Auf nach Amygdala!

© Foto: Ilke, 2018

Ich bin ein großer Fan von Walter Moers, vor allem die Zamonienromane haben es mir angetan. Ich hatte fast Luftsprünge absolviert, als ich das neueste Werk Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr geschenkt bekam. Sogleich stürzte ich mich ins Abenteuer.

Die zamonische Prinzessin Dylia leidet an einer seltenen und unheilbaren Krankheit, die niemand bislang erforschen konnte. Die Symptome sind so zahlreich wie die Türme des Schlosses: Unwohlsein, Schwindel und Schlaflosigkeit sind nur einige davon. Familie und Ärzte taten alles erdenkliche, um ihr zu helfen, doch es brachte nichts. Nur Dylia weiß, wie sich die Krankheit anfühlt und wurde mit der Zeit zu einer Expertin ihres Leidens. Ihrer Kreativität sei Dank schafft sie es, die Symptome zu lindern und freudig durch das Schloss zu wandeln. Zeit hierfür hat sie genug, denn Schlaf findet sie sehr wenig, die schlaflosen Phasen empfindet sie sogar als belebend. Eines Abends bei einem besonders schweren Anfall wird sie von einer seltsamen Kreatur besucht, ein Gnom mit bunt schillernder Haut. Er stellt sich als Havarius Opal vor, seines Zeichens Nachtmahr. Er ist ihr persönlicher Alptraumbringer und seine Aufgabe ist es, sie in den Wahnsinn und Selbstmord zu treiben. Dylia lässt sich jedoch von nichts mehr beeindrucken und hält das ganze eh nur für einen Traum bzw. eine Halluzination. Der vorgeschlagene Freitod kommt für sie nicht in Frage. Um sie zu überzeugen und ihre Neugier zu nutzen, schlägt er ihr vor, gemeinsam in die Stadt Amygdala ins dunkle Herz der Nacht zu reisen – ein Angebot, das sie nicht ablehnen kann, schließlich hat sie gerade nichts besseres zu tun.

Wer sich ein bisschen mit Medizin auskennt weiß, dass die Amygdala ein Bereich des Gehirns ist und unter anderem für die Verarbeitung von Angstzuständen verantwortlich. Folglich ist der Begriff Zamonienroman für dieses Werk etwas irreführend. Es geht um eine zamonische Prinzessin, die Ereignisse finden jedoch nur in ihrem Schloss und in ihrem Kopf statt. Der geneigte Leser findet somit keine Querverweise zu anderen Romanen bzw. Wesen aus Zamonien. Das finde ich nicht schlimm, man sollte es nur wissen, da man sonst enttäuscht werden könnte. Nichtsdestotrotz kommen die enorme Kreativität und der einzigartige Schreibstil von Moers voll und ganz zum tragen. Da die schlaflose Prinzessin nicht viel außerhalb erleben kann, erdenkt sie sich so allerlei fantastische Geschichten und Erfindungen. Sie ist fasziniert von Wörtern und denkt sich täglich Pfauenwörter aus, die sie in eine Unterhaltung einbauen möchte. Dylias Gehirn ist besiedelt von allerlei wunderlichen Gestalten. Sie erlebt beispielsweise die Geburt einer Idee, verfolgt den Werdegang der Geistgeister und begegnet den gefürchteten Zergessern. Wer möchte nicht auch gern über die Große Fissur flimmen?

Das Erzähltempo der Geschichte ist recht langsam und gediegen gehalten, sodass stellenweise leider eine gewisse Langatmigkeit entsteht. Hier heißt es dranbleiben bis zu den spannenderen Stellen. Die Gespräche von Dylia und Opal sind leider etwas repetitiv geraten, vor allem während der Reise nach Amygdala. Das kann der Roman jedoch verschmerzen, sorgt aber für die kritisierten Schwächen des Buches. Der Schreibstil von Moers macht die Längen jedoch teilweise wett. Die Illustrationen sind farbig und stammen nicht wie gewohnt von Moers selbst, sondern von der Zeichnerin Lydia Rode, die eine wichtige Rolle bei der Entstehung der Geschichte hatte.

Ich hatte viel Spaß beim Eintauchen in die Welt von Dylia und dem Nachtmahren. Meinen Liebling Käpt’n Blaubär wird der Roman allerdings nicht vom Thron stoßen.

Ilke

Autor: Walter Moers
Buchtitel: Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr
Verlag: Knaus

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