Märchen meets Science-Fiction

© Foto: Karoline, 2019

Manche Romane bestechen zunächst einmal durch ihr Cover. Die Luna-Chroniken waren genau solch ein Fall: Sie glänzen einfach so schön. Doch noch genialer fanden wir die Idee, allseits bekannte Märchen in eine dystopisch angehauchte Science-Fiction-Lovestory einzubetten. Herrlich schräg und originell! Daher wollen wir dieser kreativen Reihe hier einen eigenen Beitrag widmen und euch an unserer Begeisterung teilhaben lassen.


© Foto: Karoline, 2019

Wie Monde so silbern

Die Protagonistin Cinder ist nicht nur besonders intelligent, sondern zudem eine erstklassige Mechanikerin mit sehr gutem Ruf. Sie lebt bei ihrer gehässigen Stiefmutter und den zwei Stiefschwestern und versucht genauso wie alle anderen in Neu-Beijing um die Runden zu kommen. Das ist gar nicht so einfach, denn die Blaue Pest rafft unterschiedslos Jung und Alt dahin, ohne dass endlich das erlösende Heilmittel gefunden werden kann. Eines schönen Tages taucht der attraktive Kronprinz Kai an ihrem Marktstand auf, um inkognito einen Androiden reparieren zu lassen. Irgendwie werden dadurch um Cinder herum zahlreiche Ereignisse in Gang gesetzt, die sie zu überrollen drohen. Was will zum Beispiel die geheimnisumwitterte Luna-Königin auf der Erde und warum verspürt Kai das plötzliche Bedürfnis, diese gefährliche Frau zu ehelichen? Oder wieso ist Cinder offenbar immun gegen die Epidemie, die so unglaublich viele Todesopfer fordert? Als sie sich zur Klärung einiger Fragen auf den großen Verlobungsball des Prinzen schleicht, verliert sie am Ende nicht nur ihren Schuh, sondern findet so einiges über sich selbst heraus.

Wie Monde so silbern halte ich für einen beispielhaft einfallsreichen Jugend- bzw. All-Age-Roman, der mit einer starken Hauptfigur glänzt sowie jede Menge Geheimnisse und Verwicklungen aufbietet. Allein den Gedanken, aus Cinderella einen Cyborg zu machen, fand ich wunderbar abgefahren. Dabei ist das Gute an der Geschichte, dass sie absolut nicht so mädchenhaft und weichgespült daherkommt, wie der geneigte Leser aufgrund des Covers zunächst erwarten könnte. Denn der Roman enthält neben einigen Schockmomenten und viel Humor auch einen sorgfältig ausgearbeiteten politischen Hintergrund, thematisiert moralische Verpflichtungen der Regierung gegenüber der Bevölkerung und beschreibt glaubhafte, mehrdimensionale Charaktere. Daher bin ich überzeugt: Wer hier einmal zu lesen anfängt, für den gibt es kein Zurück mehr!

Katrin


© Foto: Karoline, 2019

Wie Blut so rot

Scarlet Benoit ist auf dem Bauernhof ihrer Großmutter aufgewachsen. Im französischen Dorf Rieux bauen die zwei Frauen Bio-Tomaten an. Die Geschehnisse aus dem ersten Teil sind für sie nichts weiter als Fernsehnachrichten, denn Prinz Kais Reich ist in weiter Ferne. Ihr Frieden wird dennoch gestört, als Großmutter Michelle spurlos verschwindet. Nachdem Scarlet zwei Wochen lang auf ihre Rückkehr gewartet hat, macht sie sich selbst auf die Suche. Diese Frau hat sie schließlich aufgezogen und ihr beigebracht ein Raumschiff zu fliegen. Der kräftige Straßenkämpfer Wolf schließt sich Scarlet an und gemeinsam begibt sich das ungleiche Paar auf den langen Weg nach Paris. Unterwegs werden Bruchstücke von Wolfs Vergangenheit enthüllz und Scarlet hinterfragt ihre Entscheidung dem Mann Vertrauen geschenkt zu haben.

Wie Blut so rot ist mein Liebling der Reihe. Wenn Rotkäppchen mit dem “bösen Wolf” kooperiert und ein Raumschiff fliegen kann, erfüllt das alle meine Wünsche an Märchenadaptionen. Ebenso wie ihre Mitstreiterinnen aus den anderen Teilen ist Scarlet charakterstark und selbstständig. Ich empfinde sie als noch wilder und taffer, fast selbst wie ein Wolf. So habe ich im zweiten Band meine Lieblingsfigur und mein Lieblingspaar gefunden. Was die Ideenvielfalt und Spannung angeht, steht dieses Buch seinem Vorläufer in nichts nach. Da hier der Handlungsstrang um Cinder wieder aufgegriffen wird, ist es sogar noch abwechslungsreicher. Die zwei parallellaufenden Perspektiven kann der Leser dennoch gut nachvollziehen. In den Folgebänden wird das zunehmend schwieriger. So trifft Wie Blut so rot für mich die perfekte Mitte.


© Foto: Karoline, 2019

Wie Sterne so golden

Ein einsamer Satellit kreist um den Mond: sein einziger Bewohner ist Cress, geniale Hackerin der Luna-Königin und Hülle. Nur die royal treue Lakaiin Sybil Mira stattet ihr regelmäßige Besuche ab, um neue Aufgaben zu verteilen und Cress‘ Dankbarkeit einzufordern. Denn eigentlich sollte sie tot sein. Als Hülle ist sie immun gegen den lunarischen Zauber und stellt daher ein unkontrollierbares Risiko dar. Doch Cress ist es schon lange leid zu katzbuckeln. Seitdem Cinder über einen D-Tele-Chip Kontakt zu ihr aufnahm, hält sie ihre schützende Cyber-Hand über die Verfolgte. Nun will die rechtmäßige Erbin des lunarischen Throns ihr einen Besuch abstatten und sie aus ihrem Weltraumgefängnis befreien. Doch niemand hat mit Sybil Mira gerechnet und somit geht alles schief, was schief gehen kann. Am Ende der Befreiungsaktion hat die Crew ein Mitglied an den Feind verloren und zwei weitere stranden in der afrikanischen Wüste.

Wie Sterne so golden ist der gelungene dritte Teil der Luna-Chroniken und kann ganz wie seine Vorgänger mit starken neuen Charakteren auftrumpfen. Mir gefiel Cress‘ schräge Tagträumerei, ob es nun ihre geträllerte Arie in der Dusche ist, die sie vor einem imaginären Millionenpublikum zum Besten gibt, oder ihre jugendliche Schwärmerei für den verwegenen Thorne, krimineller Knastgefährte Cinders und Kapitän des Flucht-Raumschiffs. Zwar ist sie der Prototyp einer Jungfrau in Nöten, doch wird sie auch selbst aktiv und ergänzt mit ihren Hacker-Kenntnissen das Team optimal. Zusätzlich lernen wir Sybil Miras Wächter Jacin etwas besser kennen, der eher unfreiwillig zu Cinders buntem Haufen stößt und sein ganz eigenes Süppchen kocht.

Karoline


© Foto: Karoline, 2019

Wie Schnee so weiß

Während ein Crew-Mitglied als Gefangener des Königshauses auf Rettung durch seine Freunde hofft, lernt der Leser die unglaublich schöne und leicht verrückte Prinzessin Winter kennen und lieben. Die vom Volk verehrte Stieftochter der grausamen Königin Levana ist dieser ein Dorn im Auge und soll nun endlich beseitigt werden. Unterdessen gerät Imperator Kai unter ziemlichen Druck, denn die Erdbevölkerung leidet noch immer unter der grausamen Blauen Pest. Ein Heilmittel dagegen verspricht die geplante Hochzeit mit Levana – doch diese könnte die Freiheit des gesamten Planeten gefährden. Zwar gibt es einen Plan, um Levana zu stürzen, aber kann die lunarische Bevölkerung überhaupt davon überzeugt werden, gegen ihre Königin zu rebellieren?

Nachdem unsere Heldentruppe während der vergangenen drei Bände zunächst immer weiter angewachsen ist, um danach auseinander gerissen zu werden, treffen endlich im Finale der Luna-Chroniken alle aufeinander. Schauplatz ist Artemisia, die Hauptstadt des Erdtrabanten Luna, wo es zum spannenden Showdown kommt. Die Autorin versteht es sehr gut, alle losen Enden zusammenzuführen und jedem der bisherigen Hauptcharaktere seinen Platz einzuräumen. Die Perspektivenwechsel sind manchmal etwas fordernd, da man sich wiederholft auf neue Gegebenheiten umstellen muss, aber nichtsdestotrotz bleibt der Leser stets mühelos in der Geschichte. Allerdings raten wir tatsächlich dazu, die Reihe in einem Rutsch zu lesen. Allein durch die Anzahl der handelnden Charaktere samt ihrer Vorgeschichten, auf die häufig Bezug genommen wird, fehlen einem ansonsten Informationen, die das Verständnis erleichtern. Leicht irritierend war hingegen, dass bei aller Komplexität der Erzählstränge wirklich jede der Figuren stets zur rechten Zeit am rechten Ort auftauchte. Das ging etwas zu Lasten der Vorhersehbarkeit der Geschichte und ließ die Schwarte nur umso dicker werden. Immerhin ergab sich daraus ein dynamischer Wechsel zwischen Figuren und Handlungsorten. Einmal angefangen zu lesen, flogen die knapp 850 Seiten nur so dahin. Das Ende war sehr passend, selbst wenn uns einige Details etwas unzufrieden stimmten. Insgesamt ist Wie Schnee so weiß für uns aber ein rundum gelungener Abschluss der Reihe.

Katrin, Georgia und Karoline

9 Gedanken zu “Märchen meets Science-Fiction

  1. Shalima Moon schreibt:

    Ich steh gerade ratlos vor meinem nächsten Buchladen- Bestellzettel und überlege, wie ich die Reihe da noch unterkriegen soll, überschreitet er doch schon längst mein geplantes Budget…

    • Karoline schreibt:

      Ja, das ist in der Tat eine äußerst schwierige Entscheidung. Gibt es auch eine baldige Geburtstagsliste? Die find ich ja auch sehr praktisch 😜

      • Karoline schreibt:

        Mist… Was kommt denn noch so?Kindertag, Weihnachten. Ach, sind wir mal ehrlich – dann doch eher selbst kaufen, oder?

      • Karoline schreibt:

        Mein inneres Ich argumentiert da gerne wie folgt: Oh, da ist ein neues Buch, das dir gefallen könnte, du MUSST es haben!!! – Aber du hast doch noch so viele andere ungelesene zuhause, was ist mit denen? – Aber ich will es, ich brauch es, es ist Belohnung für was auch immer. Und schon steht es im Regal😜

    • Karoline schreibt:

      Juhuuuuuuu, da freuen wir uns, dass wir deinen Geschmack treffen konnten!! Viel Spaß bei den folgenden Bänden! Dicke Wälzer gegen den Trübsal erzeugenden Herbst sind doch sowieso die beste Medizin 😉

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