Violent delights in Westworld

© Foto: HBO.com

Vergnügungsparks und Abenteuerspiele erfreuen sich seit langem großer Beliebtheit. An künstlicher Intelligenz wird seit einiger Zeit geforscht. Was wäre, wenn man diese drei Faktoren kombinieren würde? Wenn man in einem Vergnügungspark Abenteuer hautnah, wie in einem Computerspiel erleben könnte? Mit dieser Vorstellung beschäftigt sich die Serie Westworld.

Wir befinden uns in einer nicht bestimmten Zukunft. Westworld ist ein Themenpark, in dem die Besucher  Geschichten des Wilden Westens erleben können. Wie in einem Spiel kann man vorgefertigten Missionen folgen oder auf eigene Faust die Welt erkunden. Jeder Besucher hat dabei die Möglichkeit, sich selbst neu erfinden; die Person zu sein, die er oder sie schon immer sein wollte: Schurke, Held, Räuber, Abenteurer, Frauenheld, etc. Alles ist möglich, ohne Konsequenzen. Für ein möglichst realistisches Erlebnis wird Westworld von Hosts bevölkert – Robotern, die echten Menschen nachempfunden und sowohl äußerlich als auch charakteristisch kaum von ihnen unterscheidbar sind. Waffen sind so modifiziert, dass sie Hosts beschädigen, den Besuchern aber nichts anhaben können. Jeder Host hat seine Aufgabe bzw. Rolle  zu spielen. Am Ende des Tages wird das Gedächtnis jedes Roboters gelöscht, damit die meist brutalen und grausamen Ereignisse keinen Einfluss auf sie haben.

In den bereits erschienenen zwei Staffeln der Serie folgen wir mehreren Charakteren. Robert Ford ist einer der Gründer des Themenparks und mit der Entwicklung eines neuen, nie dagewesenen Handlungsstrangs beschäftigt. Dies missfällt dem Vorstand, der eigene Ziele verfolgt. Einer der wichtigsten Mitarbeiter ist der Programmierer Bernard Lowe, der Abweichungen eines Hosts entdeckt, welche sich wie eine Krankheit weiter ausbreiten. Es scheint, als ob immer mehr Hosts ein eigenes Bewusstsein entwickeln und Erinnerungen beibehalten, obwohl diese gelöscht wurden. Zudem zeigen sie Verhaltensweisen, die nicht programmiert wurden. Zwei dieser Hosts, denen wir im Laufe der Geschichte folgen, sind die Farmerstochter Dolores Abernathy und die Eigentümerin des Mariposa Saloons Maeve Millay.  Beide sind mit der ihnen zugeteilten Rolle ganz und gar nicht zufrieden und möchten ihr Leben und ihre Zukunft selbst bestimmen. William wird von seinem Schwager in Spe zum ersten Mal in den Vergnügungspark mitgenommen und ist anders als alle anderen Gäste. Zufällig begegnet er Dolores und erkennt ihre Andersartigkeit. Der mysteriöse Mann in Schwarz hingegen ist bereits Stammgast in Westworld und auf der Suche nach einem letzten bedeutsamen Abenteuer, dem Labyrinth.

Jeder Charakter hat seine Vergangenheit, die nach und nach aufgedeckt wird und die jeweilgen Motive offenbart. Was zunächst wie eine Aneinanderreihung von Einzelschicksalen wirkt, wird später geschickt miteinander verknüpft. Die Serie wirft Fragen und Überlegungen zu Bewusstsein, Schuld, Reue, Ethik und Menschsein auf. Wann beginnt Leben, ab wann ist es schützenswert, darf man alles machen, nur weil man es kann? Wie entsteht Bewusstsein? Eingebettet ist dies in eine spannende und verschwurbelte Handlung, die erst nach und nach offengelegt wird. Früher oder später fragt sich der Zuschauer auch, ob es nicht sogar mehrere Zeitebenen gibt. Westworld ist keine Serie für zwischendurch, oder als Hintergrundbeschallung, sie erfordert Aufmerksamkeit, um alles mitzubekommen und Hinweise zu erkennen und zuzuordnen. Die anfängliche Verwirrtheit ist vielleicht nicht für jeden etwas, es lohnt sich allerdings, am Ball zu bleiben. Die erste Staffel endet mit einem ziemlichen Kawumm und man will unbedingt wissen, wie es weitergeht. Ähnliches gilt für die zweite Staffel. Diese hat mir ebenfalls gut gefallen, war jedoch mit weniger Überraschungen und Verquickungen gespickt als die erste. Die dritte Staffel wird voraussichtlich nächstes Jahr erscheinen.

Ich habe den Eindruck, dass Westworld in Deutschland nicht sehr bekannt ist, was ich sehr schade finde. Das liegt vermutlich an der mangelhaften Verfügbarkeit. Die Serie wurde und wird bislang nur auf Sky ausgestrahlt und lief weder im Free TV noch ist sie auf Streaming-Plattformen kostenfrei zu erhalten. Dabei lohnt es sich, Westworld anzuschauen. Die Serie hat mich an vielen Stellen überrascht. Sowohl die Machart als auch die musikalische Untermalung fand ich bemerkswert. Der aufmerksame Zuhörer wird bekannte Stücke in altem muskalischem Gewand erkennen. Ebenfalls finde ich die schauspielerische Leistung großartig. Die Besetzung ist nicht so hochkarätig, einige Gesichter kommen einem mitunter bekannt vor. Anthony Hopkins als Robert Ford ist allerdings sofort erkennbar.
Bei der Flut von Serien, die einen überschwemmt, war es schön, etwas neues und zumindest für mich noch nie dagewesenes zu sehen.

Ilke

Erschaffen von: Jonathan Nolan, Lisa Joy
Serientitel: Westworld
Ausgestrahlt: seit 2016

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.