Mit Algorithmen und Logik auf der Suche nach der perfekten Frau

© Foto: Georgia, 2018

Ich habe nur auf unseren Australien-Monat gewartet, um euch Das Rosie-Projekt vorzustellen. Endlich mal wieder eine Romantikkomödie, die ich großartig und nicht kitschig finde. Mit dem nicht-neurotypischen Protagonisten auf die Suche nach der optimalen Partnerin zu gehen, hat in mir eine Achterbahn der Gefühle ausgelöst: Herzschmerz, Freude, Bitterkeit, viel Schmunzeln und Gelächter. In den letzten Jahren haben mich Bücher selten so sehr begeistern können.

Don Tillman sollte in der Theorie der Traummann vieler Frauen sein. Er ist gutaussehend, athletisch, hat einen überdurchschnittlichen IQ und ein großzügiges Einkommen. Dieses verdient er als Assistenzprofessor für den Bereich Genetik. Warum funktioniert es also nie mit dem Kennenlernen und Daten der potentiellen Partnerin? Dem Leser ist von Beginn an klar, dass Don anders als seine Mitmenschen tickt und irgendwie merkwürdig ist. Seine Tage und Wochen sind minuziös und effizient durchstrukturiert. Es gibt einen festen Essens- und Haushaltsplan für die gesamte Woche. Kommt es zu einer Abweichung in diesem Ablauf muss Don umplanen, was ihm jedes Mal großes Unbehagen bereitet. Er spielt dann alle möglichen Handlungsalternativen durch, um sich schlussendlich für die Beste entscheiden zu können. Den Grund dafür erfährt man, als Don eine Vorlesung zum Thema Asperger-Syndrom hält. Er spricht dabei über viele Verhaltensweisen, die der Leser bereits zu Beginn an Don selbst bemerken durfte. Somit ist uns klar, dass Don ebenfalls ein Autist mit eben jenem Syndrom ist. Nur unser Hauptheld kommt nicht zu dieser Erkenntnis.

Nachdem wir also einen Einblick in Dons Alltag bekomme haben, steht sein neuster Lebens-Optimierungsplan an. Er erstellt einen Fragebogen für Frauen, die als Partnerin in Frage kommen. Schließlich benötigt er jemanden, der in seine Struktur passt und mit dem ein effizientes Zusammensein möglich ist. Pünktlich soll sie sein, weder rauchen noch trinken – um eine Auswahl der Kriterien zu nennen. Auftritt Rosie, ihres Zeichens Barkeeperin, die gerne raucht und kategorisch unpünktlich ist. Was sie in Dons Leben zu suchen hat? Rosie ist auf der Suche nach ihrem leiblichen Vater. Da es jedoch mehrere Kandidaten gibt, benötigt sie kostengünstige Vaterschaftstests. Mann und Frau einigen sich auf ein Quid pro quo. Don stellt seine Kenntnisse in Genetik sowie das Universitätslabor zur Verfügung. Rosie unterstützt ihn dafür beim Kennenlernen und Aussortieren zukünftiger Ehefrauen. Was als Ehefrau-Projekt anfing, entwickelt sich nun zum Rosie-Projekt.

An dieser Stelle und anhand des Titels ist jedem klar, was am Ende passieren wird. Der Weg dahin, auf dem wir den Planer und die Chaotin lieben lernen, birgt viele Überraschungen. Der komplette Roman ist aus Dons Sicht geschrieben, der als Ich-Erzähler auftritt. Es ist beständig interessant, zuweilen witzig und berührend in seine Gedankenwelt einzutauchen. Wie sehr Don über die alltäglichsten Abläufe nachdenkt, sich mitunter Sorgen um (aus der Sicht neurotypischer Menschen) banale Dinge macht… Das alles führt dazu, dass ich ihn oft in den Arm nehmen wollte. Auf der anderen Seite ist es unfassbar beeindruckend wie Don durch sein Leben geht. Was dem Leser zu Beginn andersartig und befremdlich erscheint, wächst einem im Handlungsverlauf ans Herz und macht Don zu einem liebenswerten Charakter. Er ist gradlinig, sagt immer was er denkt und zeigt auf, warum normal anmutende Situationen aus seiner Sicht eigentlich sehr merkwürdig sind.

Das Rosie-Projekt ist nicht originell was die Handlung angeht und fährt mit keinen unerwarteten Wendungen auf. Was dieses Buch zu einem kleinen Goldstück macht, sind Don und seine Sicht auf die Dinge und seine Art das Leben zu meistern. Rosie als Gegenpol zu erleben, gibt dem Zusammenspiel der zwei Haupthelden die Originalität und reißt Don aus seinem Alltag. So wurde auch ich beim Lesen aus meinem Alltag gerissen und war schlichtweg begeistert. Als ich dann sah, dass Graeme Simsion den zweiten Teil Der Rosie-Effekt veröffentlicht hatte, gab es kein Halten mehr.

Georgia

Autor: Graeme Simsion
Buchtitel: Das Rosie-Projekt
Übersetzung: Aus dem australischen Englisch von Annette Hahn
Verlag: Fischer Taschenbuch

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4 Gedanken zu “Mit Algorithmen und Logik auf der Suche nach der perfekten Frau

  1. Herba schreibt:

    Ich habe dieses Buch auch wirklich gern gelesen und mochte sowohl Don als auch Rosie wirklich gerne.
    Kennst Du auch schon die Fortsetzung?

  2. Katrin schreibt:

    Ich habe die Bücher sehr als Gesamtkonstrukt angesehen. Es war ja klar, dass und wie es weiter gehen sollte. Und allein diese Studie im zweiten Teil … Ich war damals einfach unglaublich amüsiert.

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