Was Frauen wollen – oder eben nicht

© Foto: Ilke, 2018

Nach langer Zeit hatte ich mal wieder Lust auf eine Graphic Novel. Da ich mein urspüngliches Indienbuch wieder verworfen hatte, sah ich jetzt den perfekten Zeitpunkt gekommen. Nach einiger Recherche stieß ich auf das Magazin Spring, eine Comicanthologie, welches von acht deutschen Comiczeichnerinnen jährlich herausgebracht wird. Die dreizehnte Ausgabe entstand in Kooperation mit acht indischen Zeichnerinnen. Das große Thema ist die Stellung der Frau in der jeweiligen Gesellschaft.

Die einzelnen Geschichten sind mal fröhlich, mal traurig, mal nachdenklich, mal offensichtlich und mal abstrakt dargestellt. Die Länge variiert zwischen einer halben und 22 Seiten. Es gibt mehrere Themenkomplexe, so wird über Partnerschaft, Kinder, Sexualität, Gewalt, Körpergefühl und Identität erzählt. Jede Zeichnerin hat das, was sie beschäftigt, in ihrem eigenen Stil verewigt. Neben Comicstrips sind auch plakative Illustrationen zu finden.

Ich lernte eine Hündin namens Bitch kennen, eine Ananas namens Juicy Lucy, ganz individuelle Vaginatempel, Vorstellungen des idealen Freundes, welche Körperteile man lieben  oder hassen kann, sowie viele Geschichten aus dem Leben, der Gegenwart und der Vergangenheit der Zeichnerinnen. Ntürlich berührt einen immer die Erzählung, die einem am nächsten ist. So gefiel mir die Geschichte um die Nicht-Mutterschaft (Otherly Urges) von Archana Sreenivasan am besten. Looking up und Ebony and Ivory muss ich auch besonders hervorheben. Die Geschichten sind teilweise auf deutsch und teilweise auf englisch verfasst. Auf dem unteren Seitenrand ist jeweils ganz klein die Übersetzung abgedruckt. Sprachliche Barrieren gibt es also nicht.

© Foto: Ilke, 2018

 

 

 

 

 

Der Leser sieht sich in dem bestätigt, was man sich schon denken konnte: die Kulturen in Indien und Deutschland sind zwar verschieden, gleichen sich aber auch in etlichen Dingen. Was eine Frau beschäftigt ist eben doch überall gleich, nur die Intensität weicht voneinander ab. Es wird von Zuständen berichtet, die zwar von vielen wahrgenommen, aber allzu oft ignoriert und nicht ausgesprochen werden – im englischen wird dies als The elephant in the room bezeichnet. Der Titel der Ausgabe ist also perfekt gewählt.

Ich bin froh, auf dieses Künstlerinnenkollektiv gestoßen zu sein und bin auf die anderen Ausgaben schon sehr gespannt.

Ilke

Autoren: Anpu Varkey, Archana Sreenivasan, Barbara Yelin, Garima Gupta, Katrin Stangl, Kaveri Gopalakrishnan, Kruttika Susarla, Larissa Bertonasco, Ludmilla Bartscht, marialuisa, Nina Pagalies, Prabha Mallya, Priya Kuriyan, Reshu Singh, Ulli Lust, Stephanie Wunderlich
Buchtitel: Spring No. 13 – the elephant in the room
Übersetzung: Nadja Gebhardt, Deborah S. Phillips, Michael Waaler
Verlag: Mairisch Verlag

Advertisements

Ein Gedanke zu “Was Frauen wollen – oder eben nicht

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.