Raffinierte Rivalen um die Gunst der Geishas

© Foto: Katrin, 2018

Mehr oder weniger regelmäßig treffen wir uns in wechselnder Besetzung, um der Lust an Karten-, Würfel- und Brettspielen zu frönen. Irgendjemand hat eigentlich immer etwas Neues parat, das ausprobiert werden möchte. Es ist allerdings gar nicht so einfach ein Spiel für zwei zu finden, das gleichzeitig spannend, spaßig und anspruchsvoll ist. Neulich fiel jedoch Bettina im Spieleparadies Capito ein potentieller Kandidat ins Auge: Hanamikoji – Erringe die Gunst der Geishas. Die hübsch illustrierte Verpackung verlockte hineinzuschauen und das Japanthema entzückte. Nur fürs Protokoll: Seit ich mir das Spiel gekauft habe, ist Bettina etwas neidisch auf mich. Irgendwie ein angenehmes Gefühl …

In vier Runden verteilen die Mitspieler abwechselnd Geschenke an sieben anmutige, gebildete Damen mit so blumigen Namen wie Ayane, Tomoyo oder Ruri. Sieger ist, wer am Ende die Gunst von mindestens vier Geishas gewonnen hat oder elf Gunstpunkte erringt. Hierbei geht das Spiel über maximal drei Runden. Sollte es bis dahin nicht entschieden sein, zählen die Gunstpunkte.

In der Schachtel finden sich je sieben Gunstplättchen und Geisha-Bildkarten, zweimal vier Aktionsmarker sowie 21 Geschenkkarten. Auf diesen Handkarten sind Gegenstände wie Laute, Fächer oder Blumen abgebildet. Damit lässt sich je nach Vorliebe eine ganz bestimmte Dame beeindrucken.

Es ist überraschend knifflig, die anmutigen Hüterinnen japanischer Kultur und Tradition gnädig zu stimmen. Sie haben verschiedene Ansprüche und der unterschiedliche Wert ihrer Gunst macht das Spiel erstaunlich taktisch. Einige von ihnen geben sich mit zwei Geschenken zufrieden, andere wünschen bis zu drei, vier oder fünf Gaben. Dabei gilt es genau abzuwägen, was der Gegner wohl auf der Hand hat und ob sich die Investition lohnt. Sicherlich spielt beim Nachziehen der Geschenke das Glück eine Rolle, doch wer ein gewisses Maß an List einsetzt, kommt definitiv weiter!

Die Handlungsoptionen der Rivalen sind begrenzt, denn es gibt nur vier Aktionen: Geheimnis, Ablage, Angebot oder Tausch . Diese müssen zwangsläufig, doch in beliebiger Reihenfolge durchgeführt werden, bis alle Geschenkarten aufgebraucht sind. Die Gunst einer Geisha erhält, wer ihr am Ende die meisten Geschenke dargebracht hat. Sofern die Rivalen also nicht ewig ihren jeweils nächsten Zug austüfteln, dauert eine Runde etwa 15 Minuten.

Gerade am Anfang ist es schwierig zu entscheiden, welche Handlung strategisch am günstigsten ist, denn die Sympathie der Schönheiten ist wechselhaft. Der Zweck der Aktion Geheimnis erschloss sich mir beispielsweise sofort. Eine zusätzliche Karte, die zum Schluss gewertet wird? Äußerst praktisch! Hinter den Kniff mit den zwei ungewerteten Geschenken der Ablage kam ich jedoch erst später. Auf diese Weise kann ich mit etwas Glück verhindern, dass der Gegner die Dame meines Herzens beeinflusst.

Auch mit  Angebot und Tausch lässt sich gut kalkulieren, obwohl diese Aktionen durchaus ihre Tücken haben. Hierbei werden offen Geschenke von der Hand ausgespielt und den Geishas dargeboten. Der Haken: Mein Gegner darf sich als erster eine von drei Karten bzw. eines von zwei ausgelegten Pärchen aussuchen und sofort anlegen. Dieser Kontrollverlust tut fast körperlich weh, die reinste Wahl zwischen Pest und Cholera. Da ist es ein schwacher Trost, dass es dem Rivalen genauso ergehen wird. Oft dachte ich: Wehe, du nimmst MEINE Karten!

Betrachtet der geneigte Spieler die wunderschönen Karten, würde er nie vermuten, dass sich dahinter ein derart manipulatives Spielprinzip verbirgt. Häufig gilt es ziemlich um die Ecke zu denken. Wer so etwas nicht mag, wird sich wohl etwas gestresst fühlen. Für mich persönlich ist Hanamikoji hingegen äußerst motivierend. Es juckt mich in den Fingern, dem Gegner möglichst eins auszuwischen und überraschende Wendungen zu erzeugen. Das Spiel ist zum Händereiben raffiniert. Reizvoll – und sicher mal etwas anderes!

Katrin

Autor: Kota Nakayama
Illustrator: Maisherly Chan

Titel: Hanamikoji – Erringe die Gunst der Geishas
Verlag: Kosmos

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