Von Mäuseprinzen und ihren tapferen Gefährten

© Foto: Georgia, 2019

Zu Weihnachten habe ich das bis dato am aufwändigsten gestaltete und komplexeste Spiel für meine Sammlung bekommen. Maus und Mystik gehört zu meinen geliebten Kooperationsspielen und ist unheimlich detailliert. Mit einem großen Umfang an Spielmaterialen und verschiedenen Varianten hat es das Potential einen sehr lange zu beschäftigen und sogar mehrere Tage mit Spielvergnügen zu füllen. Hierbei wird einem ein hohes Maß an Konzentrationsfähigkeit abverlangt, denn die vielen Details sorgen auch dafür, dass eine Menge Regeln beachtet werden wollen. Maus und Mystik ist definitiv nichts für Zwischendurch. Wenn man Zeit und Aufmerksamkeit mitbringt, birgt es die Möglichkeit den Spieler in eine ganz eigene Welt zu entführen.

Der gutherzige König Andan bekommt eines Tages Besuch von Vanestra – der Königin von Dhunkol. Nach kurzer Zeit verkündet Andan seine Hochzeitspläne und erkrankt abrupt sehr schwer. Vanestra und ihre dunklen Soldaten übernehmen das Regieren für den nun bettlägerigen König. Prinz Collin und die treuen Berater Andans wollen herausfinden, woher die plötzliche Krankheit kommt und welche finsteren Absichten Collins künftige Stiefmutter verfolgt. Leider fliegt die geheime Besprechung auf und sie landen im Kerker. Die einzige Möglichkeit zu entkommen? Natürlich verwandelt der Hofmystiker Maginos alle in Mäuse damit sie fliehen können …

An dieser Stelle übernehmen die Spieler das Geschehen. Zu dieser Grundvariante von Maus und Mystik gehört das Geschichtenbuch Trauer & Erinnerung. Es gibt den großartigen Prolog, um sich auf die Story einzustimmen und es folgen elf Kapitel, die zeitgleich Spielabläufe beziehungsweise -regeln darstellen. Jedes Kapitel kann als einzelne Runde betrachtet werden. Entweder wählen sich die Spieler eine beliebige Runde aus oder versuchen sich an einer Kampagne, das heißt die Geschichte wird von vorn bis hinten durchgespielt. Im jeweiligen Kapitel wird vorgegeben mit welchen Charakteren man es bestreiten kann, wie das Feld aufgebaut wird und wann die Runde gewonnen oder eben verloren ist. Meist wird ein Objekt gesucht oder alle Teilnehmer sollen an einem bestimmten Ort zusammentreffen. Ziel des gesamten Spieles ist es Vanestras Pläne aufzudecken und zu vereiteln. Ein Spieler kann einen oder mehrere Charaktere bedienen. Es ist notwendig sich mit seinen Mitspielern zu beraten, denn entweder gewinnt die Gruppe oder keiner.

Folgende Figuren stehen zur Verfügung: Prinz Collin, der schwertschwingende Anführer und Thronerbe. Maginos, der Quotenzauberer inklusive Marienkäfer-Drache. Tilda, die Heilerin mit dem Streitkolben. Rex, der hünenhafte und narbenübersäte Hofschmied. Finger, der gerissene Dieb, welcher kurzerhand mit aus dem Kerker entfloh und nun eben dazugehört. Schließlich stößt noch Lily dazu, die einzige „echte“ Maus, bewaffnet mit Pfeil und Bogen. Teilweise erinnerte mich diese Gruppenzusammenstellung sehr an die Gefährten von Herr der Ringe. Jede dieser Figuren hat unterschiedliche Fähigkeiten und kann spezielle Waffen mit sich führen. Im Spielverlauf können weitere Waffen und Fähigkeiten dazu gewonnen werden. Diese werden auch stark benötigt, denn den tapferen Helden begegnen gemeine Gegner. Das fängt an bei Rattenkriegern (die ebenfalls verzauberte Gefolgschaft von Vanestra) und endet bei giftigen Tausendfüßlern, die auf einmal riesengroß erscheinen. Kämpfe gegen diese Gegner sind oft Glückssache, denn Trefferpunkte und Verteidigungen werden ausgewürfelt. Das soll es zu den Regeln gewesen sein. Die Tatsache, dass es ein Extra-Regelwerk plus das Geschichtenbuch mit zusätzlichen Kapitelregeln gibt, spricht für die Komplexität des Ganzen und würde in dieser Beschreibung den Rahmen sprengen.

Genau diese Komplexität verursacht mir auch immer noch Kopfschmerzen. Es gibt Regeln für das Betreten eines Raumes, für das Fortbewegen und Kämpfen, für Sonderaktionen und vieles mehr. Die Charaktere haben Grund- und Spezialfähigkeiten und sogar die einzelnen Waffen haben verschiedene Regelungen. Ich habe es bis jetzt nur zu zweit gespielt und wir hatten große Schwierigkeiten an alles zu denken und haben ständig etwas vergessen oder übersehen. Manchmal wurde es uns dadurch unheimlich schwer gemacht, manchmal hingegen viel zu einfach. Trotzdem waren wir so angefixt, dass wir es wieder und wieder versucht haben. Hier scheint es eine gute Idee die maximale Anzahl von vier Spielern auszureizen, so kann jeder mit aufpassen. Auf der anderen Seite macht die Komplexität Maus und Mystik so großartig. Es bringt unheimlich viel Spaß in die Geschichte einzutauchen und die Rolle dieser liebevoll gestalteten Charaktere einzunehmen. Man hat eine Vielzahl von Handlungsmöglichkeiten und lernt nach und nach die einzelnen Fähigkeiten bestmöglich zu nutzen. Wenn ich dann als axtschwingender Rex dem von Kakerlaken eingekesselten Anführer zu Hilfe kam, war ich im vollen Kampfmodus und völlig mitgerissen. Neben den Figuren sind auch die einzelnen Spielbrettbestandteile sowie die Würfel und Karten aufwendig gestaltet. Diese ganzen Materialien und Variationsmöglichkeiten haben mich komplett überzeugt. Leider komme ich nicht oft zum Spielen, denn bei Spielenachmittagen und -abenden hat man dann nur für Maus und Mystik Zeit und ist danach geistig sehr erschöpft. Irgendwann werde ich mal hintereinander die komplette Geschichte spielen. Doch dieser Tag ist noch fern …

Georgia

Autor: Jerry Hawthorne
Titel: Maus und Mystik
Verlag: Plaid Hat Games

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