Jagt das Dämonenkind!

© Foto: Katrin, 2018

Welcome to Australia, liebe Weltenbummler! Diesen September schlendern wir gedanklich über den roten Kontinent und erkunden, was er uns an mannigfacher Unterhaltung zu bieten hat. Mein Fernlesen-Buch harrte lange im Regal meiner Aufmerksamkeit: der mehr als 700 Seiten dicke Schmöker Kind der Magie von Fantasy-Autorin Jennifer Fallon. Wie mir der Auftakt zur Dämonenkind-Trilogie gefallen hat? Lest weiter und ich verrate es euch.

Im Reich Medalon regiert von der Zitadelle aus die Schwesternschaft; eine mächtige Gruppe von gebildeten Frauen, denen ein Heer von Kriegern zur Verfügung steht, um Recht und Ordnung durchzusetzen. Jahrzehnte ist es her, dass  die Schwesternschaft das Volk der Harshini ausrotten ließ: magiebegabte, menschenähnliche Wesen, welche sich die Kräfte der Götter zunutze machen konnten. Seit dieser Säuberung ist Magie verboten. Nur im Geheimen huldigen die Bewohner des Landes ihren alten Göttern, sodass lange Ruhe und Frieden herrschten.

Als jedoch die amtierende Erste Schwester stirbt, nutzt die intrigante Frohinia die Gunst der Stunde, sich in deren Stand zu erheben und bringt Unruhe in die Schwesternschaft. Ihr eigener Sohn Tarjanian, Hauptmann des Hüterheeres, verweigert ihr die Gefolgschaft und flieht gemeinsam mit seiner rebellischen Halschwester R´shiel aus der Zitadelle. Durch Zufall landen Sie bei den Rebellen, die der Schwesternschaft zum Trotz nach wie vor ihren Glauben an die Götter ausüben wollen. Auch an den Landesgrenzen rumort es längst. Von einem Dämonenkind ist die Rede, das kommen werde, das Volk zu befreien: halb Mensch, halb Harshini königlichen Geblüts. Nicht alle Nachbarvöker begrüßen derartige Gerüchte und rüsten sich zum Krieg. Auch der undurchsichtige Brakandaran macht sich auf die Suche nach dem Dämonenkind. Mit ganz eigenen Motiven im Hinterkopf schließt er sich den Rebellen an und trifft dort auf das Geschwisterpaar. Was hat es mit der Prophezeihung auf sich? Können die Rebellen gegen die neue Schwesternschaft bestehen? Und was haben eigentlich die Götter vor?

Euch war die Inhaltsangabe zu lang und undurchsichtig? Dann macht euch auf etwas gefasst, denn in diesem Roman wird mit etlichen Parteien jongliert. Zum einen folgt der Leser den drei Hauptfiguren R´shiel, Tarjanian sowie Brakandaran. Auf der anderen Seite schwelen diverse Konflikte zwischen den großen Parteien: die Schwesternschaft gegen die Rebellen, das Königreich Medalon gegen seine Nachbarreiche, die Götter und Harshini gegen alle Ungläubigen … Dieses Geflecht muss erst einmal etabliert werden, damit der Leser nicht den Faden verliert.

Wie gut, dass die Autorin eine Könnerin ist. Kind der Magie ist ein würdiger Beginn der komplexen Fantasy-Reihe, sodass am Ende des Buches die Fronten zunächst geklärt sind. Die Charakterzeichnung empfinde ich als gelungen, weil sie zwar vorhersehbar ist, doch nichtsdestotrotz polarisiert. Vor allem R´shiel konnte ich über langte Strecken hinweg gar nicht leiden, rachsüchtig und verwöhnt wie sie ist. Tarjanian ist der typische Held, eine durch und durch integre Figur, mutig und aufopfernd, fast ein wenig langweilig. Der immer wieder auftauchende Brakandaran hingegen befriedigt das Beürfnis des Lesers nach Geheimnissen und hat eine Schlüsselrolle inne.

Jennifer Fallon hat hier eine überzeugende Welt im Spannungsfeld zwischen Politik und Magie geschaffen, die irgendwie vertraut wirkt. Sehr fesselnd ist ihr Fokus auf den politischen Intrigen: Bündnisse werden geschlossen, Seiten gewechselt, es wimmelt vor Verrat und Intrigen, Liebe und Hass. Der Kampf um Macht und Einfluss und die Suche nach Liebe sind der Motor der Geschichte, altbekannte Motive, die solide in eine magische Umgebung verpflanzt wurden. Dieses Buch ist deshalb meiner Meinung nach nicht nur etwas für Fantasy-Leser. Auch Liebhaber von Mittelalter-Romanen sollten durch das Setting, das Schicksal der Helden und die politischen Verwicklungen ihre helle Freude daran haben.

Obwohl ich gar nicht damit gerechnet hatte, hat mich Jennifer Fallons Roman durch seine Komplexität mühelos bei der Stange gehalten. Wahrscheinlich habe ich früher bereits ähnliches gelesen. Trotzdem – oder gerade deswegen – fesselt die Geschichte, sodass ich Lust auf mehr habe. Der Spannungsbogen wird sorgfältig aufgebaut und die Protagonisten erhalten Raum zur Entwicklung. Die ersten kühlen Herbstabende kommen mit Sicherheit. Dafür ist dieses Buch genau die passende Lektüre.

Katrin

Autorin: Jennifer Fallon
Titel: Kinder der Magie, Band 1 der Dämonenkind-Trilogie
Übersetzung: aus dem australischen Englisch von Horst Pukallus
Verlag: Wilhelm Heyne Verlag

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