Düstere Zukunftsvisionen

© Foto: Ilke, 2017

Als Serienjunkie habe ich schon viele Serien geschaut, viele davon super, einige in Ordnung. Nur wenige schafften es aber, mich zu beeindrucken und nachhaltig darüber nachdenken zu lassen. Eine dieser Serien ist definitiv Black Mirror.

In dieser britischen Science-Fiction-Serie geht es  um die Auswirkung von Technik auf die Gesellschaft, vor allem Social Media spielte hierbei eine große Rolle. Die Besonderheit von Black Mirror zeigt sich darin, dass jede Episode in sich abgeschlossen ist und einen eigenen Schauplatz und eigenen Cast besitzt. Die Szenarien spielen zudem jeweils in einer anderen Realität. Ebenso variiert die Laufzeit je Folge zwischen 42 und 89 Minuten.

Die erste Staffel ist mit drei Episoden die kürzeste. Wir erleben das Dilemma des Premierministers, als Erpresser von ihm verlangen, öffentlich etwas furchtbares zu tun oder den Tod der Prinzessin zu verantworten; die Versuche zweier sklavenähnlicher Arbeiter, durch eine Castingshow ihr Leben zu verbessern und die Folgen eines implantierten Gedächtnisprotokolls, das jeden Sinneseindruck festhält und jederzeit abgerufen werden kann. Die zweite Staffel ist mit vier Folgen nur unwesentlich länger als die erste und entführt den Zuschauer unter anderem in eine Zukunft, in der eine intelligente Technik Verstorbene imitieren kann, um den Trauerprozess zu erleichtern, und eine Welt, in der manche Menschen scheinbar grundlos gejagt werden. Staffel drei ist mit sechs Folgen die bisher längste und beschäftigt sich unter anderem mit virtueller Realität, den Folgen von der Abhängigkeit von Social Media und gehackten Kameras.

Wie man sieht, liegt der Fokus in der kritischen Auseinandersetzung darüber, wie technische Errungenschaften unser Leben zwar bereichern, dabei jedoch schnell zur Last und Bedrohung werden können. In die Situationen, in denen sich die Protagonisten wiederfinden, kann oftmals jeder von uns, mit etwas Pech, auch selbst hineinrutschen. Es ist erschreckend zu sehen, dass die dystopisch angehauchte Zukunftsvision gar nicht so weit von uns zu sein scheint. Der Titel weist eine Doppeldeutigkeit auf, die mir sehr gefällt und erst recht spät klar wurde. Zum einen bezeichnet Black Mirror den schwarzen Spiegel eines ausgeschalteten Bildschirms, zum anderen wird der Gesellschaft, wie sie jetzt existiert, ein dunkler Spiegel vorgehalten.

Es bereitet ein morbides Vergnügen, die Serie zu schauen, manchmal auch gar kein Vergnügen. Die Pointe der Geschichten ist oftmals so perfide und boshaft, dass man danach erstmal ein paar Katzenvideos zur Beruhigung benötigt. Im Gegensatz dazu gibt es auch schwarzhumorige und absurd anmutende Episoden. Ein Happy End kommt nur selten vor, und wenn, dann mit fadem Beigeschmack. Die Serie mutet dem Zuschauer einiges zu und es kostet ein bisschen Überwindung, sich dem auszusetzen. Hat man dies geschafft, erhält man jedoch ein kreatives und spannendes Heimkinoerlebnis, das man so noch nie hatte.

Black Mirror ist auf Netflix zu finden, aktuell wurden drei Staffeln in Deutschland veröffentlicht, eine vierte wurde angekündigt.

Ilke

Erschaffen von: Charlie Brooker
Serientitel: Black Mirror
Ausgestrahlt: seit 2011

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5 Gedanken zu “Düstere Zukunftsvisionen

    • Ilke schreibt:

      Das ist wahr. An die Folge mit der Castingshow zum Beispiel kann ich mich noch gut erinnern, und es ist schon lange her, dass ich sie sah.

  1. Bettina schreibt:

    Das mit den Katzenvideos zur Beruhigung nach einigen Episoden kann ich nur unterstützen! Da brauchte ich schon gelegentlich eine Weile um wieder an das Gute auf der Welt und besonders im Menschen zu glauben. Gerade weil die Welten von Black Mirror nicht so weit von unserer weg sind, fand ich es manchmal richtig schwer weiterzuschauen. Da verlockt das Streaming doch einfach zu sehr dazu Pausen zu machen.

    • Ilke schreibt:

      Ja, andererseits ist das vielleicht sogar ganz gut, so verstreicht der Tag nicht vollkommen, während man in dem Sofa versinkt.

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