Mein Soundtrack: Oh no no no, I’m a rocket maaaaaaaaaan

© Foto: Karoline, 2019

Nichtsahnend saß ich letzten Herbst im Kino, freute mich ekstatisch auf Bohemian Rhapsody und sah mir etwas unwillig die vielen Trailer an. Der Film sollte endlich losgehen! Doch was war das? Der schnuckelige Taron Egerton, den ich seit Kingsmen liebe, mit lichtem Haupthaar und schriller Brille? Der sah ja aus wie… ja genau, Elton John! Seitdem fieberte ich dem musikalischen Biopic entgegen, markierte es mir fett im Kalender und dackelte voller Aufregung in der ersten Woche direkt ins Kino …

… und wurde prompt dafür belohnt! Es war spannend und aufwühlend zugleich zu beobachten wie aus dem hässlichen Entchen Reginald Dwight der Rockstar-Schwan Elton Hercules John wurde. Gleich zu Beginn lernt der Zuschauer ihn als schillerndes Wrack kennen. Er trägt einen funkelnden orangefarbenen Jumpsuit mit Stehkragen und ein Häubchen mit Hörnern. Elton befindet sich in einer Therapiegruppe, in der er sein Leben Revue passieren lässt und immer wieder Flashbacks hat. Ich verfolgte seine Kindheit, entdeckte mit seiner Familie das unglaubliche musikalische Talent und war fasziniert von seiner steilen Karriere. Da Eltons Songs stets sehr persönlich waren, konnten viele Kapitel mit musicalartigen Song- und Tanzeinlagen bereichert werden und verliehen der sonst so schweren Thematik eine gewisse Leichtigkeit. Nicht nur die gelungene Prise Humor, sondern auch die Musikauswahl waren dabei stellenweise sehr überraschend. Songs, wie Goodbye Yellow Brick Road oder Border Song, waren mir vorher völlig unbekannt.

Ganz besonders hat mich die Männerfreundschaft zwischen Elton und seinem Texter Bernie Taupin beeindruckt. Ihr Zusammentreffen ist rein beruflicher Natur; der eine kann komponieren, der andere gute Texte schreiben. Doch innerhalb kürzester Zeit wächst dort eine Verbundenheit, die durch die ersten Erfolge noch tiefer wird. Doch während der eine dem Druck der Bühne ausgesetzt ist und den Showman mimen muss, kann der andere im Schatten sein relativ normales Leben weiterführen. Mehrmals wird betont, dass sie sich nie gestritten hätten, und doch gab es Phasen im Leben beider, in denen sie sich entfremdet hatten.

Ein weiterer wichtiger Punkt im Film ist Eltons Homosexualität. Er merkt relativ früh, dass ihn das männliche Geschlecht mehr anspricht und wird dennoch von seinem Manager angehalten, diese Tatsache totzuschweigen. Mit diesem führt der Musikstar dann auch über Jahre eine geheime Beziehung, die zwar leidenschaftlich beginnt, jedoch schnell in brutale Ernüchterung umschlägt. Kein Wunder, dass Elton seine Einsamkeit in Alkohol und Drogen ertränkt. Besonders beeindruckt war ich von der Liebesszene. Knisternde Erotik zwischen zwei Männern, einfühlsam gefilmt, gut geschnitten, das hatte ich so bisher noch nicht in einem Film gesehen.

In Rocketman lernte ich auf höchst unterhaltsame Art und Weise den Ausnahme-Komponisten von einer ganz privaten Seite kennen. Die Musikauswahl passt wie die Faust aufs Auge, das Kostümdesign ist genial, die Schauspieler haben sich voll ins Zeug gelegt und ihre Songs selbst gesungen. Vor so geballtem Engagement kann ich nur den Hut ziehen und diesen Film allen empfehlen, die Elton John bisher nur als Schnulzen-Sänger kannten. In diesem Sinne: Rock’n’Roll!

Karoline

Regisseur: Dexter Fletcher
Filmtitel: Rocketman
Erscheinungsjahr: 2019

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