Morden in der schwedischen Einöde

© Foto: Karoline, 2019

Schwedische Krimis und ich haben es wahrlich nicht leicht miteinander. Oft ist mir die depressive Grundstimmung der Kommisare mit Alkoholproblemen zuwider, die Morde zu blutig, die Fälle zu konstruiert. Doch ich bin unbelehrbar und eigens für den neuen Weltenbummler-Monat rund um Schweden nahm ich mal wieder ein Buch dieser Kategorie in die Hand. Doch würde mich die Reihe rund um den Kriminalpsychologen Sebastian Bergmann begeistern können? Im kleinen Städtchen Västerås wird die Leiche eines 16-jährigen Jungen aus einem Tümpel geborgen. Erstochen, das Herz entfernt. Die örtliche Polizei ist mit diesem bizarren Fall überfragt und fordert die Reichsmordkommission an. Der leitende Kommissar Torkel Höglund reist mit seinem bunt gemischten Team an und beginnt die mühsame und wenig ergiebige Suche nach dem Mörder.

Der Psychologe Sebastian Bergmann ist ein sperriger Typ par excellence. Seine Frau und seine Tochter kamen bei einem verheerenden Tsunami ums Leben. Zu seinen Eltern pflegt er seit Jahrzehnten keinen Kontakt mehr. Der ehemalige Professor und Polizeiberater versucht die Trostlosigkeit und den Schmerz des Alltags mit unverbindlichen One-Night-Stands zu füllen. Dies gelingt mal mehr, mal weniger gut. Als seine Mutter stirbt, kehrt er in seine Heimatstadt Västerås zurück, um den Haushalt aufzulösen. Zufällig trifft er dabei seinen alten Kollegen und Freund Torkel. Eher aus purem Eigennutz schließt er sich den Ermittlungen an und findet nach und nach wieder Gefallen daran, seinen Geist zu fordern und Geheimnisse zu lüften. Die Abneigung der Kollegen perlt an ihm ab wie Wasser an einer Ente. Eine unerwartete Entdeckung stellt darüber hinaus sein komplettes Einsiedlerleben auf den Kopf und macht seine Verbindung zur Polizei umso wichtiger.

Schon lange stand diese Buchreihe, entgegen aller Bedenken, auf meiner Liste. Die ausdrucksstarke Covergestaltung und die einfallsreichen Titel gefielen mir schon immer sehr gut. Doch wie dick die Bücher waren und wie viele andere Schmöker noch auf meinem SuB rumsubten! Kurzerhand griff ich auf die augen- und zeitfreundliche Alternative des Hörbuchs zurück. Das ist zwar gekürzt, erfüllte für mich dennoch seinen Zweck. Die Stunden beziehungsweise Tracks flogen nur so dahin und schon hatte ich die ersten beiden Bände fertig gehört. Die vertrackte Polizeiarbeit und die sperrigen Charaktere hatten es mir angetan. Besonders Sebastian Bergmann als Inbegriff des antisozialen Ekels übertraf meine Erwartungen. Seine Gedankenwelt wird eingehend in den Romanen von Hjorth und Rosenfeldt beleuchtet. Eigentlich hat ihn sein Schicksal in die Rolle gezwungen, die er nun in voller Breite auslebt. Besonders hier trat ein schwarzer Humor zutage, mit dem ich gar nicht gerechnet hatte. Doch wenn der ehemalige Star-Psychologe überlegt, welche Strategie er anwenden muss, um diese oder jene Frau ins Bett zu kriegen, dann ist das auf bittere Art durchaus komisch und äußerst unterhaltsam.

Um einmal den Bogen zu meinen anfänglichen Bedenken zu spannen: Ja, die Fälle sind blutig und ja, auch sehr konstruiert. Dennoch fühlte ich mich gut unterhalten und von Herrn Welbats Stimme angenehm eingelullt. Er war wie ein lieber Opa, der mir nur einfach ein sehr brutales Märchen erzählte. Wer braucht da schon authentische Mordermittlungen?

Karoline

Autoren: Michael Hjorth und Hans Rosenfeldt
Buchtitel: Ein Fall für Sebastian Bergmann – Der Mann, der kein Mörder war; Die Frauen, die er kannte
Gelesen von: Douglas Welbat
Übersetzung:
Aus dem Schwedischen von Ursel Allenstein
Verlag: rororo

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