Ein 101-Jähriger auf (abstrusen) Abwegen

© Foto: Kristina, 2019

Allan Karlsson ist frische 100 und lebt in einem Altenheim in Schweden. Wie langeweilig! Und da das mit dem Sterben wohl noch auf sich warten lässt, steigt er einfach aus dem Fenster (im Erdgeschoss!). Und los geht der Spaß.

Das Abenteuer, was vor ihm liegt, ist nicht das einzige seines langen Lebens. Nachdem er als junger Mann sein Haus in die Luft sprengte, gelangte er nach Spanien, in die USA, nach Russland, Frankreich und und und. Überall stieß er mit den großen Politikfiguren des 20. Jahrhunderts zusammen – egal ob General Franco, diverse US-Präsidenten oder Stalin. Man kann kaum glauben, was er alles erlebt hat.
Bei seiner Flucht aus dem Altenheim geht es auch nicht geordnet zu. Er klaut unwissentlich einen Geldkoffer, findet neue Freunde inklusive einem Elefanten und hinterlässt auch ein paar Leichen – was man ihm aber nicht übel nimmt.
Als die Reise mit den neuen menschlichen und tierischen Gefährten auf Bali endete, war man schon ein wenig traurig und wollte eigentlich noch viel mehr über Allan lesen. Der Film zum Buch war leider auch keine Aufmunterung.

2018 die Überraschung: die Fortsetzung des ersten Teils kam in die Läden. Ich war gespannt, was Allan Karlsson nun noch alles in seinem Leben erleben würde. Und das ist wieder allerhand! Mit 101 gehört man ja schließlich nicht zum alten Eisen. Und typisch Allan trifft er wieder mit so mancher berühmter Persönlichkeit zusammen. Los gehts mit Kim Jong-un, der natürlich von den Atombombenkenntnissen profitieren möchte. Aber einem nicht zurechnungsfähigen Kind möchte man sowas nicht überlassen…also gehts es nach spektakulärer Flucht über die USA – wo man natürlich auch noch Trump begegnet und mal eben 4 Kilo angereichertes Uran an den Deutschen Botschafter übergibt – nach Schweden. Dort passiert wieder eine Unglaublichkeit nach der anderen und es war auch nicht die letzte Station ihrer Reise.

Aber Moment mal… der erste Band hört 2005 auf – der zweite fängt 2017 an und Allan ist 101? Grober Fehler! Und das ist nicht das einzige, was mich gestört hat: es wird kein Wort zu seinen anderen Weggefährten verloren. Wo ist seine Frau Amanda? Was ist aus Piranha, Bosse, Komissar Aronsson, Benny und der „schönen Frau“ geworden? Wieso hat Allan Hotelschulden, wenn er doch am Ende bei Amanda eingezogen war? Man bekommt das Gefühl, dass der große Zeitsprung nur gemacht wurde, um eben Kim Jong-Un und Trump noch mitzunehmen und der Rest dann halt hinten runtergefallen ist.

Der zweite Band wirkt total gezwungen, Allan nervt nicht nur die Freundin seines Weggefährten Julius, sondern auch einen selbst. Der Buchtitel an sich klingt schön überambitioniert… Jonas Jonasson erklärt zu Beginn, dass er eigentlich keine Fortsetzung schreiben wollte. Hat er in dem Sinne auch nicht getan, denn bei Fortsetzungen erwartet man ja eine gewisse logische Kontinuität. Aber während mich der erste Band immer wieder zugreifen lässt, hätte er sich den zweiten einfach klemmen können. Das ist wirklich schade, weil seine anderen Bücher wie Die Analphabetin, die rechnen konnte oder das über Mörder Anders auch wirklich gut waren. Für neue Geschichten gebe ich Jonasson also gerne noch eine Chance, der 101-jährige sollte in Würde sterben.

Kristina

Autor: Jonas Jonasson
Buchtitel:
Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand / Der Hundertjährige, der zurückkam, um die Welt zu retten
Übersetzung:
Aus demSchwedischen von Wibke Kuhn
Verlag:
btb/ Bertelsmann

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