Weise Worte im dekorativen Design

© Foto: Georgia, 2019

Seit vielen Jahren möchte ich Die Kunst des Krieges lesen, habe mich aber lange nicht getraut. Mit 19 Jahren las ich Machiavellis Der Fürst und dachte beides ist ähnlich anstrengend zu verarbeiten. So war ich absolut begeistert, als ich bei meiner Recherche für unseren aktuellen Ländermonat über eine Graphic Novel zu The Art of War stieß. Mit Bildern ist doch alles leichter zu verstehen und die Tatsache, dass es in Englisch geschrieben ist, war ein weiterer Pluspunkt. Ich sollte Recht behalten: An einem Samstagnachmittag tauchte ich in die Mechanismen der Kriegsführung ein und wurde von anschaulich gezeichneten Panels begleitet.

Sun Tzu oder auch Sunzi war ein General, Militärstratege und Philosoph, der etwa 500 v. Chr. in China lebte. In seinem Werk The Art of War stellte er 13 Gebote auf, nach denen sich jeder General richten soll, um den Sieg in einem Krieg zu erlangen. Bis heute ist es eines der bedeutendsten Werke zum Thema Strategie und nicht nur eine wichtige Lektüre im Militärbereich, sondern auch für Manager, Anwälte und Mannschaftstrainer. Sun Tzu geht auf sämtliche Aspekte eines Krieges ein: den General selbst, die eigene Armee, den feindlichen General und dessen Truppen, das Terrain, verschiedene Taktiken und Manöver. Die dazugehörigen Gebote und Thesen formuliert Sun Tzu kurz, klar und auf den Punkt gebracht (lieber Machiavelli, du darfst dich einmal im Grabe umdrehen, denn daran hättest du dir ein Beispiel nehmen sollen). Während er sich hier zwar gern mal wiederholt, verliert er sich nie in ausschweifenden Begründungen. Es ist einfach seinen Gedankengängen zu folgen. Ohne das Original zu kennen, kommt mir die englische Übersetzung sehr gut vor und ich konnte alles verstehen. Besonders gefällt mir, dass es keine Kriegsverherrlichung gibt. Laut Sun Tzu sollten Krieg und Kampf immer vermieden werden. Wenn das nicht möglich ist, gilt es einen schnellen Sieg zu erlangen. Ein ganzes Kapitel beschäftigt sich mit den Kosten eines Krieges. Hier wird nicht nur über Geld gesprochen, sondern auch über die Leben, die auf dem Schlachtfeld sowie in der Heimat durch Hunger und andere Notstände ausgehaucht werden. Ein schneller Sieg bedeutet jedoch nicht, dass unüberlegt gehandelt werden soll. Ein guter und erfolgreicher General hat alle Aspekte im Vorfeld berücksichtigt und durchgespielt, hat Ausweichpläne parat, so dass er siegesgewiss ist bevor er den ersten Zug überhaupt tätigt. Ein weiterer Punkt, der mir gefällt: Intelligenz und Besonnenheit werden in The Art of War gepriesen, während Temperament im Sinne von Jähzorn und Leichtsinn, falscher Stolz und Feigheit verpönt werden, sind sie doch die Merkmale eines Generals, dem die Niederlage gewiss ist. So soll auch sein oberstes Bestreben nicht Ruhm sein, sondern der Schutz seines Landes.

Um die Thesen lebendiger zu gestalten baut sie der Autor und Illustrator Pete Katz in eine kleine Geschichte ein. Ein pensionierter, chinesischer General lehrt seinen Schüler die dreizehn Gebote und beide analysieren diese. Es kommt auch zu Ereignissen in der Geschichte, bei denen sowohl Meister als auch Schüler Sun Tzus Lehren anwenden. Die Comicpanels sind meist schön groß und auch klar gehalten. Die Zeichnungen sind detailliert, aber nicht überfüllt und es wird mit kräftigen Farben gearbeitet, was den Bezug zu China verstärkt. Überhaupt ist die Graphic Novel unglaublich schön: Das Hardcoverbuch ist regulär geleimt, aber zeitgleich gelocht und mit einem Faden verbunden. Es bekommt definitiv einen Ehrenplatz im Regal. Auch der Inhalt wird mich noch beschäftigen und endlich kann ich sagen: „Also in Der Kunst des Krieges heißt es…“

Damit endet unser Ländermonat rund um China. In einer weiteren Graphic Novel wurden wir durch drei Geschichten mit Vorurteilen sowie Ausgrenzung konfrontiert und zum Nachdenken bewegt. Wir begleiteten das Leben eines armen Bauern und lernten durch ihn China zu Beginn des 20. Jahrhunderts kennen. Im Laufe des 20. Jahrhunderts begegnen uns zwei verfeindete Männer, deren Werte in Form von Kommunismus und Kapitalismus aufeinandertreffen. Weiter voran geht es in die 90er Jahre, wo wir einem Mann dabei erleben, wie er sein Liebesleben verpfuscht und verzweifelt auf eine Wohnung hofft. Schließlich wurden wir in eine Dystopie entführt und erlebten mit einer jungen Frau den Mars im Jahre 2096. Wenn das nicht mal ein Rundumschwung war. Wohin uns unser nächster Weltenbummler-Monat im Januar verschlägt? Lasst euch überraschen.

Georgia

Autor: Sun Tzu, Pete Katz
Illustrator: Pete Katz
Buchtitel: The Art of War – A Graphic Novel
Verlag: Canterbury Classics

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