Begegnung zwischen Mensch und Wolf

© Foto: Ilke, 2019

Mein erster Bibliotheksbesuch seit Jahren führte mich unter anderem in die Kinderbuchabteilung. Dort geriet mir ein Buch vor die Augen, dessen Cover und Titel mich sofort danach greifen ließ. Ebenso klang der Inhalt genau nach dem, was ich suchte: ein Junge, ein Wolf, ein Abenteuer.

 

Johannes Kilian, genannt Joki, ist nicht sehr erfreut über den Umzug weg vom Haus seiner Oma, hin zu dem neuen Lebensgefährten seiner Mutter. Obwohl das neue Heim nur wenige Kilometer entfernt ist, hat er trotzdem keine Lust auf die gößere Entfernung zu seiner Freundin Sanja. Zudem muss er auf dem Bauernhof helfen. Zum Glück gibt es in der Nähe einen Wald, den er durchstreifen kann. In diesem Wald hat sich eine Wolfsfamilie angesiedelt. Die meisten Welpen raufen bereits miteinander, nur der jüngste Wolf Schwarzohr bleibt lieber bei seiner Mutter und scheint noch nicht so weit entwickelt zu sein wie die anderen. Während eines Streifzuges wird Schwarzohr etwas mutiger, findet jedoch anschließend den Weg nicht mehr zurück.

Joki hat den Wald für sich als Rückzugsort entdeckt und verbringt viel Zeit dort. Er kann es kaum glauben, als er bei einem Ausflug einen echten Wolf an der Wasserstelle sieht, hatte er doch Sanjas Erzählungen über Wolfsspuren zuvor nicht erst genommen. Wenig später sieht er das ganze Wolfsrudel. Da er sich ruhig verhält und Abstand bewahrt, wird er von den Tieren nicht als Gefahr wahrgenommen und kann sie ungehindert beobachten und ihnen sogar folgen. Einen anderen Tag findet er den Welpen mit dem schwarzen Ohr verletzt und ohne Rudel und beschließt aus einer Laune heraus, den kleinen Wolf mitzunehmen und gesund zu pflegen. Dabei lockt er jedoch das Rudel, welches auf der Suche nach Schwarzohr ist, in die Nähe der Menschen und setzt sie großer Gefahr aus. Um den Fehler wieder gutzumachen macht sich Joki auf, das Junge dem Rudel zurückzubringen.

Die Geschichte ist mitreißend und mitfühlend erzählt, ohne ins Kitschige abzurutschen. Die Charaktere sind dabei liebevoll gezeichnet. Es wird abwechselnd aus der Perspektive von Joki, Wolf, Wölfin und Schwarzohr erzählt. Die Autorin hat die Wolfsperspektive sehr gut hinbekommen, sachlich und empathisch, ohne die Tiere zu vermenschlichen. Es geht nicht nur um das Abenteuer, das Joki mit den Wölfen erlebt, sondern auch um die einzelnen Beziehungen von Joki zu seiner Familie, seiner Freundin und dem Welpen. Seine positive und moralische Sicht auf die Welt finde ich inspirierend und sollte von anderen Lesern angenommen werden.

Die Altersempfehlung liegt bei 10 bis 12 Jahren, ich finde jedoch, dass gerade Erwachsene diese Geschichte lesen sollten. Die Ansiedelung des Wolfes in Deutschland ist ein aktuelles Thema und dieses Buch hilft bei der Aufklärung darüber, dass Wölfe keine bösen Bestien sind. Im Anhang sind abschließend viele interessante Fakten rund um den Wolf und dessen Lebensweise zu finden.

Ilke

Autor: Grit Poppe
Buchtitel: Joki und die Wölfe
Verlag: Peter Hammer Verlag

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