Ein Hexer hat’s nicht leicht im Leben …

© Foto: Karoline, 2017

Als ich vor zwei Jahren anfing mich für den Hexer Geralt zu interessieren, hatte ich ja noch keine Ahnung welche Ausmaße das Ganze annehmen würde. Kurzgeschichten, ein Einzelroman und eine komplette Reihe, die sich nur um Geralt und seine Abenteuer drehen sollten. Nach und nach habe ich sie alle verschlungen, gelacht, mitgefiebert und bleibe nun mit reichlich Melancholie ob des großen beendeten Abenteuers zurück.

Zur Geschichte

Geralt von Riva führt ein einsames Leben. Als Hexer ist es seine Aufgabe Monster und Untiere zum Schutze der Menschen zu töten. Trotzdem ist er ein Ausgestoßener. Die Menschen schimpfen ihn Mutant und wechseln lieber schnell die Straßenseite, denn sein unheimliches weißes Haar sowie seine Hexer-Fähigkeiten machen ihnen Angst. Doch als das Schicksal ihn und die junge Thronerbin Ciri zusammenführt, sieht er sich gezwungen sein Eremiten-Dasein aufzugeben.

Die ersten beiden Bücher Der letzte Wunsch und Das Schwert der Vorsehung bilden eine Reihe von Kurzgeschichten, in denen der Leser in Geralts Welt geführt wird. Der Hexer nimmt mal allein, mal mit Freunden Aufträge an und besiegt Monster. Sapkowski versteht es dabei, all seinen Figuren (selbst den Monstern) solch einen Tiefgang zu verleihen, dass der Verlauf der Geschichten schlicht unvorhersehbar ist.

Die darauffolgenden fünf Romane Das Erbe der Elfen, Die Zeit der Verachtung, Feuertaufe, Der Schwalbenturm sowie Die Dame vom See bilden eine Pentalogie, in der es um das Schicksal der Prinzessin Cirilla geht. Durch eine Prophezeihung ist ihr Leben eng an das des Hexers gebunden. So fühlt er sich für sie verantwortlich, als ihre Familie getötet, ihr Erbe und ihr Land geraubt und sie des Lebens bedroht wird. Doch die Thronerbin von Cintra ist auf dem Heiratsmarkt zu begehrt, als dass sie ein friedliches Leben führen könnte. Schnell wird klar, dass Ciri als Spielball zwischen königlichen Intrigen missbraucht wird. Doch Geralt und seine Mitstreiter geben alles, um sie zu beschützen.

Den krönenden Abschluss bilden zwei weitere Geralt-Kurzgeschichen in Etwas endet, etwas beginnt sowie der Einzelroman Zeit des Sturms, die sich perfekt in das Universum einfügen und mich mit einem sentimentalen Gefühl der Sehnsucht zurücklassen.

Das Drumherum

Erschaffen wurde die wunderbar kreative, mittelalterliche Fantasy-Saga von dem polnischen Autoren Andrzej Sapkowski. Hier findet der geneigte Leser alles, was sich das Fantasyherz nur wünschen kann: sexy Wald-Amazonen (Dryaden), räuberische Elfen, kriegerische Zwerge, menschliche Diebesbanden, ein Verbund von Zauberinnen, herrschaftliche Kriege und mittendrin Ciri und Geralt. Sapkowski greift auch gerne auf klassische Märchen zurück, so haben Rapunzel und Schneewittchen, die hier den Beinamen „Die Würgerin“ trägt, ebenso ihre Auftritte wie die modernen Märchen Hans Christian Andersens durch die kleine Meerjungfrau. Striegen, Vampire, Werratten, Tritone, Riesenkraken und Doppler runden die Szenerie der fantastischen Gestalten ab.

Ein ständig wiederkehrender Begleiter und gleichzeitig der humorvolle Sidekick der Saga bildet Geralts Freund Rittersporn. Der Lautenspieler hat nur zwei Dinge im Kopf: Das Schreiben von Balladen und das Erobern von Frauen. Der Umherreisende hat eine Handvoll Verlobte am Start und kann seine Finger nur selten bei sich behalten. Zusammen mit dem wortkargen, zynischen Geralt entstehen dadurch wunderbar humorvolle, zotige Unterhaltungen, die mich regelmäßig in schallendes Gelächter ausbrechen ließen. Die zweite, immer wiederkehrende Person ist die Zauberin Yennefer. Sie ist wunderschön, aber nicht besonders nett oder beständig. Als Wildfang lässt sie sich weder von Geralt noch sonst einem anderen Mann lange binden. In einer von Testosteron gesteuerten Welt bleibt ihr aber auch nichts anderes übrig, als egoistisch zu sein.

Die Geralt-Saga verfügt über einen wunderbar trockenen Humor, den ich im Laufe der Bücher immer mehr zu schätzen wusste. Er ist deftig bis hin zum Fäkalen/Ordinären und trotzdem liebenswert. Geralts Witz ist dabei so bissig wie die Monster, die er jagt, während Rittersporn für die gelungene Prise Slapstick sorgt.

Es empfiehlt sich die Reihe zügig hintereinander zu lesen, denn durch die unglaubliche Bandbreite an Charakteren kann man schon mal durcheinanderkommen. Besonders bei den Zauberinnen hatte ich so meine Probleme. Leider fehlen den Büchern an dieser Stelle Personenregister, die wirklich hilfreich gewesen wären. Ebenfalls vermisst habe ich eine Landkarte, anhand derer ich mich geografisch besser hätte orientieren können. So blieb es mir gelegentlich unklar, wo welche Schlacht stattfand und wer wo auf wen traf.

Bei jedem einzelnen Buch war ich auf die erzählerische Herangehensweise gespannt. Es gibt immer wieder Perspektivwechsel, unterschiedliche Zeiten, Orte, Personen, die direkt im Geschehen oder in ferner Zukunft leben und die Ereignisse als historische Abhandlung niederschreiben. Durch diesen fragmentarischen, wie überraschenden Stil sind die Romane anspruchsvoll zu lesen, aber gerade deshalb unglaublich vielseitig und lebhaft.

Nun bleibt mir nur zu erwähnen, was viele bestimmt schon wissen. Die Geschichten um Hexer Geralt sind mitnichten abgeschlossen, denn die international bekannten PC- und Konsolenspiele The Witcher führen die Geschichte fort und beginnen zeitlich dort, wo die Bücher ihr Ende finden. Und wer vor der Menge an Bänden zurückschreckt: vor ein paar Tagen hat Netflix eine Serie rund um den berühmten Hexer in Auftrag gegeben. Freude!!! Geralt und seine mittelalterliche Monsterwelt leben also weiter und sind bunter denn je …

Karoline

Autor: Andrzej Sapkowski
Buchtitel: Die Hexer-Saga
Übersetzung: aus dem Polnischen von Erik Simon
Verlag: dtv

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4 Gedanken zu “Ein Hexer hat’s nicht leicht im Leben …

  1. letusreadsomebooks schreibt:

    Ich bin großer Fan der Spielereihe um den Hexer, habe aber bis jetzt nie wirklich in die Bücher reingefunden. Vielleicht sollte ich es doch noch mal versuchen, die erzählten Geschichten unterscheiden sich ja je nach Medium wohl deutlich voneinander beziehungsweise spielen zu einem anderen Zeitpunkt. Auf die Netflix-Serie freue ich mich auch schon und hoffe jetzt nur noch, dass die Umsetzung auch gelingt.

    • Karoline schreibt:

      Ja, da Sapkowski an den Spielen nicht mitgewirkt hat, gibt es da so einige Unterschiede. Ich finde du solltest der Reihe eine Chance geben 😉 die Kurzgeschichten eignen sich da wirklich gut, um in die ganze Thematik rein zu finden. Und bei der potentiellen Serie bin ich ja die gaaaanze Zeit schon aufgeregt und überlege, welche Schauspieler sie wohl nehmen könnten!!! Der Dorian Grey aus Penny Dreadful wäre ein toller Rittersporn, bei Geralt bin ich jedoch noch unschlüssig…

      • letusreadsomebooks schreibt:

        Okay, ich hatte bis jetzt nur die Reihe versucht und kam mit dem Stil nicht wirklich klar, vielleicht lag es aber auch an der Übersetzung. Aber deine Rezension hat mich nochmal darin bestärkt dem ganzen eine neue Chance zu geben. Als Geralt finde ich Mads Mikkelsen sehr gut geeignet, auch wenn das ein Wunschtraum bleiben wird.

      • Karoline schreibt:

        Hach, also prinzipiell stimme ich dir zu. Ich würde auch gern Mads sehen, hab aber etwas Angst, dass er zu alt für die Rolle sein könnte. Ich würde ja Tom Hardy gut finden, er ist schon reifer, aber körperlich in Topform. Aber auch das wird wohl ein Wunschtraum bleiben 😉

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