Eine Autofahrt nach Ägypten

© Foto: Katrin, 2018

Ja, tatsächlich: heute schmuggle ich mal ein kleines Büchlein in unseren Weltenbummler-Monat hinein, das da eigentlich gar nichts zu suchen hat. Denn in der Geschichte Die Reise nach Ägypten zieht es Leser und Hauptfiguren nur gedanklich in die titelgebende Region. Die Handlung selbst spielt in Nicaragua, während der Autor Hermann Schulz  in Ostafrika geboren wurde. Trotz der Distanz befand ich dies als allemal nah genug an der geografischen Aufgabenstellung. Da zudem der langjährige Leiter des Peter Hammer Verlages eigenhändig zum Stift gegriffen hat, war ich schon im Voraus von der  Güte des Geschriebenen überzeugt. Kurzerhand befand ich, dass bereits der Buchtitel genügend Spielraum für eine schnuckelige kleine Schummelei lässt.

Doktor Fernando Silva ist bekannt wie ein bunter Hund. In seinem Kinderkrankenhaus in Managua, der Hauptstadt Nicaraguas, wird allen Kindern geholfen, egal ob sie arm sind oder reich. Neben einer liebevollen Behandlung bekommen seine kleinen Patienten auch immer die verrücktesten Geschichten von ihm zu hören. Allein dafür lieben ihn die Kinder. Seine völlig zertstreute Art bringt im zusätzlich Sympathien ein. Dementsprechend muss Schwester Salvadora stets dafür sorgen, dass der Doktor auch ja keinen seiner Termine vergisst. Als sie eines Tages einen etwa sechsjährigen Jungen auf der Türschwelle des Krankenhauses findet, stehen beide vor einem Rätsel: Wer ist er wohl und wo kommt er her? Der warmherzige Doktor tut alles, damit es dem schwer Kranken etwas besser geht, denn der schweigsame Junge mit den bloßen Füßen rührt ihn zutiefst. Als Doktor Silva zu Heiligabend seine Runde durch die Krankenzimmer der Kinder macht, um seine patentiert verrückten Weihnachtsgeschichten zu erzählen und Geschenke zu verteilen, verrät ihm der Junge schließlich seinen Herzenswunsch: eine Reise nach Ägypten.

Viel mehr möchte ich gar nicht verraten, denn diese reizende Geschichte hat insgesamt gerade mal 62 Seiten. Gedacht ist das Büchlein für Leser zwischen sieben und elf Jahren. Die etwas größere Serifenschrift ist angenehm fürs Auge und zwischendrin sorgen Tobias Krejtschis  gefällige Farbillustrationen für etwas Auflockerung. Ich muss zugeben, dass mich die Thematik erst ein wenig überrascht hat, denn eine Art Weihnachtserzählung hatte ich nicht erwartet. Allerdings hat mir meine Bücherfee nicht zuviel versprochen. Die Sprache ist klar und schön gewählt, die Figuren wachsen einem schnell ans Herz und die Handlung brachte mich zum Seufzen. Den vergesslichen Doktor Silva gibt es übrigens tatsächlich. Ich würde ihn nach dieser Lektüre wirklich gern kennen lernen, um einer seiner fantasievollen Erzählungen zu lauschen.

In meinen Augen ist Die Reise nach Ägypten wunderbares Gedankenfutter für junge Leser. Die Geschichte entführt in gänzlich fremde Umgebung und Lebensumstände und fordert Empathie. Am Ende schlägt man das Buch mit einem guten Gefühl zu, weil die Handlung trotz der mitschwingenden Traurigkeit so warmherzig ist und hoffnungsvoll stimmt. Da darf beim Fernlesen ruhig mal etwas gemogelt werden, oder?

Katrin

Autor: Hermann Schulz
Illustrator: Tobias Krejtschi
Buchtitel: Die Reise nach Ägypten, für Leser im Alter zwischen 7 und 11 Jahren
Verlag: dtv – Reihe Hanser

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