Samstagshäppchen: Kadaverös stinkende Zustände im Wilden Westen

© Foto: Karoline, 2018

Neuer Monat, neuer Western. Diesmal kam die Empfehlung aus dem engsten Kreis, denn mein filmverrückter Freund zeigte mir den Trailer zu einer neuen bleigeschwängerten Buchverfilmung: Die Sisters Brothers von Patrick deWitt. Ich ging gleich auf Recherche und entdeckte, dass der Autor sogar für den Man Booker Prize nominiert gewesen ist. Als ich dann dieses absolut geniale Cover sah, war meine Entscheidung sofort gefallen.

Das Jahr 1851 im wilden Westen: Die Sisters Brothers sind zwei berüchtigte Auftragskiller. Von ihrem Boss erhalten sie den Auftrag einen gewissen Herman Kermitt Warm zu finden und qualvoll hinzurichten. Also machen sich die beiden Schießwütigen auf die Reise von Oregon City ins ferne San Fransisco, wo bereits ein Späher namens Morris alle relevanten Informationen für sie sammelt. Auf ihrem beschwerlichen Weg begegnen ihnen zahlreiche skurrile Gestalten, von einem permanent bankrotten Zahnarzt über verrückt gewordene Goldsucher hin zu anderen kaltblütigen Killern. Eine kuriose Begebenheit jagt die nächste, Spinnenbisse, wilde Schießereien, leidgeplagte Pferde und leichte Mädchen bereichern den sonst so eintönigen weiten Weg.

Diese beiden Brüder könnten unterschiedlicher nicht sein: Charlie, der Ältere, ist eiskalt und zieht lieber erst seine Knarre, bevor er Fragen stellt. Das ganze Gegenteil ist sein Bruder Eli. Er ist diplomatisch und sanftmütig. Hier sind Konflikte vorprogrammiert. Wie ein altes Ehepaar zoffen sich die beiden durch das ganze Buch. Mal ist es die Trinksucht des einen, mal die permanent rosarote Brille des anderen, ein Grund findet sich immer. Voller Zuversicht erwarte ich den Oktober, wenn die Verfilmung in den amerikanischen Kinos erscheint. Denn niemand geringeres als Joaquin Phoenix (Charlie) und John C. Reilly (Eli) werden die kultigen Brüder verkörpern, während Jake Gyllenhaal den Gesuchten mimt.

Die tolle, da bildhafte Sprache sowie der unglaublich lakonische und staubtrockene Humor hatten es mir sofort angetan. So konnte ich ein ganz wunderbares neues Wort kennenlernen, das ich direkt in meinen Sprachgebrauch aufgenommen habe: kadaverös. Für eine nährere Erläuterung kann ich hier dezent auf meine äußerst prägnante Überschrift verweisen 😛 Da merkt man direkt schon die dicken Schmeißfliegen im Genick und den ätzenden Gestank in der Nase.

Karoline

Autor: Patrick deWitt
Buchtitel: Die Sisters Brothers
Übersetzung: aus dem Englischen von Marcus Ingendaay
Verlag: Goldmann

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