Geheimnisumwobene Faszination

© Foto: Georgia, 2018

Anlässlich unseres brasilianischen Monats hatte ich bereits ein Buch mit Kurzgeschichten gewählt. Während mich dort verschiedene Autoren erfreuten, so habe ich mich diesmal für Kurzgeschichten eines einzelnen Autors entschieden. Wie der Titel vermuten lässt, drehen sich alle Kapitel um die ägyptischen Pyramiden. Der Leser wird auf wenigen Seiten von der Faszination der beeindruckenden Bauten mitgerissen.

Gamal Al-Ghitani vereint 14 Geschichten, die sich nicht nur um die Pyramiden drehen, sondern auch wie eine angeordnet sind. Die Kapitel werden immer kürzer. Während das erste noch mehrere Seiten umfasst, sind es beim letzten nur noch drei Worte. Somit benötigt man für die letzten Kurzgeschichten Kenntnisse von den vorhergehenden, um sie komplett begreifen zu können. Die ersten Geschichten können noch einzeln für sich betrachtet werden, auch wenn bestimmte Fakten und Personen an verschiedenen Stellen mehrfach auftauchen beziehungsweise nochmal aufgegriffen werden.

Im ersten Teil lernen wir einen Scheich kennen, der sich als Buchhändler niederlässt. Er wartet wie besessen auf ein Manuskript, das ihm das Geheimnis der Pyramiden offenbart. Währenddessen versuchen in der nächsten Geschichte sieben junge Männer das Mysterium zu ergründen, in dem sie in eine der Pyramiden steigen, um zu ihrem Kern vorzudringen. Weiterhin begegnet dem Leser ein stiller Junge, der aus einer berühmten Familie von Pyramiden-Kletterern kommt. Ein Kalif gibt einem angesehenen Forscher den Auftrag die Bauwerke zu vermessen. Eine schöne Ausländerin verdreht einem Pyramiden-Führer den Kopf. Ein Einsiedler lässt sich in der Nähe der Bauten nieder, um wie auch alle anderen das Geheimnis der Monumente zu lüften. Gelüftet wird es jedoch auch in den nachfolgenden, kürzer werdenden Momentaufnahmen nicht. Es sei denn an mir ist die Interpretation vorbeigegangen und das letzte Kapitel hat den Aufschluss gegeben. Dann wäre meiner Meinung nach das Rätsel recht unzufriedenstellend.

Al-Ghitani schafft es in jedem Kapitel den Pyramiden mit einer ehrfürchtigen Beschreibung eine unheimliche Faszination zu verleihen. Er verbindet viele mystische Ereignisse in seinen Geschichten, so dass einem die Bauten nicht starr vorkommen, sondern als wären sie lebendig. Es gibt in dem gesamten Buch keinen Dialog und keine Angabe in welchem Zeitraum die Geschehnisse stattfinden, was die Mystik noch unterstreicht. Genauso wie die Pyramiden als wandelbar dargestellt werden, so sind es auch die Emotionen der Menschen, die sich in ihnen vorwagen und dem Geheimnis auf der Spur sind. Die 117 Seiten lesen sich wie im Flug, während man von der gleichen Leidenschaft gepackt wird, die auch die Charaktere antreibt. Seitdem habe ich große Lust die Pyramiden mal live zu sehen.

Georgia

Autor: Gamal al-Ghitani
Buchtitel: Pyramiden – Eine literarische Expedition
Übersetzung: Aus dem Arabischen von Doris Kilias
Verlag: C. H. Beck

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Ein Gedanke zu “Geheimnisumwobene Faszination

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