Zwei Mann geh’n rein, ein Mann geht raus

© Foto: Karoline, 2018

Was geht denn da in meinem Wohnzimmer ab? Krach, Bum, Peng – und etwas Gehechel (meinerseits) ist auch dabei. Im heimischen Flimmerkasten läuft Mad Max und ich bin fasziniert. Karge Steppen, harte Kerle, Gesetzlosigkeit, laut brummende Motoren und nicht zuletzt die Obersahneschnitte Mel Gibson mit zarten 23 Jahren. Wie hätte ich dieser Reihe denn bitte nicht verfallen können? Der Weltenbummler-Monat Australien eignete sich also perfekt für mich, diese Kult-Klassiker einmal gebührlich zu würdigen.

Im ersten Teil Mad Max lernen wir den Grund kennen wieso aus dem Polizisten Max Rockatansky, Ehemann und Familienvater, später zum Einsiedler Mad Max wurde. Er lebt in einer Welt, die langsam in die Anarchie kippt. Die fossilen Brennstoffe sind versiegt und das Wasser wird knapp. Selbst die Polizisten müssen zu immer härteren Mitteln greifen, um den kriminellen Banden Einhalt zu gebieten. Als bei einer Verfolgungsjagd das Bandenmitglied Nightrider stirbt, schwören seine motorisierten Kumpane Rache. Max und sein Partner werden zur Zielscheibe der Vergeltung und nicht einmal das Privatleben ist heilig.

Der ikonischste Teil ist jedoch der zweite: Mad Max –Der Vollstrecker. Allein zieht Max durch die karge Wüste Australiens, auf der ewigen Suche nach Benzin für seinen V8-Motor. Wieder einmal gerät er an motorisierte Banden, die raubend, vergewaltigend und mordend die Gegend unsicher machen. Der große Humungus und seine Gang wollen einen Benzin produzierenden Stützpunkt erobern. Den Bewohnern – unter ihnen Max, der wieder mal zwischen die Fronten gerät – bleibt nur die Flucht nach vorne.

Zugegeben, Mad Max guckt man nicht wegen der tiefschürfenden Handlung. Diese Reihe brilliert einfach durch die Atmosphäre und Optik. Beim Auftritt der Kriminellen war ich immer wieder fasziniert von deren Kostümen, die eine leichte Vorliebe für Sadomaso erkennen ließen. Blanke Backen, die gelegentlich nur von einem Stück Leder bedeckt wurden, gefärbte Irokesen und wilde Tätowierungen bildeten einen starken Kontrast zu Max, dessen sexy eng anliegende Lederhose (leider) noch in einem Stück vorhanden war. Der ewige Staub, die grenzenlosen Weiten der Wüste und die brummenden Motoren erzeugen so ein glaubhaftes Weltuntergangsszenario.

Doch was ist nur beim dritten Teil Max Max – Jenseits der Donnerkuppel passiert? Er fing doch so gut an. Max streift durch das Land, wird beraubt, landet in der kleinen Stadt Bartertown, die Energie aus Schweinekot gewinnt. Bürgermeisterin Aunty Entity (Tina Turner) will den Herrn der Schweine, den Master Blaster, seiner Macht berauben, denn insgeheim hält er die Stadt mit seinen Energie-Embargos unter Kontrolle. Der Master Blaster ist eine Symbiose aus einem kleinwüchsigen schlauen Mann (Master) und seinem muskulösen Beschützer (Blaster). Um seine Sachen zurück zu erhalten, muss Max mit Blaster in die namensgebende Donnerkuppel steigen und bis zum Tod kämpfen. Soweit, so gut. So ist Mad Max, wie ich es kenne und lieben gelernt habe. Aber was danach passiert, hat so rein gar nichts mehr mit dem brutalen dreckigen Flair zu tun. In der zweiten Hälfte verkommt die Handlung zu einem Kinderfilm mit peinlichen Slapstick-Einlagen. Keine Autos, keine Verfolgungsjagden, die die Reihe doch auszeichnen – meine Enttäuschung wuchs im Minutentakt. Kurz vor Ende wurde mein Verlangen nach Motorenöl und Adrenalin dann doch noch gestillt.

Kein Wunder also, dass nach dem misslungenen dritten Teil so lange Funkstille um Mad Max herrschte. Doch die Ideen und das Flair waren einfach zu gut, um es ungenutzt in einer Regalecke verkommen zu lassen. Mit Mad Max – Fury Road konnte George Miller wieder an seine alten Erfolge anknüpfen. Der Auftakt zu einer weiteren Erfolgsreihe? Nach momentanem Stand leider unwahrscheinlich, aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, den verrückten Max Rockatansky noch einmal zu erleben.

Das war es auch schon wieder mit unserem Ländermonat zum fernen Australien. Wir waren Zeugen der Diskriminierung magiebegabter Menschen durch eine radikale Schwesternschaft, haben Familiengeheimnisse auf mehreren Zeitebenen gelüftet, lasen einen Liebesbrief an einen Fantasy-Autoren, begeisterten uns für die blutig-brutal-derbe Geschichte einer Assassinin, schluchzten herzerweichend bei der unerfüllten Liebe im Outback und versuchten mithilfe von Algorithmen die Frau fürs Leben zu finden. Wir hoffen wie immer, dass es euch gefallen hat und sind selbst schon gespannt was uns im Januar für Weltenbummler-Abenteuer begegnen werden.

Karoline

Regisseur: George Miller
Filmtitel: Mad Max, Mad Max II – Der Vollstrecker, Mad Max – Jenseits der Donnerkuppel
Erscheinungsjahre: 1979, 1981, 1985

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