Der Geist, den wir riefen

© Foto: Markus, 2017

Im letzten Jahr habe ich mein Interesse für Gesellschaftsspiele entdeckt und seitdem viele unterschiedliche Spielarten und Genres ausprobiert. Heute möchte ich euch Mysterium vorstellen, das für mich eins der ersten großen kooperativen Spiele war und das sowohl mich, als auch meine Freunde sehr begeistert hat.

1894, Schottland: im Herrenhaus des Grafen von Warwick ist ein Hausdiener unter ungeklärten Umständen ums Leben gekommen. Nun können bis zu sechs Spieler in die Rolle von Spiritisten schlüpfen, die dessen Tod aufklären möchten und dafür Kontakt mit dem Geist des Verstorbenen aufnehmen. Dieser wird ebenfalls von einem Spieler verkörpert, der den Spiritisten Hinweise in Form von Visionskarten gibt, um sie bei der Auflösung des Falls zu unterstützen.

Ziel der Spieler ist es nun, innerhalb von sieben Stunden (also sieben Spielrunden) das Rätsel zu lösen. Dabei besteht Mysterium aus zwei Phasen. Zunächst muss jeder Spieler seine persönliche Kombination aus Mörder, Ort und Tatwaffe herausfinden. Wenn alle Spiritisten innerhalb von sieben Stunden ihre Aufgaben erfüllen, beginnt die zweite Phase. Hier erhalten die Spieler vom Geist eine letzte gemeinsame Vision, mit der sie herausfinden müssen, wer der Verdächtigen nun der richtige Täter ist. Schaffen sie es nicht, haben sie verloren.

Aufbau
Zunächst wird ein Spieler bestimmt, der die Rolle des Geistes übernimmt. Da es einige Regeln zu beachten gibt sollte es sich dabei um jemanden handeln, der Mysterium bereits gespielt hat. Abhängig von der Spieleranzahl und des Schwierigkeitsgrades werden jeweils zwischen vier und neun Personen-, Orts- und Objektkarten gezogen und offen auf dem Tisch ausgelegt. Der Geist zieht die gleichen Karten aus dem blauen Stapel, mischt diese und zieht jeweils die gleiche Anzahl Karten, wie Spieler an der Partie teilnehmen. Nun teilt er sie zufällig hinter seinem Sichtbildschirm den Spiritisten zu, sodass jeder Spieler einen anderen potenziellen Mörder, Todesort und eine Tatwaffe hat, die er identifizieren muss. Die übrigen Karten werden in die Schachtel zurückgelegt.

Spielablauf
In der Phase 1 – Rekonstrukion der Geschehnisse – versuchen die Spiritisten herauszufinden, welche Personen Verdächtige sind, wo das Verbrechen stattgefunden haben könnte und welche Objekte als Tatwaffe in Frage kommen.

Um den Fortschritt ihrer Ermittlungen festzuhalten, bewegt jeder Spiritist im Spielverlauf seinen Marker entlang der Fortschrittstafeln. Jeder Spiritist muss zunächst seinen Verdächtigen identifzieren, danach seinen Ort und zum Schluss sein Objekt.

© Foto: Markus, 2017

Zunächst zieht der Geist sieben Visionskarten, auf denen surreale und detailreiche Zeichnungen abgebildet sind. In der ersten Runde entscheidet er sich, welche Karten auf welche Personen zutreffen könnten. Dafür kann er nach den abgebildeten Figuren, Farben, Formen oder sonstigem gehen. Der Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt. Nun teilt er eine oder mehrere Karten einem beliebigen Spieler zu. Danach füllt er seine Hand wieder auf sieben Karten auf und entscheidet sich für einen zweiten Spieler, dem er nun möglichst passende Karten gibt. Spiritisten, die bereits Visionskarten erhalten haben, dürfen keine weiteren bekommen. Gemeinsam mit den Mitspielern überlegt nun zunächst jeder, auf welche Person die Bilder hinweisen und setzt seinen Marker auf den passenden Täter.

Nachdem sich alle Spieler für einen möglichen Täter entschieden haben, erscheint der Geist. Er teilt den Spielern nun mit, ob sie mit ihrer Vermutung richtig liegen oder nicht. Wenn sich ein Spiritist richtig entschieden hat, bewegt er seinen Marker auf die nächste Fortschrittstafel und muss in der nächsten Runde den möglichen Tatort ermitteln. Liegt er jedoch falsch, legt er seinen Marker auf dieselbe Fortschrittstafel, auf der er diese Runde begonnen hat. In der nächsten Nacht muss er einen zweiten Anlauf wagen, die richtige Person zu ermitteln.

Nun beginnt die zweite Nacht und der Zeiger der Uhr muss um eine Stunde vorgerückt werden. Der Geist muss wieder Karten ziehen und diese möglichst passend an die Spieler verteilen. Natürlich darf der Geist den Spiritisten niemals Hinweise durch Kommentare oder Gesten geben.

Ist es den Spielern gelungen, dass bis einschließlich der siebten Runde jeder Spiritist seine Kombination aus Täter, Ort und Waffe erraten hat, findet die Phase 2 – Entlarvung des Täters – statt.

Dafür legt jeder Spieler seine Kombination in einer Gruppe aus, die aus Täter, Ort und Tatwaffe besteht. Der Geist muss nun aus seinen vorhandenen Visionskarten schauen, welche der vorgegebenen Kombinationen am besten zu seinen sieben Handkarten passt. Hat er sich für eine Kombination entschieden, muss er jeweils eine Karte für einen Täter, einen Ort und eine Tatwaffe verdeckt auf den Tisch auslegen. Je nach vorherigem Spielverlauf können die Spiritisten jetzt bis zu drei Karten sehen und müssen anhand dieser entscheiden, welches nun die richtige Kombination ist.

Haben sich die Spiritisten für die Gruppe mit dem wahren Täter entschieden, gewinnen alle Spieler gemeinsam die Partie und der Geist kann seine Ruhe finden. Dabei wurde jetzt nicht auf alle Einzelheiten in den Spielregeln eingegangen. Diese können aber noch einmal hier nachgelesen werden.

Bewertung
Bei Mysterium handelt es sich um ein wunderbares kooperatives Spiel, in dem viel Kommunikation gefragt ist, zumindest auf Seiten der Spiritisten. Dabei kann es in der richtigen Runde zu absurden Diskussionen kommen, welcher noch so kleiner Bildausschnitt auf einer vom Geist gegebenen Visionskarte nun auf einen bestimmten Täter hinweisen soll: „… Hm schau mal, eine Maus. Die soll doch eindeutig auf den Jäger hinweisen.“ „Nein, aber siehst du nicht die Karte im Vordergrund? Die weist bestimmt auf den Puppenmacher hin. Beides ist ja Spielzeug.“ „Aber der Hut könnte wiederum zum Koch gehören.“ „Oder war es vielleicht doch mal wieder der Gärtner?“ Und so weiter. Vor allem für denjenigen, der den Geist spielt, kann das Ganze sehr nervenaufreibend sein. Zumal er ja keine Gestik und Mimik von sich geben und auch nicht sprechen darf. Sehr häufig haben wir in einer Spielrunde auch den Ausdruck „Der Geist ist verwirrt“ genutzt, da wir partout nicht wussten, was er uns mit den Karten sagen wollte.

Des Weiteren muss ich die fantastische und stabile Aufmachung des Spielmaterials loben, die sehr gelungen ist und perfekt zur Thematik des Spiels passt. Die Gestaltung des Sichtbildschirms sowie die Uhr und die Spielfiguren in Form von Wahrsagerkugeln wurden atmosphärisch und stimmig umgesetzt. Ein besonderes Augenmerk muss auch auf die Illustrationen gelegt werden, die fantasiereich, künstlerisch und entsprechend der Atmosphäre wunderbar düster geworden sind. Am ehesten haben mich die Bilder an die Werke des surrealistischen Künstlers Salvador Dali erinnert.

Da das Spiel von lebhaften Diskussionen lebt, sollte allerdings darauf geachtet werden, dass die Mitspieler auch Spaß daran haben, abstrakt zu denken und kreativ darin zu sein, sich Geschichten auszumalen. Ansonsten kann es schnell dazu führen, dass bedrückende Stille am Spieltisch herrscht. Auch kann es sein, dass sich der Spielspaß in der gleichen Spielrunde relativ schnell abnutzen kann, da sich die Karten bald wiederholen und man nach einigen Runden auch weiß, auf welche Punkte die Spieler auf den Karten besonders achten müssen. Zum Glück wurde kurz nach Erscheinen des Hauptspiels auch die Erweiterung Mysterium – Hidden Signs herausgebracht, die zusätzlich zum Hauptspiel noch 42 weitere Visionskarten und 18 Spiritistenkarten enthält. Somit handelt es sich bei Mysterium um ein einmaliges, atmosphärisches Spiel, dass ich jeder größeren Runde ab vier Spielern empfehlen kann, in der gerne herumfantasiert und spekuliert wird.

Markus

Autoren: Oleksandr Nevskiy, Oleg Sidorenko
Titel: Mysterium
Verlag: Libellud / Asmodee

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2 Gedanken zu “Der Geist, den wir riefen

    • Markus schreibt:

      Ja, find ich auch 😉 Dir natürlich auch nochmal vielen Dank für die Bereitstellung der Fotos und die vielen spannenden Spielrunden. 🙂

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