Unsterblichkeit um jeden Preis

© Foto: Ilke, 2017

Der Übergang von Justin Cronin begegnete mir bereits des Öfteren im Buchhandel. Immer wieder bin ich drum herum geschlichen und überlegte, es zu kaufen. Ich wusste so gut wie nichts über den Inhalt, das Cover zog mich gleichermaßen an, wie es mich abschreckte, von der hohen Seitenzahl gar nicht erst zu sprechen. Als Karoline einige Bücher los werden wollte, sprang mich das Cover wieder an und ich beschloss, endlich zuzugreifen.

Amy Harper Bellafonte – sie ist das Mädchen von Nirgendwo, das die Welt verändern sollte. Mit gerade einmal sechs Jahren wird sie von ihrer Mutter in einem kleinen Konvent abgegeben. Lange bleibt sie nicht dort, denn die Regierung hat andere Dinge mit ihr vor. Durch Zufall entdeckte man einen Virus, der die Alterung stark verlangsamt. Dieser Virus soll in seinen Nebenwirkungen so abgeschwächt werden, dass er im Ergebnis zur nahezu vollständigen Unsterblichkeit führt. Dafür werden nacheinander zwölf Strafgefangene des Todestraktes in eine geheime Forschungsstation überführt und mit der unbekannten Substanz infiziert. Die so veränderte Version wird dem nächsten Häftling gegeben und so weiter. Amy soll die letzte Version erhalten und somit das Endergebnis der Forschung sein. Die unliebsame Aufgabe zur Personenbeschaffung bekamen der abgehalfterte FBI-Agent Brad Wolgast und sein Partner Doyle. Er hat kein Problem mit dem Job, doch als er ein Kind entführen soll, kommen ihm Gewissensbisse und er beschließt, Amy nicht auszuliefern. Unterdessen gerät das Experiment außer Kontrolle und das Virus gelangt nach draußen. Dies klingt nach dem Ende – es ist jedoch erst der Anfang der Geschichte.

Allzu viel kann ich gar nicht über den Inhalt erzählen, ohne zu spoilern. Die Geschichte mitsamt ihrer Charaktere ist sehr komplex. Wir erfahren nicht nur die Hintergründe der Protagonisten, sondern auch verschiedener Nebenfiguren. Mir hat das sehr gut gefallen, es sorgt jedoch auch für eine gewisse Langatmigkeit. Mit der Vielzahl der Charaktere muss man erstmal fertig werden und ein ums andere Mal fragte ich mich, wer denn das jetzt schon wieder ist. Das hat der Autor erkannt und in Band 2 eine Personenliste beigefügt. Der Übergang ist der erste Band einer Trilogie, sodass nach Beenden des Romans noch viel Stoff zu erzählen bleibt. Die Geschehnisse rund um Amy und Wolgast nehmen nur einen kurzen Zeitraum in der Dystopie ein. Nachfolgend werden die Auswirkungen des gescheiterten Experiments auf die Welt und die Gesellschaft betrachtet, hierbei wird ein sehr langer Zeitraum beleuchtet bzw. es gibt einen Sprung in die Zukunft. Natürlich kommen neue Charaktere und eine neue Gesellschaftsordnung ins Spiel, die erstmal eingeführt werden wollen. Mit diesem Twist hatte ich nicht gerechnet. Für die Gesamtgeschichte war es gut und wichtig,  gleichzeitig stellt er einen Bruch in der Handlung und in der Spannungskurve dar. Ich hatte streckenweise Schwierigkeiten, an der Geschichte dran zu bleiben. Zum Glück stieg die Kurve wieder schnell an und ich gewann den ein oder anderen Charakter lieb. Amys Rolle und Eigenschaften ändern sich im Laufe der Geschichte, ihre Wichtigkeit bleibt jedoch gleich. Die Infizierten, genannt Virals, mutieren zu einer Art blutrünstigen Vampir. Sie scheinen zunächst zu kurz zu kommen, jedoch werden sie im zweiten Band näher beleuchtet. Auch die zwölf Gefangenen spielen noch eine große Rolle.

Brutale, blutig beschriebene Szenen bleiben nicht aus, sie halten sich jedoch in Grenzen, die Anzahl der Todesopfer aber nicht. An manchen Stellen wirkt die Geschichte leider zu stark konstruiert und einige Logiklücken können das Leseerlebnis dämpfen, ich habe hier aber großzügig darüber hinweg gelesen. Mir gefällt der Schreibstil sehr gut und die Erzählweise wird ab und an durch Tagebucheinträge oder andere Dokumente ergänzt. Liest man andere Rezensionen, dann zeigt sich, dass sich die Meinungen sehr spalten: die einen lieben das Buch, die anderen hassen es. Ich finde, es ist eines der besten Bücher, die ich dieses Jahr gelesen habe und ich habe mich wie ein Schnitzel gefreut, als ich Band 2 geschenkt bekam.

Ilke

Autor: Justin Cronin
Buchtitel: Der Übergang
Übersetzung: aus dem Amerikanischen von Rainer Schmidt
Verlag: Goldmann

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