Samstagshäppchen: Heranwachsende im Niemandsland

© Foto: Ilke, 2018

Da der Winter auch im Januar seinem Namen keine Ehre machen wollte (das Foto entstand später) beschloss ich, wenigstens in Gedanken in die Eiseskälte abzudriften. Der Titel und das Cover von Weißzeit schienen mir dabei genau richtig. Und die Handlung spielt in Schweden.

Der Klappentext verrät so gut wie nichts über die Handlung. Auch der Beginn gibt sich mysteriös. Die 16-jährige Vega lebt mit ihrer Mutter in einem weitläufigen, abgeschotteten Dorf in Schweden. Sie erhält Besuch von einem Polizisten, der ihren Bruder Jakob sprechen möchte. Er erklärt nicht warum, und sie meint, sie habe keine Ahnung, wo er sei.  Natürlich ahnt sie, wo er sich aufhält und auch, warum er gesucht wird. Nach kurzer Zeit macht sie sich auf, ihren Bruder zu suchen und findet ihn schließlich bei seinem besten Freund Malte. Jakob hält sich versteckt, denn niemand sollte wissen, was in jener Nacht geschah. Die Geschwister wurden in ein Verbrechen hineingezogen und haben keine Ahnung, wie es nun weitergehen soll. Aus Angst, ihren Bruder zu verlieren, an dessen Unschuld sie glaubt, stellt Vega Nachforschungen an.

Weißzeit ist ein spannender Jugendkrimi, der sowohl die Ereignisse jener verhängnisvollen Nacht zeigt als auch das Leben in dem Dorf Varvet, das sich als trostlos und hart erweist. Die Menschen sind desillusioniert und versuchen, von einem Tag zum anderen zu leben bzw. zu überleben, Perspektiven sind rar. Sowohl das Klima als auch der Umgang miteinander sind rau und kalt und nur mit bestimmten Menschen liebevoll. Dementsprechend derb ist die Sprache, die genutzt wird, Beleidigungen und Skepsis sind an der Tagesordnung. Da Vega in diesem Umfeld aufwächst, ist auch sie kein Sonnenschein, sie kommt recht unsympathisch und düster rüber. Und doch ist Liebe in ihr, sie versucht ihren Bruder zu schützen und selbst, im Rahmen dieser Umgebung, etwas Geborgenheit und Nähe zu erhalten.

Die gesamte Stimmung ist sehr drückend und düster. Die Kapitel sind sehr kurz, manchmal umfassen sie nur zwei Seiten, was dazu führte, dass ich schnell durch die Geschichte gekommen bin. Ich hatte jedoch ein paar Schwierigkeiten hineinzufinden, da die Infos sehr spärlich gesät sind. Aber genau das macht einen Teil der Spannung aus, und  die Stimmung und Sprache sind sehr passend zur Geschichte. Trotz der Düsternis hatte ich viel Spaß beim Lesen.

Ilke

Autor: Christoffer Carlsson
Buchtitel: Weißzeit
Übersetzung: aus dem Schwedischen von Susanne Dahmann
Verlag: Oetinger

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.