Wohnungs- und Liebeswirrwarr im fernen Osten

© Foto: Kristina, 2019

Herr Hu, unglücklich verheiratet, fast glatzköpfig und zeugungsunfähig, tritt seinen neuen Job als Leiter des Kulturinstituts an. Hoffentlich bringt ihm wenigstens dieser Teil seines Lebens Freude.  Doch statt auf der Kultur liegt der Fokus auf einer einzigen Sache: Wohnungen und wie diese vergeben werden. Und manch einer ist bereit, alles  zu tun, um eine zu bekommen.

Da wären zum Beispiel Liu Tuoyun, die im Foyer des Instituts kampiert, weil ihr eigentlich schon lange eine Wohnung versprochen wurde. Yu Kui, der seine Ehe in Gefahr sieht, weil er unter einem Dach mit Mutter und Schwiegermutter hausen muss und dadurch kein Liebesleben möglich ist. Heili, der schon ein Raum groß wie ein Klo reichen würde.

Von Sitzung zu Sitzung muss sich Hu hangeln, dabei würde er sich doch gerne endlich mal mit Kultur befassen! Keine Chance! Liu Tuoyun behauptet gegenüber Hus Frau, dass sie eine Affäre mit ihm hat, verpestet das Foyer mit fiesen Gerüchen und kommt dennoch keinen Schritt weiter. Da müssen schon drastischere Mittel her: Yu Kui droht damit, sich anzuzünden und erhält den Zuschlag. Heili ist da etwas zurückhaltender. Vielleicht ist auch das der Grund, warum Hu Gefallen an ihr findet und beide eine Affäre beginnen. Doch plötzlich ist sie schwanger … von Hu als zeugungsunfähigem Mann! Und sie hasst ihn. Nichts mehr mit Leidenschaft. Nun ist es auch für Hus Frau genug. Sie will die Scheidung und zieht zu einem Freund, der sie wenigstens achtet. Und Hu steht alleine da …

Ganz am Anfang denkt man, Hu müsste einem Leid tun: die verbitterte Alte zu Hause, die Wohnungsklüngeleien auf Arbeit. Aber gerade was die Ehe angeht, hat man (oder vielleicht eher frau) je weiter man liest, immer mehr das Gefühl, dass die Frau zu bemitleiden ist. Angeblich ließe sich gegen Hus Unfruchtbarkeit etwas tun. Warum er das nicht möchte, wird nicht erklärt.
Als positiv beziehungsgeprägte Leserin fragt man sich, warum, und überhaupt, wie es sein kann, dass man sich so wenig Mühe miteinander gibt. Irgendwie geschehen die Fehlschläge Herrn Hu dann ganz Recht.

Die Gesellschaft Chinas lässt sich anhand des Buches manchmal nur schwer verstehen. Man würde nicht denken, dass das Buch Mitte der 90er spielt, eher vielleicht in den 60ern, es wirkt alles etwas veraltet. So zum Beispiel auch das Frauenbild, das gab es gerne mal weibliche Desserts nach dem Essen. Das Wohnungsvergabesystem existierte übrigens von Republiksgründung 1949 bis Ende der 90er, Wohnungen wurden als soziale Leistungen zugeteilt.

Das Buch an sich ist trotz allem recht unterhaltsam, manchmal machen es nur die Namen etwas anstrengend: Herr Hu, Herr Lu, Frau Wu, Herr Yu usw. Wenn man sich davon nicht verwirren lässt, hat man einen amüsanten kleinen Schmöker.

Kristina

Autor: Feng Li
Buchtitel:
Ein vermeintlicher Herr
Übersetzung:
Aus dem Chinesischen von Ulrich Kautz
Verlag:
OSTASIEN Verlag

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