Giftmischende Detektivin auf Mörderjagd

© Foto: Georgia, 2019

Vor etwa zehn Jahren ist mir beim Arbeiten in der Buchhandlung ein Leseexemplar in die Hände gefallen, dessen Cover mich sehr stark an Wednesday Addams erinnerte. Als ich dann sah, dass es von Totschlag, Chemie und abstrusen Situationen handelt, war ich hin und weg. Unser aktueller Ländermonat bot die perfekte Gelegenheit, um Flavia de Luce – Mord im Gurkenbeet mal wieder zu lesen. Die Assoziationen mit der Addams Family bleiben weiterhin bestehen, denn die Hauptheldin macht Wednesday alle Ehre. Außerdem bin ich immer noch begeistert, wenn ich mit Flavia in die Chemie des Todes eintauche. Was blieb mir also anderes übrig als eine Rezension zu schreiben?

Eines Morgens entdeckt die elfjährige Flavia auf dem Anwesen ihrer Familie eine Leiche im Gurkenbeet. Als die Ermittlungen beginnen, gerät ihr Vater Colonel de Luce unter Mordverdacht. Seine intelligente, schlagfertige, sture Tochter macht es sich zur Aufgabe seine Unschuld zu beweisen. Da wir uns auf einem englischen Landsitz in den 50er Jahren befinden, besteht ihre Detektivarbeit aus vielen Laufwegen, dem Durchforsten von Bibliotheken und dem Befragen diverser Einheimischer. Flavia meistert dies mit Bravour sowie einer guten Portion Glück. Es scheint, dass sie dem eigentlichen Inspektor des Falles immer einen Schritt voraus ist. Doch bald deckt sie dunkle Geheimnisse des Örtchens und ihrer Familie auf, die besser unentdeckt geblieben wären. So wird Flavia mit der Frage konfrontiert, ob ihr Vater wirklich unschuldig ist.

Mit Mord im Gurkenbeet ist Alan Bradley der Auftakt zu einer großartig skurrilen Krimireihe gelungen. Den Leser erwartet ein stetig steigender Spannungsbogen und eine sehr junge sowie unglaublich bemerkenswerte Hauptheldin. Flavia interessiert sich schon Zeit ihres Lebens für Chemie, vor allem Gifte üben einen besonderen Reiz auf sie aus. Morbide Dinge inklusive des Todes findet sie eher anziehend als furchteinflößend. So mag sie sich scheinbar bei den zeitgenössischen Ermittlern mit obskuren Neigungen und antinormalen Verhalten einreihen, jedoch schaut ihre Detektivarbeit ein wenig anders aus. Da gibt es keine digitale Signatur zu verfolgen, Telefone zu orten oder große Gerätschaften, die einem beim Spurenlesen helfen. Das ist eine willkommene Abwechslung, die alles noch ein wenig spannender macht. Der schwarze Humor kommt auch nicht zu kurz. Wenn eine Elfjährige schlagfertiger ist als mancher Erwachsene, dann gibt es viel zum Schmunzeln. Das Patentrezept Krimi mit einem ungewöhnlichen Detektiv und einer Prise britisch-schwarzen Humor funktioniert nicht umsonst so gut.

Es gibt für mich ein Manko an diesem Debutroman. Flavia verliert sich oft in ausufernden Erklärungen bzw. Geschichten. Wenn es dabei um Chemie geht, finde ich das noch interessant, um Kenntnisse aus der dem Schulunterricht aufzufrischen als auch zu erweitern. Nur auf die Erzählungen über verstorbene Familienmitglieder und Geschehnisse aus ihrem Heimatort kann ich verzichten, wenn sie im weiteren Verlauf des Romans keinerlei Rolle spielen. Zumal es dem Leser schwer fällt zu differenzieren, was nochmal aufgegriffen wird und was man wieder aus seinem Gedächtnis streichen kann. Diese Ausuferungen störten mich an der einen oder anderen Stelle doch sehr in meinem Lesefluss. Davon abgesehen hatte ich viel Spaß mit Mord im Gurkenbeet und finde Flavia immer noch ganz wunderbar in ihrer Absonderlichkeit. Es ist wohl an der Zeit auch mal wieder der Addams Family einen Besuch abzustatten.

Georgia

Autor: Alan Bradley
Buchtitel: Flavia de Luce – Mord im Gurkenbeet
Übersetzung: Aus dem Englischen von Gerald Jung und Katharina Orgaß
Verlag: blanvalet

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