Rettet die Metro

© Foto: Ilke, 2019

Vor drei Jahren begeisterte mich der Roman Metro 2033 von Dmitry Glukhovsky. Seit Erscheinen dieses Romans entstand ein ganzes Universum, an dem verschiedene Autoren mitgewirkt haben. Einer davon ist Sergej Moskwin, dessen Roman In die Sonne mir bei einem Bibliotheksbesuch in die Hände fiel.

Wir befinden uns in der Metrostation Roschtscha der Stadt Nowosibirsk. Sie gehört zu den eher friedlichen Stationen des Metrosystems und genießt aufgrund verschiedener Handelsabkommen eine funktionierende Stromversorgung. Im Gegenzug beschützen sie die angrenzende Station Marschalskaja vor den Gefahren, die in den Tunneln lauern. Sergej ist Sohn des Oberst und gerade selbst in militärischer Ausbildung. Auf einem Patrouillengang mit seinem Kumpel Dron entdeckt er eines Tages eine unbekannte junge Frau, die sich als Diebin herausstellt. Dies gilt als eines der schlimmsten Verbrechen und nur mit Mühe kann er den Lynchmord an ihr verhindern. Dennoch wird sie zum Tode verurteilt, erhält jedoch eine Chance auf Begnadigung. Kurz zuvor kam es zu einem Stromausfall, die genaue Ursache konnte nicht geklärt werden, jedoch wurde die Station Marschalskaja verlassen und überwuchert von schwarzen Spinnweben vorgefunden. In der Hoffnung, weitere Informationen über die Vorkommnisse auf der Station zu erhalten, wird beschlossen, das Logbuch des Oberst aus dessen Safe zu holen. Sergej schlägt die Diebin Polina vor und sich selbst als deren Aufpasser. So machen sich die beiden auf den gefährlichen Weg zur Station, ohne zu ahnen, was sie erwarten wird und dass bald das Schicksal der gesamten Metro auf ihren Schultern lastet. Ein Weg an die Oberfläche ist dabei unumgänglich.

Wie bei Metro 2033 war ich sofort in der Handlung drin und von der dichten Atmosphäre gepackt. Als würde man ein einen vertrauten Ort zurückkehren. Der Beginn ist noch etwas langsam, doch schnell nehmen die Ereignisse Fahrt auf und die Protagonisten erhalten kaum Zeit, um Luft zu holen. Sie treffen auf verschiedene Stationen, erhalten Verbündete und Feinde. Sergej und Polina sind zu Beginn sehr gegensätzliche Charaktere. Sergej hat mich manchmal genervt, man sollte meinen, der Sohn des Oberst wäre nicht so naiv und dusselig. Andererseits scheint er der Einzige seiner Station zu sein, der Mitgefühl und Gerechtigkeitssinn besitzt, das machte ihn wiederum sympatisch. Am seltsamsten fand ich, dass er die Ereignisse stoisch hinzunehmen scheint. Innerhalb kurzer Zeit erfährt er Verrat, Verlust, Gewalt, trifft auf eine Gefahr, die die Welt zu verschlingen droht, und überhaupt wird sein Weltbild mehrfach erschüttert. Nur bei einem bestimmten Ereignis werden seine Gefühle und Verzweiflung offenbart. Polina hingegen hatte bereits viele schlimme Dinge erlebt und ist sehr abgestumpft und egoistisch und muss Vertrauen erst wieder lernen. Beide wachsen an ihren Aufgaben und entwickeln sich weiter, werden reifer bzw. erwachsener.

Ich habe es sehr genossen, den Roman zu lesen. Einige Punkte haben mich allerdings geärgert. Der Zufall war hier für meinen Geschmack etwas zu häufig am Werk. Am meisten hat mich jedoch gestört, dass diverse Andeutungen nicht weiter verfolgt wurden. Falls jemand von euch herausfinden konnte, wer der geheimnisvolle Helfer an der Oberfläche war, lasst es mich bitte wissen.

Ilke

Autor: Sergej Moskwin
Buchtitel: In die Sonne
Übersetzung: aus dem Russischen von Matthias Dondl
Verlag: Heyne

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