Mein Soundtrack: Ich bleib immer bei Tequila, Baby

© Foto: Karoline, 2017

Schon lange hatte meine ausgehungerte Musikerseele nach etwas Dramatik mit melodiöser Untermalung gelechzt. Als dann meine Filmmuse mir eines Tages Straßen in Flammen präsentierte, war ich daher – verzeiht mir den schlechten Wortwitz – Feuer und Flamme. Der Film war mir bis dato völlig unbekannt, aber der Untertitel „Eine Rock’n’Roll-Fabel“ ließ mein Herz schon höher schlagen. Doch konnte er halten, was er dem kreischenden Teenager in mir versprach?

Die gleichermaßen berühmte, wie attraktive Sängerin Ellen Aim (Diane Lane) gibt ein Benefizkonzert in ihrem alten zwielichtigen Viertel, das von den Bombern, einer gesetzlosen Motorradgang, terrorisiert wird. Prompt stürmen die Lederjacken natürlich den Saal und entführen die trällernde Schönheit. Die Polizei macht bei der Verfolgung der Gangster keine gute Figur. Daher schreibt eine Frau aus dem Publikum einen Brief an ihren Bruder (Michael Paré) und bittet diesen um Hilfe. Kurze Zeit später steht er auch schon im heruntergekommenen Diner: Tom Cody, ein wahrer Teufelskerl. Verwegen ins Gesicht hängende Haare, stylische Hosenträger und darüber ein abgeranzter Trenchcoat runden das Antlitz dieses modernen Cowboys ab. Gemeinsam mit der schlagfertigen Exsoldatin McCoy (Amy Madigan) und dem Freund/Manager der Sängerin (Rick Moranis) wollen sie die Gekidnappte befreien. Doch Tom Cody und Ellen Aim verbindet mehr als eine bezahlte Befreiungsaktion.

Die Story ist simpel, wie es eben bei solchen Filmen meistens der Fall ist, denn eigentlich steht doch die Musik im Vordergrund. Das gelingt diesem 30 Jahre alten Klassiker sehr gut, denn es gibt wenige Durststrecken, die ohne Melodie verstreichen. Der musikalische Stil ist ebenso wie die Klamotten ganz 80er und erinnerte mich häufig an Bonnie Tylers Power-Balladen. Dass die Songs ordentlich ausgespielt und nicht nur angeschnitten werden, ist ein klarer Pluspunkt. Diane Lanes Retro-Schulterpolster sind für mich der stylische Höhepunkt.

Straßen in Flammen kann mit einem Ensemble an hochkarätigen Schauspielern aufwarten. Neben der leider etwas einseitig geratenen Diane Lane, trumpft Willem Defoe als Bomber-Oberbösewicht auf. Dieser fiese Kerl mit seinen kalten Blicken, der John-Travolta-Tolle, dem heißen Motorrad und seiner unschlagbaren Klamotte (eine Kombination aus Latexfummel und Anglerhose mit Hosenträgern) ist jedoch leider etwas zu kurz geraten. Gerne hätte ich hier mehr gesehen. Getröstet wurde ich jedoch mit dem Anblick des smarten Draufgängers Michael Paré, der die Teenie-Herzen in den 80ern bestimmt reihenweise zum Schmelzen brachte. Aber auch sein Kompagnon in Form der maskulin angehauchten McCoy wird von Amy Madigan exquisit verkörpert. Diese beiden liefern sich eine Sprücheklopfer-Schlacht nach der anderen und halten die ganze Story im Gang. Auch Rick Moranis habe ich von einer anderen Seite kennenlernen dürfen. Bei Ghostbusters und im Kleinen Horrorladen verkörpert er immer den lieben Schüchternen, hier darf er mal das geldgierige Ekelpaket mimen.

Ich könnte noch so viel zu diesem vergessenen Klassiker erzählen. Von der grandiosen Sangestruppe, die mitten im Film zu Cody und seinen Leuten stößt oder von der total überzogenen und daher witzigen Pyrotechnik, von dem grandiosen Set oder den coolen Karren. Wieso dieser tolle Film in der Versenkung verschwand, ist mir ein Rätsel. Ebenso wie er zu einer FSK 18 kam. Vielleicht wegen der zelebrierten Selbstjustiz? Ich kann dieses verdrängte Kleinod der Musikfilme nur wärmstens an alle weiterempfehlen, die genau wie ich gern bei solchen Streifen den Soundtrack mitgrölen und nicht still sitzen können.

Karoline

Regisseur: Walter Hill
Filmtitel: Straßen in Flammen
Erscheinungsjahr: 1984

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