Es grünt so grün, wenn Bellas Blüten blüh’n

Der wunderbare Garten der Bella Brown Cover

© Foto: filmstarts.de, 2017

Ein Kinobesuch ist aus vielerlei Gründen ein Anlass zur Freude. Ein schöner Film, reichlich Knabbereien, Zuckerwasser und nette Gesellschaft sind genug, um das Herz höher schlagen zu lassen. Als kleiner Zusatz zum gelungen Abend darf aber eines nicht fehlen: Trailer. Hat man Glück und die Auswahl stimmt, ergänzt sich dann die eigene Wunschliste ganz von selbst. So stieß ich auch ganz unerwartet auf Der wunderbare Garten der Bella Brown. Kaum im Sessel niedergelassen, zwinkerten mir die kleinen Szenen der Vorschau verschmitzt zu. Es war um mich geschehen und prompt stand der nächste Kinotag fest.

Erzählt wird die Geschichte von, ganz genau, der sehr eigenen Bella Brown und ihrem Ringen um, wieder richtig, den von ihr ignorierten Garten an ihrem Haus. Die junge Frau hat vom Benutzen einer eigenen Zahnbürste für jeden Wochentag über das akkurate Ausrichten aller Gegenstände bis hin zum peniblen Separieren aller Bestandteile einer Mahlzeit so einige Macken. So hält Bella zwar das Innere des Apartments akribisch sauber, ekelt sich aber vor dem Grünzeug dahinter. Als der nervige alte Nachbar Mr. Stephenson dann eine Beschwerde wegen des verwahrlosten Zustands des Grundstücks an den Verwalter schickt, wird ihr ein Ultimatum gesetzt: Der Garten muss in einem Monat wieder annehmbar aussehen oder man wirft sie aus der Wohnung. Eigentlich wäre dabei der grüne Daumen von Mr. Stephenson eine große Hilfe, doch zu Beginn macht der sich eher über ihre Vorstöße lustig und will sie überhaupt nicht unterstützen. Auch weil der kranke Mann mit seiner mürrischen Art gerade seinen Koch und Helfer Vernon vergrault hat, der nun stattdessen bei Bella im Haushalt hilft. Zähneknirschend einigen sich die Nachbarn auf einen Tausch: Vernons leckere Mahlzeiten gegen Rat und Tat beim Gartenbau. Es kommt wie jeder es vermutet und die im Leben festgefahrene Bella und der einsame Kauz Mr. Stephenson freunden sich trotz aller Unterschiede in ihrem Wesen an.

Ganz unbekannt kommen einem die Elemente der Geschichte und der Stil des Films beim Schauen dann doch nicht vor. In seinen besten Momenten erinnert Der wunderbare Garten der Bella Brown an Die fabelhafte Welt der Amélie. Schon bei eine flotten Montage zu Beginn des Films, in der alle Eigenheiten der Protagonistin vorgestellt werden, denke ich direkt an den französischen Hit. Ziehen magische Bilder der Umgebung über die Leinwand, tauchen ähnliche Motive aus dem Paris von Jean-Pierre Jeunet in meinen Gedanken auf. Eine Kopie ist der Film von Simon Aboud zwar nicht, doch manchmal merkt man ihm an, wonach er greift. Vor allem, weil er es nicht jedes Mal schafft, es zu packen. Um einen ähnlich mühelos leichten, wenn nicht gar zauberhaften Film aus derart vielen kleinen Teilen zu erschaffen, bedarf es großen Könnens. In diesem Fall ist die Geschichte jedoch manchmal zu überladen. Bella kämpft mit sich selbst, mit dem Garten, mit dem Nachbarn, mit der Freundschaft mit Vernon, will Schriftstellerin werden und verguckt sich zu allem Überfluss auch noch in einen träumerischen Erfinder aus der Bibliothek, in der sie arbeitet. Das mag vielleicht in anderen Händen nicht zuviel des Guten sein, hier wirkt es aber so. Nichts scheint ausgereift oder zentral für den Film zu sein, wenig hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Setzt der Regisseur und Autor einige Standards eines Unterhaltungsfilms gekonnt ein, ist der Humor in vielen Szenen doch arg bemüht. Durch diese Unausgewogenheit geht auch die Glaubwürdigkeit der Handlung mehr und mehr verloren.

Mit Vergnügen angesehen habe ich den Film trotzdem, allein um einen kurzen Moment lang der schnöden Welt zu entfliehen. Der wunderbare Garten der Bella Brown bewegt sich dabei haarscharf an der Grenze zwischen zuckersüßem Genuss und Wohlfühlkitsch. Auf welcher Seite dieser Linie man im eigenen Urteil schließlich landet, ist einem selbst überlassen. Ich sage: In der richtigen Stimmung nett – aber einmal schauen genügt vollauf.

Bettina

Regisseur: Simon Aboud
Filmtitel: Der wunderbare Garten der Bella Brown
Erscheinungsjahr: 2017

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