Hochzeit im Kerker

© Foto: Carmen, 2017

Aufmerksam geworden durch einen Hinweis in einer Facebook-Gruppe, habe ich mir den historischen Roman Meister Frantz und die Perlen der Zahlmeisterin gekauft, da ich die behandelte Thematik liebe. Als ich es dann in der Hand hielt, kamen mir erste Zweifel. So etwas Ähnliches war mir schon mal passiert: ein selbstverlegter Roman, der sich als wirklich fürchterlich entpuppte. Doch da die Gruppe die Autorin empfohlen hatte, wagte ich mich dennoch an das Buch.

Hauptperson ist der Nürnberger Henker Meister Frantz. Als Unehrlicher und Unberührbarer wird er von allen gemieden. Nur wen ein Zipperlein plagt, holt ihn zu Hilfe, da ihm Zauberkräfte zugeschrieben werden. So auch die halbseitig gelähmte Christina Zahlmeisterin. Regelmäßig besucht sie ihn, um sich behandeln zu lassen und ihre Medizin zu holen. Doch eines Tages wird sie von ihrer Dienstmagd erschlagen aufgefunden. Ihr einzig wertvoller Besitz, eine Perlenkette, ist verschwunden. Und so nimmt das Schicksal seinen Lauf. Ihre Magd Kathi wurde gesehen, wie sie mit einem Messer in der Hand aus dem Fenster sprang. Somit steht für die Schöffen die Täterin fest. Da spielt es erst einmal keine Rolle, dass die Zahlmeisterin gar nicht erstochen wurde. Einziger Helfer in der Not ist Max, ein Schütze im Dienst der Stadt. Er hat ein Auge auf die Magd geworfen und ist von ihrer Unschuld überzeugt. Trotzdem wird Kathi festgenommen und Max wandert als Helfershelfer ins Gefängnis. Für beide sieht es ganz und gar nicht gut aus, doch zum Glück haben sie den Henker auf ihrer Seite, der auf eigene Faust den wirklichen Mörder sucht. Dabei bekommt er Hilfe von den verschiedensten Leuten aus der Stadt und lässt sich einiges einfallen, um Kathi vor der peinlichen Befragung zu schützen. Dafür setzt er sogar sein eigenes Wohlergehen aufs Spiel. Nach allerlei Wendungen und kuriosen Taten, führt ihn ein Informant auf die richtige Fährte.

Wie bereits eingangs erwähnt, bestätigte sich meine schlechte Vorahnung. Zwar ist der Schreibstil flüssig und ohne Schnörkel, daher kann ich nicht meckern. Jedoch hat sich beim Lesen das Gefühl eingestellt, dass die Geschichte einfach irgendwo abgeschrieben wurde. Völlig flach und mit „Action“-Wendungen, welche den Leser in die richtige Richtung schieben sollen. Manches Mal nicht nachvollziehbar, an den Haaren herbeigezogen und mitunter total verwirrend. Dabei stand der Täter für mich bereits auf Seite 20 fest. Trotzdem habe ich mich durch das Buch gearbeitet, was nicht schwer war, da die Schreibweise eben sehr angenehm ist. Über die Arbeit des Henkers und seine Gefühle oder den Werdegang erfährt man kaum etwas. Was darüber geschrieben wird, sind nur Allgemeinplätze, statt direkter Informationen über den Henker von Nürnberg. Das ist für mich allerdings wichtig. Im Großen und Ganzen ist Meister Frantz und die Perlen der Zahlmeisterin ein ziemlich enttäuschendes Buch. Die Story plätschert seicht dahin und die Ereignisse sind durchweg vorhersehbar. Zwar finden die Figuren irgendwie zueinander, aber das Wie und Warum erschließt sich dem Leser nicht.

© Foto: Carmen, 2017

Der Umschlag hat mich eher abgeschreckt als ermutigt, das Buch in die Hand zu nehmen. Die Vorderseite ist noch halbwegs ansehnlich, aber die Rückseite ist schlichtweg grauslig gestaltet. Gleich auf der dritten Seite werden die handelnden Personen vorgestellt und die Autorin weist darauf hin, das diese im Text fett hervorgehoben sind. Allerdings überzeugt hier das Lektorat nicht, denn mehrere Figuren wurden übersehen. Bereits auf Seite 15 bemerkte ich einen weiteren Fehler. Für mich bedeutet Lektorat/Korrektorat genaues Arbeiten und vielleicht sogar den Autor darauf hinzuweisen, dass er noch nicht so weit ist, ein Buch zu veröffentlichen. Die Lektorin zeichnet zudem für die Umschlaggestaltung verantwortlich. Da sage ich: „Schuster bleib bei deinem Leisten!“ Interessehalber habe ich die Webseite von Edith Parzefall besucht und dort ist mir dann einiges klar geworden, als ich die Lektorin Kathrin Brückmann als Mitautorin diverser anderer Bücher fand. Für mich ein klarer Fall von Selbstüberschätzung.

Am Ende bleibt mir nur eines zu sagen übrig: Schade. Hier wurde ein interessantes Thema leider sehr dilletantisch umgesetzt. Zum Glück habe ich das Buch günstig ergattert, so dass es mir leicht fällt, es wegzugeben. Obwohl … Wem möchte ich das antun? Die Folgebände werden auf keinen Fall bei mir landen.

Carmen

Autorin: Edith Parzefall
Buchtitel: Meister Frantz und die Perlen der Zahlmeisterin
Verlag: Edith Parzefall

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