Da liegt ein toter Mann in unserem Haus!

© Foto: Ilke, 2017

Wein, Weib und Wahnsinn – das sind die Zutaten einer der besten Geschichten, die ich kenne. Bereits vor einiger Zeit habe ich den Film Arsen und Spitzenhäubchen gesehen und war begeistert, als ich die Gelegenheit bekam, das dem zugrunde liegende Theaterstück schauen zu können.

Das Leben von Mortimer Brewster wird vollkommen auf den Kopf gestellt. Ist er gerade noch dabei, seiner Liebsten Elaine einen Heiratsantrag zu machen und die Hochzeitsreise zu planen, wird er im nächsten Moment vom Wahnsinn der eigenen Familie überrollt und weiß nicht mehr, wie ihm geschieht. Im Hause seiner Tanten endeckt er eine Leiche. Zuerst hält er seinen verrückten Bruder Teddy für den Täter, der seine Lebensrolle als US-Präsident Theodor Roosevelt nun deutlich übertrieben hat, jedoch stellt sich der Tote als Mr. Hoskins heraus und die Tanten als Verursacher. Abby und Martha wollten dem einsamen Mann einen friedlichen Tod, eine Erlösung seines Elends bieten und verabreichten ihm dafür vergifteten Holunderwein. Die Leiche soll im Keller vergraben werden, neben den anderen 11. Die Damen können die Fassungslosigkeit ihres Neffen so gar nicht verstehen. Er wiederum kann seine Tanten nicht der Polizei ausliefern, die Sache aber auch nicht auf sich beruhen lassen. So muss  Teddy dafür herhalten. Es ist sowieso geplant, ihn ins Sanatorium zu schicken, wenn die Tanten nicht mehr da sind. Als sich Mortimer aufmacht, alles für eine sofortige Einweisung zu regeln, taucht unterdessen der nicht minder verrückte Bruder Jonathan mit seinem Gefährten Dr. Einstein auf, die selbst eine Leiche im Gepäck haben und loswerden wollen. Zudem soll Jonathan ein neues Gesicht erhalten. Und Elaine erscheint auch des öfteren, ist überhaupt nicht von der plötzlichen Abwehrhaltung ihres Verlobten begeistert und lässt sich auch nur schwer abwimmeln.

Arsen und Spitzenhäubchen wurde 1941 in New York uraufgeführt und begeisterte das Publikum über drei Jahre lang. Auch in Europa fand es großen Anklang. Die Komödie besticht durch ihren schwarzen Humor und die verrückten und gleichzeitig liebenswerten Charaktere. Die Tanten sind sich keiner Schuld bewusst, im Gegenteil, sie sehen sich als Engel der Barmherzigkeit und überzeugen auch die Zuschauer von ihrem Tun. Teddy blüht auf in seiner Rolle als Präsident und stürzt mal unverhofft, mal unpassend in die Szenerie. Im Keller hebt er freudig Schleusen für den Panama-Kanal aus und vergräbt die Opfer des Gelbfiebersdarin. Mit seiner Trompete bringt er jedoch die Nachbarn zur Weißglut und ruft die Polizei auf den Plan. Mortimer hetzt von Szene zu Szene, versucht die Geschehnisse zu begreifen, die Sache möglichst schnell und einfach zu regeln und auch noch seine Verlobte zu besänftigen, die von all dem nichts mitbekommen darf. Während alle schon wahnsinnig sind glaubt er, dem auch bald anheim zu fallen, seinen Humor verliert er hierbei jedoch nicht. Jonathan hingegen ist der Bösewicht und versucht sofort, die Kontrolle an sich zu reißen. Besonders die Dialoge zwischen ihm und den Tanten sind großartig. Obwohl sie alle Menschen getötet haben, könnten ihre Ansichten nicht gegensätzlicher sein. Es entbrennt ein Machtkampf um das Haus, die Kontrolle und die Grube im Keller. Auch die zahlreichen Nebencharaktere, wie Elaine oder die Polizisten, sind sehr überzeugend und witzig zugleich. Die Handlung bleibt gleichbleibend spannend und witzig.

Ich habe das Stück im Theater Kammerspiele der Josephstadt in Wien gesehen und war von der Darstellung vollauf begeistert, vor allem Mortimer (Martin Niedermair) und Teddy (Alexander Pschill) haben es mir angetan. In Deutschland ist Arsen und Spitzenhäubchen aktuell u.a. in Bielefeld, Hamburg, Frankfurt am Main und Freiburg zu sehen.

Aufgrund der Beliebtheit des Stücks wurde 1941 der gleichnamige Hollywood-Film gedreht, welcher jedoch erst nach Ende der Broadway-Aufführungen gezeigt werden durfte. Niemand rechnete mit solch einer langen Laufzeit. Erst 1944 kam die Adaption in die Kinos. Die Hauptrollen spielen Cary Grant als Mortimer, Josephine Hull und Jean Adair als Tanten und John Alexander als Teddy. Die letzten drei waren zudem bei der Uraufführung des Theaterstücks engagiert gewesen. Die Verfilmung hält sich sehr stark an das Original, es wurden nur einige Details verändert. Die Schauspieler machen ihre Sache sehr gut, an die von mir geschaute Version kommen sie jedoch nicht ganz heran, da die Darsteller in Wien sehr exzentrisch auftraten und mir das hervorragend gefiel – aber das ist Geschmackssache. Die Adaption kann unter anderem auf Amazon Video geliehen oder gekauft werden.

Und nun entschuldigt mich, ich genehmige mir ein Glas Wein 😉

Ilke

Autor: Joseph Kesselring
Titel: Arsen und Spitzenhäubchen
Adaption: Julius J. Epstein
Veröffentlicht: 1941

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.