Auf der Straße der Vergeltung herrscht ein raues Klima

© Foto: Karoline, 2018

Redemption Road – Straße der Vergeltung, wie hätte bitte mein Drama liebendes Herz bei diesem Titel nicht höher schlagen können? Als mein Buchhändler des Vertrauens den Wälzer auch noch lobte, konnte ich einfach nicht anders: ich MUSSTE ihn haben!
Ich hatte mit einer seicht plätschernden Geschichte gerechnet und war stattdessen überrascht von dieser unheimlichen Komplexität. Es laufen parallel mehrere Handlungsstränge, die sich dann immer mehr zu einem Gesamtkonstrukt verweben. Dem dramatischen Titel entsprechend dreht es sich um nichts geringeres als um Mord, Schuld, Vergewaltigung, Rache und Moral. Ich war gefesselt von der ersten Seite an!

Protagonistin des Romans ist Elizabeth Black, ihres Zeichens engagierte und streckenweise übermotivierte Polizistin. Sie steht wegen eines jüngst missglückten Einsatzes am Pranger. Bei der Befreiung eines Vergewaltigungsopfers aus einem modrigen Keller, begegnet sie den Peinigern. Am Ende sind die beiden kriminellen Afroamerikaner mit zwölf Schüssen niedergestreckt. Sie selbst hat deshalb ein Ermittlungsteam rund um Polizeigewalt mit rassistischen Motiven an der Backe. Wie konnte die Situation derart eskalieren, dass den Männern vor ihrem Tod möglichst qualvoll die Knie, Ellbogen und Genitalien weggeschossen wurden?
Währenddessen kommt ein Sträfling frei. Adrian Wall war einst der strahlendste Stern der örtlichen Polizei. Doch als eine Frau brutal ermordet in einer verlassenen Kirche aufgefunden wird, deutet alles auf ihn als Täter. Ganze 13 Jahre saß er seine Strafe ab. Niemand glaubte ihm, als er seine Unschuld betonte. Nun steht der 14-jährige Sohn der Getöteten mit einer Pistole vor ihm und will das tun, was er sich seit Jahren vorgenommen hat: seine Mutter rächen.

Klingt verschachtelt? Ist es auch. Zu Beginn wusste ich nicht, wie diese so unterschiedlichen Personen jemals zusammenfinden würden. Alle verbindet jedoch eine wirklich einfühlsame und vielschichtige Charakterisierung. Es gibt gute Menschen, die auch ihre Schattenseiten und Fehler haben und es gibt  brutale Schurken, die skrupellos ihr Ziel verfolgen, wobei hier die Motivation ebenso schlüssig ist.

Die Auflösung des Falls war recht vertrackt und überraschend. Der Weg, der den Leser dorthin führt, ist verschlungen und übersäht von dramatischen Wendungen. Diese sind zugegeben recht dick aufgetragen, allerdings versteht es John Hart ausgezeichnet, den Leser in seinen Bann zu ziehen. Förderlich ist außerdem sein schlichter Schreibstil, der sich nicht an Kleinigkeiten aufhängt, sondern die Spannung konstant aufrecht erhält. Die knapp 600 Seiten flogen wahrlich in Rekordgeschwindigkeit an mir vorbei und ließen mich sprachlos zurück. Dafür, dass ich sonst kein Thriller-Fan bin, hat mich Redemption Road wirklich begeistern können. Ich kann es daher allen Liebhabern gepflegter Spannungsliteratur nur wärmstens ans Herz legen. Genau das richtige für einen Urlaub voller schweißtreibendem Nervenkitzel.

Karoline

Autor: John Hart
Buchtitel: Redemption Road – Straße der Vergeltung
Übersetzung: aus dem Englischen von Rainer Schmidt
Verlag: C. Bertelsmann

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