In einem unbekannten Land

Children of Blood and Bone Goldener Zorn Cover

© Bild: Argon, 2018

Schon bevor Children of Blood and Bone von Tomi Adeyemi überhaupt auf Deutsch erschienen war, konnten interessierte Leser reihenweise Nachrichten der Superlative aus den USA lauschen: Angebote von großen Verlagen! Auftritt im Fernsehen! Verkaufte Filmrechte! Gleich mehrfach las ich daraufhin geradezu begeisterte Stimmen zum Erstling der jungen Autorin: Eine Fantasy-Welt inspiriert von Westafrika! Nur schwarze Protagonisten! Eine Heldin! Kurz, die neue Young Adult Serie schlug ein, wie lange nichts mehr. Kein Wunder, dass ich mich neugierig auf die Suche nach dem Hörbuch machte. Der ganze Hype muss ja seine Gründe haben.

Gleich zu Beginn der Geschichte lernen wir die siebzehnjährige Zélie kennen, die in einem Dorf im Königreich Orïsha lebt. Ihre weißen Haare zeichnen sie weithin sichtbar als eine Divîné aus, einen Abkömmling der mit magischen Kräften gesegneten Maji. Doch seit König Serran bei einem grausamen Angriff Jahre zuvor alle Maji ermordete, ist die Magie aus der Welt verschwunden. Von Soldaten und den Machthabenden schikaniert, muss Zélie, wie alle Divînés, mit der ständigen Angst und Unterdrückung leben. Das ändert sich jedoch schlagartig, als sie bei einer Reise in die Stadt die flüchtende Prinzessin Amari trifft. Als Zélie das Artefakt berührt, das Amari mit sich trägt, erwachen ihre Seelenfänger-Kräfte und sie erlangt Macht über die Toten. Gemeinsam mit ihrem Bruder Tzain und der Prinzessin macht sie sich schließlich auf die Suche nach einem Weg die Magie zurückzubringen. Der Kronprinz Inan will dies um jeden Preis verhindern und heftet sich auf Geheiß des Königs dicht an ihre Fersen.

Die Grundbausteine der Geschichte sind vielen Lesern aus anderen Büchern bekannt: die verschwundene Magie, die flüchtende Prinzessin, die Reise in die Wildnis, der entschlossene Verfolger. Die an die Mythen und Legenden Nigerias angelehnte Welt, lässt diese erprobten Elemente wieder in einem neuen Licht erscheinen. Adeyemi erzählt allerdings in einer actionlastigen, hohen Geschwindigkeit, die ein Verweilen häufig gar nicht erlaubt. Zélie und ihre Gefährten reisen durch Wüsten, Wälder und über Berge, getrieben quer durch Orïsha. Obwohl das Buch damit sehr umfangreich ist, schleicht sich das Gefühl ein, an der Oberfläche der Dinge zu verharren.

Die Erzählperspektiven können dies nur teilweise ausgleichen. Sowohl Zélie, Inan, als auch Amari erzählen ihre Geschichte in unterschiedlichen Kapiteln aus der Ich-Perspektive. Gerade Inan hätte hier in seiner Rolle als anfänglicher Antagonist spannend sein können, doch die spürbarste Charakterentwicklung durchläuft Amari. Zélie und der Prinz dagegen ändern gelegentlich wenig nachvollziehbar ihre Meinung oder ihre Entscheidungen.

Die in die Handlung verwobene Liebesgeschichte ist wie das ganze Buch sehr ambitioniert. Konnte ich den Anfang noch ohne Probleme gespannt mitverfolgen, löste sich mein Wohlwollen durch das zunehmend anstrengende Hin und Her langsam in Luft auf. Kommt Adeyemis Sprache sonst gekonnt herüber, tauchen hier besonders in der Mitte des Buches einige etwas gewollt wirkende Formulierungen auf. In der Hörfassung fällt das umso mehr auf, da selbst eine sehr gute Sprecherin dies manchmal nicht ausgleichen kann. Dafür werden die schönsten Zeilen, wenn sie gut gelesen sind, gleich doppelt so eindrucksvoll.

Um die Qualität der Lesung braucht man sich bei Vanida Karun keine Sorgen machen, denn sie macht ihre Arbeit gut und trägt das Werk souverän vor. Keine leichte Aufgabe, denn immerhin gibt es im Text reichlich Zeilen auf  Yoruba! Man spürt deutlich mit welcher Sorgfalt sie diesen schweren Sätzen gerecht werden möchte. Das restliche Handwerkszeug des Vortragens beherrscht Karun genauso problemlos. Einzig bei Amari hätte ich mir eine weniger kindliche Stimmfärbung gewünscht.

Von der allgemeinen Begeisterung rund um Children of Blood and Bone angesteckt, habe ich mich wohl etwas zu sehr auf den Titel gefreut. Auch wenn Tomi Adeyemi ein sehr interessantes Fantasy-Debüt vorlegt, fehlt dem Auftakt der Trilogie etwas, um wirklich herausragend zu sein und den hohen Erwartungen stand zu halten. Vielleicht macht die Geschichte im zweiten Band aber noch einen ordentlichen Sprung nach vorne. Dass Tomi Adeyemi das Zeug dazu hat, zeigt sie am Ende des Buches und gibt noch einmal richtig Gas. Dort beschert sie dem Leser einen dramatischen Höhepunkt, der vorherige Schwächen vergessen machen kann. Besonders der gemeine Cliffhanger zum nächsten Buch wird sicher einige auf die Folter spannen.

Bettina

Autorin: Tomi Adeyemi
Gelesen von: Vanida Karun
Buchtitel: Children of Blood and Bone. Goldener Zorn
Übersetzung: aus dem amerikanischen Englisch von Andrea Fischer
Verlag: Argon

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