Flucht aus der Seniorenhölle

© Foto: Carmen, 2017

Wie ich zu diesem Buch gekommen bin, weiß ich schon gar nicht mehr. Irgendwie beim Stöbern auf einer bekannten Buchplattform fiel mir der Titel Zur Hölle mit Seniorentellern! oder das Cover ins Auge. Kaum bestellt – gleich gelesen. Zur Abwechslung empfehle ich euch also einmal nichts Mitterlalterliches, sondern eine wahnwitzig schräge Geschichte aus dem Alltag von Senioren.

Elisabeth Schliemanns 70. Geburtstag endet im Fiasko. Nachdem sie von der Feier geflüchtet ist, findet sie sich nach einem Kneipenbesuch mit einem unbekannten Taxifahrer am nächsten Tag im heimischen Hausflur liegend wieder. Oberschenkelhalsbruch! Kann es schlimmer kommen? Oh ja! Ihre drei Töchter sind der Meinung, jetzt sei Schluss mit lustig und verfrachten Elisabeth kurzerhand in eine Seniorenresidenz. Und die ist schlimmer, als sie sich je vorgestellt hätte. Gefangen im Rollstuhl, da man ihr weisgemacht hat, sie könne nie wieder laufen, scheint für Elisabeth, genannt Lizzy, zunächst alles vorbei zu sein. Wie soll sie das hier ertragen? Auch die Bewohner entlocken ihr nicht gerade Freudenschreie, obwohl sich Fräulein Fouquet als ehemalige Opernsängerin alle Mühe gibt, das Elend musikalisch zu untermalen. Vom ollen Martenstein, dem pensionierten Chemielehrer ganz zu schweigen, dem es mit seinen abgewetzten Klamotten an jeglichem Stilempfinden fehlt. Der einzige Lichtblick ist Vincent von Wackerbarth, ein attraktiver Mann von altem Adel und verflixt charmant. Der könnte ihr schon gefährlich werden. Die Letzte im Bunde ist die latent narkoleptische Frau Janowski: Schlafkrankheit.
Umgeben von derart trostlosen Gestalten sammelt Lizzy kurzerhand von Beginn an ihre Tabletten, um sich irgendwann damit abschießen zu können. Doch dann wird’s spannend. Die ungeliebten Mitbewohner sind eine Art Geheimklub, welcher den Ausbruch aus der fürchterlichen Hütte plant. Lizzy kommt ihnen ganz gelegen, scheint sie doch noch allen Grips beisammen zu haben. Ungewollt wird sie zur Mitwisserin des Ausbruchsplanes. Wie kann die Gruppe also der Seniorenhölle entfliehen, wenn keiner von ihnen über Bargeld oder ähnliches verfügt? Der Trupp will nach Italien, sehnt sich nach Sonne, Pasta und Meer. Monetenmangel? Kein Problem! Ein Banküberfall soll es richten. Anfangs sträubt sich Lizzy gewaltig gegen die Pläne und die aufdringlichen Mitbewohner. Als jedoch bei einer Zusammenkunft fast das Heim abfackelt und dadurch der Terror durch die Heimleiterin ungeahnte Ausmaße erreicht, heißt es handeln.

Bereits nach den ersten Zeilen war mir klar, dass ich das Buch nicht so schnell aus der Hand lege. Zur Hölle mit Seniorentellern! ist wunderbar geschrieben, die Charaktere sind liebevoll angelegt und ich bangte mit der Hauptfigur Elisabeth von Anfang an mit. Allein was man sich über die Töchter oder auch die Heimleiterin empört … Zudem haben es mir besonders die abgedrehten, sympathischen Nebenfiguren angetan. Jeder hat so seinen Tick. Fräulein Fouquet gibt sich als Operndiva, Herr Martenstein macht nebenbei die Korrespondenz im Heim und hat Einblick in alle Papiere. Gut: Frau Janowski ist selten wach, wird allerdings nicht im Stich gelassen. Nur der adlige Herr ist nebenbei zwielichtig. Mittendrin gibt es sogar noch zwei kleine Liebesgeschichten – köstlich.

Freilich ist alles ein klitzekleines bisschen überzogen und zwischendrin greift man sich unwillkürlich an den Kopf, weil gerade alles den Bach runtergeht. Doch die Autorin schafft es auf nette und glaubwürdige Art, die Sache wieder in den Griff zu kriegen. Ein bisschen enttäuscht hat mich der Schluss, dem ich doch einige Zeilen mehr gegönnt hätte. Aber gut, die Geschichte hat ein Happy End und das liebe ich. Mein Fazit: schöne leichte Kost für zwischendurch und ganz sicher nicht langweilig. So habe ich mich gleich auf das nächste Buch von Ellen Berg gestürzt Ich koche dich zu Tode! Das ist sogar noch schräger, aber im gleichen lockeren Stil geschrieben. Der humorvolle Nachschub ist also gesichert.

Carmen

Autorin: Ellen Berg
Buchtitel: Zur Hölle mit Seniorentellern – (K)ein Rentnerroman
Verlag: Aufbau Taschenbuch

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