Ein knackiger Pfarrer auf Verbrecherjagd

© Foto: Karoline, 2017

Ich weiß, dass ich euch damit bestimmt schon auf die Nerven gehe, aber einfach jeder britische Krimi wird bei mir an meiner heiß geliebten Agatha Raisin gemessen. Ob da ein ermittelnder Pfarrer in den 50er Jahren mithalten kann? In der Tat, das kann er.

Giftmorde, Kunstdiebstahl, Brandanschläge – der junge Gemeindepfarrer Sidney Chambers hat alle Hände voll zu tun, denn das kleine Örtchen Grantchester ist ein Pfuhl der Sünden. Wie gut, dass der adrette Beichtvater seinen Schäfchen so manches Geheimnis entlocken kann, denn wer könnte schon einen Mann Gottes belügen? Unterstützung bekommt er, erst widerwillig und später nur allzu gerne, von seinem Backgammon-Freund Inspector Keating, mit dem er sich jeden Donnerstagabend im örtlichen Pub trifft.

Als sehr erfrischend empfinde ich, dass Sidney als anglikanischer Priester dem weiblichen Geschlecht gegenüber nicht abstinent sein muss. Besonders zwei Damen sind ihm sehr zugetan, sodass sich auch an dieser Front so einiges entwickelt. In insgesamt zwölf Fällen stolpert der attraktive Canon Chambers immer wieder über neue kriminelle Machenschaften, in denen er mit seinem Freund Inspector Keating erfolgreich ermittelt. Beide gehen dabei mit grundverschiedenen Ansätzen zugange: Während bei Keating prinzipiell alle lügen und verdächtig sind, so versucht Sidney erst einmal an das Gute im Menschen zu glauben und verlässt sich auf seine Intuition.

Ein wunderbarer Sidekick ist Mrs. Maguire, die Haushälterin und Tratsche des gesamten Dorfes. Sie wischt bevorzugt dort Staub, wo Sidney etwas zu verstecken hat und schreitet auch schon mal zur Tat, wenn beim Pfarrer die Schmuddelzeitschrift Schwüle Blüten mit eher sporadisch bedeckten jungen Frauenkörpern auftaucht. (Natürlich ist der junge Canon ein aufrechter Mensch und hatte dieses Magazin lediglich gekauft, als er eines seiner Schäfchen wiedererkannte.)

Nicht jeder Fall beginnt mit einer Ermordung, auch verschwundene Verlobungsringe und Gemälde wollen gefunden werden. Fast alle Geschichten sind durchweg unterhaltsam und sehr charmant geschrieben, mit der typisch britischen Art von Humor. Obwohl jeder Fall in sich geschlossen ist, so geschehen in den jeweiligen Fällen Dinge, die die weiteren beeinflussen werden. Da es sich um eine kleine Gemeinde handelt, gibt es auch stets wiederkehrende Akteure. James Runcie lässt dabei immer wieder historische Ereignisse und Gegebenheiten mit ins Geschehen einfließen. Ob es sich nun um Toiletten im Außenbereich, den Zweiten Weltkrieg oder die strafbare Homosexualität handelt. Einzig die Verwicklung in Spionage-Aktivitäten des Kalten Krieges wollten mir so gar nicht zu der sonst so idyllischen und beschaulichen Umgebung passen. Aber diese zwei Geschichten einmal ausgeklammert, habe ich mich prächtig unterhalten gefühlt und hoffe, dass der Atlantik Verlag auch die in England bereits erschienen vier Folgebände verlegen wird.

Karoline

Autor: James Runcie
Buchtitel: Der Schatten des Todes, Die Schrecken der Nacht
Übersetzung: Aus dem Englischen von Renate Orth-Guttmann
Verlag: Atlantik

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7 Gedanken zu “Ein knackiger Pfarrer auf Verbrecherjagd

    • Karoline schreibt:

      Ich lechze ja die ganze Zeit schon nach Infos wann der dritte Band ins Deutsche übersetzt wird… Mir gefällt die Aufmachung so gut… Hast du die Geschichten auf deutsch oder englisch gelesen?

  1. Bettina schreibt:

    Uhhhh, da haben sie ja sogar schon eine Fernsehserie draus gemacht! Habe jetzt also gerade Ausschnitt um Ausschnitt von Grantchester geschaut. Sieht auch sehr gut aus, irgendwie nostalgisch.

      • Bettina schreibt:

        Hmmm, habe mal die Trailer für Agatha angeschaut. Fühlt sich natürlich weniger nach cozy mystery an und hat nicht den historischen Charme von Sidney Chambers. Im Gegenzug hatte ich jetzt erwartet, dass der Humor bei Agatha besser rüberkommt … kann mich jetzt aber nicht entscheiden ob es wirklich so war. Grantchester hat mehr Lust aufs Schauen gemacht. Mal sehen ob ich es nicht doch erst lese 😊

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