen auf den Kopf stellt.
    Dieses Buch war eine so unglaublich zarte, süße Liebesgeschichte, mir ging es wie dir: Ich konnte es kaum aus der Hand nehmen.
    LG
    Sabienes

    • Kristina schreibt:

      Mich hat eher das Aufeinanderprallen der Kulturen an sich gefesselt, die eigenen Vorurteile, das Kopf zerbrechen, was in den Köpfen der Figuren vorgeht… in dem kleinen Buch passiert ja so viel! 🙂

  2. Corinna Pehla schreibt:

    Hallo,

    ich meine schon einmal etwas von dem Buch gehört zu haben, dann habe ich es wieder aus den Augen verloren und bin dank Deiner Verlinkung auf Facebook nun auf Deinem wunderschönen Blog gelandet.
    Vielen Dank also für den Buchtipp, den ich mir jetzt merken werde. 😉

    Liebe Grüße
    Corinna

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