Die Flut steigt, die Zeit schwindet

© Foto: Georgia, 2018

Als mir beim Stöbern nach neuen Spielen Die verbotene Insel vor die Füße fiel, landete sie direkt in meinem Einkaufswagen. Da es sich wie bei Pandemic um ein Kooperationsspiel von Matt Leacock handelt, war die Kaufentscheidung nicht schwer. Es gibt diverse Parallelen zwischen beiden Spielen, jedoch sind die Regeln hier überschaubarer und es gibt durch das variable Spielfeld viele Möglichkeiten, neuen Wind ins Geschehen zu bringen. Der Suchtfaktor ist auf jeden Fall genauso groß.

Gespielt wird auf einer Insel, die sich aus 24 einzelnen Feldern zusammensetzt. Diese können beliebig angeordnet werden. Die Anleitung bietet mehrere Varianten mit steigendem Schwierigkeitsgrad als Vorlage. Auf besagter Insel landet ein Team von Abenteurern, bestehend aus zwei bis vier Personen. Ihre Aufgabe ist es, vier wertvolle Artefakte zu bergen: den Stein der Erde, die Statue des Windes, den Kristall des Feuers und den Kelch des Wassers. Hat das Team diese Herausforderung gemeistert, verlassen sie per Helikopter den geplünderten Ort und haben gewonnen. Klingt eigentlich ganz einfach, nicht wahr? Natürlich gibt es einen Haken. Unsere Helden müssen schnell sein, denn die Insel versinkt im Spielverlauf immer weiter in den Fluten. Die Mitspieler haben verloren, wenn einer von ihnen ertrinkt oder ein notwendiges Inselfeld versinkt. Das sind alle Felder, auf denen Artefakte versteckt sind sowie der Landeplatz des Helikopters. Weiterhin gibt es einen Wasserpegel, der anzeigt wie viele Flutkarten ein aktiver Spieler ziehen muss. Erreicht dieser Pegel seine Obergrenze, ist die Niederlage ebenfalls eingetreten.

Das Teammitglied, welches an der Reihe ist, führt drei Schritte durch: Es kann bis zu drei Aktionen nutzen, zieht danach zwei Artefaktkarten und anschließend Flutkarten entsprechend der Anzeige des Wasserpegels. Auf den Flutkarten ist je ein Inselfeld abgebildet. Wird es zum ersten Mal gezogen, dreht man es herum. Es steht damit unter Wasser. Zieht jemand diese Karte ein weiteres Mal, versinkt das entsprechende Teil und wird unwiderruflich vom Tisch entfernt. Dadurch können die Felder mit den versteckten Artefakten verschwinden und sogar Figuren ertrinken. Im Spielverlauf werden es stetig weniger Felder und die Gefahr, die Insel nicht mehr verlassen zu können, steigt.

Auf den Artefaktkarten ist je einer der vier gesuchten Gegenstände zu sehen. Hat man vier gleiche Karten gesammelt und befindet sich die eigene Spielfigur auf dem betreffenden Feld, kann das Artefakt geborgen werden. Da ein Handkartenlimit von fünf Stück vorgeschrieben ist, ist selbst das eine kleine Herausforderung. Gemeinerweise befinden sich in diesem Stapel auch „Die Flut steigt“-Karten. Wird eine davon gezogen, erhöht sich der Wasserpegel und alle Flutkarten vom Ablagestapel werden oben auf den Nachziehstapel zurück gelegt. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass bereits geflutete Felder komplett verschwinden. Vor dem Kartenziehen hat der aktive Spieler die Möglichkeit drei Aktionen zu tätigen. Diese können sich in beliebiger Reihenfolge aus vier Optionen zusammensetzen, welche auch mehrmals genutzt werden können: Der Abenteurer bewegt sich horizontal oder vertikal von Feld zu Feld, er legt ein an seine Figur angrenzendes Inselfeld trocken, er gibt einem Mitspieler Artefaktkarten oder er birgt einen der Gegenstände.

Jeder Abenteurer wählt einen von sechs Charakteren, die jeweils mit besonderen Fähigkeiten aufwarten. Der Forscher hat die Möglichkeit sich auch diagonal über die Insel zu bewegen. Die Pilotin darf einmal pro Zug auf ein beliebiges Feld fliegen. Die Navigatorin kann wiederrum auch die Figuren ihrer Mitspieler verrücken. Der Taucher kann sich unbegrenzt durch unter Wasser stehende oder versunkene Teile drüber mogeln. Ingenieur und Forscher können mehrere bzw. diagonal angrenzende Spielfelder trockenlegen. Durch die Kombinationsmöglichkeiten der Charaktere kann zusätzlich zu dem wandelbaren Spielfeld neue Spannung und eine erhöhte Schwierigkeit ins Spiel gebracht werden. Zudem muss zu Spielbeginn genau überlegt werden, welche Charaktere am besten zur gewählten Form passen, um sich optimal bewegen zu können.

Noch ist mir das Spiel nicht langweilig geworden und es löst sogar einen leichten Nervenkitzel aus, wenn Inselteile unter einem in den Tiefen des Meeres versinken. Der wachsende Zeitdruck und die notwendige Kooperation mit seinen Mitabenteurern, denn niemand wird zurückgelassen, erzeugen ein aufregendes Spielerlebnis. Ich amüsiere mich außerdem regelmäßig über die dramatischen Namen der einzelnen Teile. Da sind solche Goldstücke dabei wie der „Pfad der Einsamkeit“, die „Wüste der Entbehrung“ oder die „Klippen der Verzweiflung“. Wie jedes Kooperationsspiel hat auch Die verbotene Insel den Vorteil sehr kurzweilig zu sein. Selbst, wenn man nicht am Zug ist, steht man seinen Mitspielern beratend zur Seite und erarbeitet eine gemeinsame Strategie. Matt Leacock hat mir einmal mehr bewiesen, dass er das Entwickeln von solchen Erlebnisspielen einfach raushat. Einige der schwierigeren Inselformen konnten wir bis heute nicht meistern. Ich sage da nur: Challenge accepted!

Georgia

Autor: Matt Leacock
Titel: Die verbotene Insel
Verlag: Schmidt Spiele

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