Samstagshäppchen: Der Ruf nach einem Monster

© Foto: Markus, 2017

Auch wenn die Kategorie Samstagshäppchen etwas anderes aussagt, ist das auf den gleichnamigen Roman basierende Fantasy-Drama Sieben Minuten nach Mitternacht alles andere als leicht verdaulich. In einer beeindruckenden Kombination aus bildgewaltigen, märchenhaft inszenierten und realistisch dramatischen Szenen wird das Seelenleben eines 12-jährigen Jungen austariert, dessen Leben alles andere als sorglos ist.

Der kleine Conor O’Malley (Lewis MacDougall) lebt bei seiner kranken Mutter (Felicity Jones) und muss sich darüber hinaus mit ihn hänselnden Mitschülern und seiner ungeliebten Großmutter herumschlagen. Als eines Nachts Punkt Sieben Minuten nach Mitternacht die alte Eibe (Stimme im Original: Liam Neeson) vor seinem Fenster lebendig wird und beginnt, ihm drei Geschichten zu erzählen, ändert sich sein Leben abrupt …

Wie auch in dem bereits von mir rezensierten Fantasy-Kriegsdrama Pans Labyrinth, entsteht in Sieben Minuten nach Mitternacht vor einem Kind eine Fantasy-Welt, um vor der bedrückenden Realität zu fliehen, bzw. sich dieser zu stellen. Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, wie Kinder mit Themen wie Verlustangst und Trauer umgehen.

Emotional hat mich die Geschichte rund um Conor stark erwischt. Langsam und behutsam baut der Regisseur das Verhältnis von Conor zu seinen Eltern und dem Monster in Form der Eibe auf, um in einem hochdramatischen Finale zu münden. Da ist es eine willkommene Abwechslung, dass sich die tristen, realistischen Szenen mit einem Aquarell-Animationsstil abwechseln, in dem die Geschichten des Monsters gehalten sind. Also auch optisch überzeugte mich der Film voll und ganz.

Lewis MacDougall, der die Rolle des 12-jährigen Connor übernimmt, schafft es perfekt, seine Gespaltenheit und Verzweiflung auf die Leinwand zu bringen. Auch Felicity Jones als kranke Mutter und Sigourney Weaver als überforderte Oma spielen ihre Rollen eindringlich und überzeugend. Das Herz des Films ist aber das wunderbar animierte knorrige Baumwesen, das im Original von Liam Neeson gesprochen wird. Aber auch sein deutscher Synchronsprecher schafft es mit seiner sehr tiefen und einnehmenden Stimme, dass nicht nur Connor, sondern auch der Zuschauer gebannt seinen Geschichten lauscht.

Somit handelt es sich bei Sieben Minuten nach Mitternacht um einen tieftraurigen Film, der aufgrund seiner Thematik so ziemlich jeden anspricht und bei dem am Ende kein Auge trocken bleibt.

Markus

Regisseur: Juan Antonio Bayona
Filmtitel: Sieben Minuten nach Mitternacht
Erscheinungsjahr: 2017


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