Ein Märchen für Erwachsene

© Foto: Markus, 2017

Als ich mich im Rahmen des Spanien-Monats dafür entschied, dass ich das Fantasy-Drama Pans Labyrinth von Guillermo del Toro rezensieren möchte, gab es zunächst  Überlegungen, ob man ihn überhaupt zum spanischen Film dazuzählen könne. Schließlich ist der Regisseur Mexikaner und gedreht wurde auch nicht ausschließlich in Spanien, sondern zusätzlich noch in den USA und in Mexiko. Da der Film jedoch durchgehend in den Bergen Nordspaniens kurz nach dem Ende des spanischen Bürgerkriegs spielt und er zudem viele bekannte Elemente aus spanischen Werken enthält, kam ich nicht umhin, eine Kritik zu dem bildgewaltigen und verstörenden Film zu verfassen.

Die Geschichte setzt im Jahr 1944 zu Zeiten des Franco-Regimes ein. Das Mädchen Ofélia (Ivana Baquero) zieht mit ihrer schwangeren Mutter Carmen (Ariadna Gil) zu ihrem Stiefvater (Sergi López), der Hauptmann eines Truppenlagers in einer ländlichen Gegend Nordspaniens ist. Dort bekämpft er mit großer Brutalität die republikanischen Rebellen, die weiterhin den Kampf gegen das faschistische Regime fortführen. Zugang findet das Mädchen in der totalitären und trostlosen Welt nur zu der Hausangestellten Mercedes (Maribel Verdú), die vom Lager aus mit den Rebellen in den Bergen kooperiert und ihnen mithilfe des Arztes Dr. Ferreiro (Álex Angulo) Nahrung und Medikamente zukommen lässt. Während innerhalb und außerhalb des Lagers viele Grausamkeiten geschehen, entdeckt Ofélia in der Nähe des Grundstücks ein altes Labyrinth, das sie zum Waldgott Pan (Doug Jones) führt, einem Mischwesen, das aus einem Menschenkörper und dem Unterkörper eines Ziegenbocks besteht. Er offenbart ihr, dass sie in Wirklichkeit eine verschwundene Prinzessin des Königreichs der unterirdischen Welt ist und dass sie die Möglichkeit hat, dorthin zurückzukehren. Doch vorher muss sie drei Prüfungen bestehen, um zu beweisen, dass sich ihr Wesen nicht gewandelt hat und sie nicht zu einer Sterblichen geworden ist.

Was man zu diesem Film im Vorhinein unbedingt wissen muss, ist, dass es sich bei Pans Labyrinth mitnichten um einen bunten Fantasyfilm handelt. Vor allem, weil der Regisseur Guillermo del Toro eher durch seine etwas „seichteren“ Fantasy-/ Actionfilme wie z.B.  Hellboy, Hellboy – Die Goldene Armee oder Pacific Rim bekannt ist. Doch Pans Labyrinth ist vielmehr ein sehr brutaler Kriegsfilm mit vereinzelten fantastischen Elementen. Die grausame Realität, in der unschuldige Fremde rücksichtslos erschlagen und feindliche Rebellen ohne Unterlass gefoltert werden, behält stets die Vorderhand. Die Traumwelt, in die Ofelia gelangt, ist aber nicht weniger düster und grauenvoll. So muss sie z.B. vor einem augenlosen Kinderfresser fliehen. Sehr interessant fand ich, dass solche Abschnitte immer einen Bezug zur realen Welt haben und dort im späteren Verlauf Gegenstände eine wichtige Rolle spielen, die Ofélia während ihrer Prüfungen erhält. Überhaupt gibt es in dem Film unzählige Symboliken und Interpretationsmöglichkeiten, sodass man bei der Erstsicht unmöglich alles auf einmal entdecken kann.

Zudem ist Pans Labyrinth sehr bildgewaltig, wer allerdings farbenfrohe, idyllische Szenen erwartet, wird schnell eines besseren belehrt. Die Bilder sind sowohl in der realen als auch in der Fantasywelt sehr düster gehalten. Unterstützt wird die pessimistische Grundstimmung durch einen melancholischen Soundtrack, der in Form eines gesummten Schlafliedes in mehreren Variationen auftritt . Als ich den Film vor etwa sieben Jahren zum ersten Mal gesehen habe, brannte sich die Melodie geradezu in mein Gedächtnis ein und habe ich seither immer wieder mit den Bildern aus dem Film verknüpft.

Die Schauspieler überzeugen allesamt in ihren Rollen, besonders muss ich in diesem Zusammenhang aber Sergi López erwähnen, der den verachtenswerten Hauptmann extrem überzeugend darstellt. Auch Ivana Baquero als Ofélia macht ihre Sache sehr gut, obwohl ich ihr Schauspiel ehrlich gesagt manchmal etwas statisch finde. Eine besondere Erwähnung verdient noch einmal Doug Jones, der schon in mehreren Hellboy Filmen mitgespielt hat und hier gleich in zwei Rollen schlüpft: in die des Pan und des kinderfressenden Monsters. Vor allem letzteres hat sicherlich nicht nur mir einige schlaflose Nächte bereitet.

Somit ist Guillermo del Toro mit einem seiner vermutlich etwas unbekannteren Filme ein unvergessliches, schwermütiges und düsteres Kriegsdrama gelungen, das die unbestreitbar schrecklichen Geschehnisse während des Franco-Regimes mit einer Fantasywelt verknüpft. Das Ergebnis ist weit von einem unterhaltsamen und leichtfüßigen Film entfernt und nach dem Anschauen wird man definitiv keine gute Laune haben. Aber trotzdem ist es ein unvergessliches Meisterwerk, das mir aufgrund der bedrückenden Geschichte, der verstörenden Bilder sowie der Metaphorik und des melancholischen Soundtracks im Gedächtnis geblieben ist.

Markus

Regisseur: Guillermo del Toro
Filmtitel: Pans Labyrinth
Erscheinungsjahr: 2006


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3 Gedanken zu “Ein Märchen für Erwachsene

  1. Shalima Moon schreibt:

    Die Szene mit dem Kinderfressermonster musste ich (wenn ich den Film geguckt habe, wenn es bereits dunkel war) immer vorspulen. Aber ansonsten hat mich der Film schon nach der ersten Sichtung fasziniert.

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