Ist die Jahrtausendwende das Ende der Welt?

© Foto: Ilke, 2017

Mittelalterromane meide ich zumeist, doch für unseren neuen Weltenbummlermonat wagte ich mich in dieses unbekannte Territorium. Titel, Cover und Inhalt des Jugendromans Finis Mundi oder Die drei magischen Amulette sprachen mich sofort an. Hier trifft Mittelalter auf Fantasy.

Wir schreiben das Jahr 997 n.Chr., irgendwo in der Normandie. Der vierzehnjährige Mönch Michel ist der einzige Überlebende eines Klosterangriffs durch die Ungarn. Er konnte nicht nur sich retten, sondern auch ein Buch, welches er abschreiben sollte. Darin befinden sich einige Pergamentblätter des Einsiedlers Bernhard von Thüringen, der göttliche Visionen vom Ende der Welt im Jahr 1000 und Hinweise zu dessen Verhinderung empfing. Es gäbe drei Amulette bzw. Achsen, die sich an verschiedenen Orten  befinden und mit deren Hilfe der Geist der Zeit angerufen und die Apokalypse um weitere 1000 Jahre verschoben werden kann. Die Hinweise über die Standorte fallen hierbei sehr vage aus und Michel hat keine Ahnung, wo er mit der Suche beginnen soll. Durch Zufall trifft er auf den Bänkelsänger Mattius, der schon viel herumgekommen ist, und vertraut sich ihm an. Dieser glaubt nicht an die Thesen, möchte den Jungen jedoch nicht allein losziehen lassen, und so begeben sich beide nach Aachen, wo sie das erste Amulett vermuten. Doch nicht nur sie möchten das Kleinod finden, auch andere Personen mit weit finsteren Absichten haben es darauf abgesehen.

Mit seinen 301 Seiten ist bei dem Roman kein detailreicher Epos zu erwarten. Die Charakteristik der Protagonisten und Antagonisten ist kurz gehalten und wird nur grob skizziert, verschiedene Dinge werden angedeutet, aber nicht weiter verfolgt. Zumindest Michel erlebt während der Reise eine Entwicklung des Charakters und auch Mattius lassen die Ereignisse nicht ungerührt. Ich hätte mir mehr Tiefgang über die Motivation und Vergangenheit der einzelnen Personen gewünscht. Das Buch gliedert sich in drei Abschnitte: die Achse der Gegenwart, die Achse der Zukunft, die Achse der Vergangenheit. Die Amulette sind in ganz Europa verteilt und die Hinweise nicht besonders deutlich, dennoch haben die Protagonisten Glück und vermuten stets den korrekten Standort. Wo sich andere Bücher über viele Seiten hinweg mit der monatelangen Reisebeschreibung zwischen Ort A und Ort B aufhalten, werden diese Passagen hier einfach weggelassen und nur in wenigen Sätzen erwähnt. Da ich kein Freund von ausufernden Reiseberichten in Romanen bin, hat mir das sehr gut gefallen. Ob verschiedene Ereignisse oder Beschreibungen historisch korrekt sind, kann ich nicht beurteilen, aber selbst wenn nicht, kann man darüber aufgrund des Fantasyeinschlags hinwegsehen. Der Schreibstil ist recht einfach gehalten, das Buch lässt sich flüssig durchlesen.

Finis Mundi ist weder inhaltlich noch sprachlich eine Meisterleistung, hat mich aber gut unterhalten und war spannend zu lesen.

Ilke

Autor: Laura Gallego García
Buchtitel: Finis Mundi oder Die drei magischen Amulette
Übersetzung: aus dem Spanischen von Ilse Layer
Verlag: dtv

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