Kleine blaue Knöppis für alle!

© Foto: Katrin, 2019

Wenn es draußen kälter wird, habe ich immer wieder mal Lust auf neue Brettspiele. Es gibt nur wenige, die sich zu zweit richtig gut spielen lassen. Kurzweilig soll es sein und trotzdem nicht zu glücksbasiert. Ein gewisser Taktik-Anteil ist gern gesehen, doch total das Hirn verbiegen möchte ich mir auch wieder nicht. Außerdem schätze ich schön gearbeitetes Spielmaterial, denn eine angenehme Haptik bereitet mir einfach Freude. Mit Patchwork habe ich meiner Meinung nach einen guten Griff getan, denn es bietet mir all das. Ihr wolltet schon immer eure eigene Flickendecke gestalten? Hier ist die Gelegenheit dazu!

Das Spielprinzip ist einfach: Jeder Spieler bekommt einen Ablageplan und versucht, mithilfe von Tetris-ähnlichen Flicken seine eigene Patchwork-Decke zu vollenden. Jeder Flicken kostet Zeit und in der Regel Knöpfe aus dem eigenen Vorrat. Sind beide Zeitsteine im Ziel angelangt, wird der Gewinner gekürt. Es zählt, wer am Ende die meisten Knöpfe erspielt hat. Doch Vorsicht: Löcher in der Patchworkdecke sorgen für Minuspunkte. Die zu vermeiden ist gar nicht so einfach, denn die 33 Flicken haben völlig verschiedene Formen und Größen. Manche haben sogar aufgenähte Knöpfe, die für zusätzliches Einkommen sorgen können. Allerdings lassen sie sich nicht frei wählen. Lohnt es sich eher, einen teuren Flicken gegen Knöpfe einzutauschen? Oder doch lieber den günstigen nehmen und auf einen zweiten Zug spekulieren?  Was auf den ersten Blick so leicht wirkt, hat eben seine Tücken. Schließlich will auch der Gegner seine Decke möglichst schnell und lückenlos zusammennähen.

Wie wird gespielt?

Zur Spielvorbereitung werden alle 33 Flicken nach dem Zufallsprinzip in einem Kreis um den zentralen Zeitplan gruppiert. Die Auswahlfigur steht zwischen dem kleinsten Flicken und dem im Uhrzeigersinn folgenden. Die Spieler platzieren ihre Zeitsteine am Start des Zeitplans und erhalten je fünf Knöpfe als Währung. Zusätzlich werden fünf Einzelflicken auf dem Plan platziert und das 7×7-Sonderplättchen bereit gelegt. Schafft es ein Spieler, diese Fläche auf seinem Ablageplan lückenlos mit Flicken zu bestücken, erhält er am Ende sieben zusätzlice Knöpfe. Wer als letzter eine Nähnadel in der Hand hatte, beginnt.

Wählen kann der Spieler zwischen zwei Optionen: Vorrücken und Knöpfe erhalten oder einen Flicken nehmen und einfügen. Wer hinten liegt, darf seine Figur genau um ein Feld vor den Gegner rücken. Für jedes dabei zurückgelegte Feld erhält der Spieler einen Knopf. Das kann nützlich sein, wenn man keine Knöpfe mehr besitzt oder auf diese Weise dafür sorgen möchte, dass der Gegner mit den nächsten Flicken nichts anfangen kann. Denn bei der zweiten Option wird ein Flicken ausgewählt und frei auf dem eigenen Ablageplan platziert. Wählen darf man zwischen den drei Flicken, die direkt nach der Auswahlfigur stehen. Dafür setzt man die Figur vor das passende Stoffstück, nimmt es und legt es an Ort und Stelle. Dort bleibt er dann auch. Auf dem Etikett jedes Flickens ist sein Wert angegeben. Die abgebildeten Knöpfe werden für den Flicken bezahlt, die Sanduhr zeigt die Anzahl der Schritte, die nach Platzieren des Flickens auf dem Zeitplan zurückzulegen sind.

Beim Bewegen des eigenen Zeitsteins auf dem Plan können zwei Sonderfelder überquert werden, die strategisch nicht zu unterschätzen sind. Zieht man über den Lederflicken, erhält man ein Plättchen mit dem sich einzelne leere Felder auf dem Ablageplan füllen lassen. Wird ein Knopf überquert, erhält der Spieler neues Einkommen entsprechend der Summe der Knöpfe, die auf den Flicken seiner Decke abgebildet sind. Bloß gut, denn neuer Stoff ist oft sehr teuer! Besonders witzig finde ich, dass man mit etwas Geschick, Glück und genügend blauen Knöpfen mehrere Züge auf einmal durchführen kann. Solange der agierende Spieler auf dem Zeitplan hinter dem Gegner bleibt oder gleichzieht, kann nämlich eine weitere Aktion ausgeführt werden. Mit etwas Dusel lassen sich beispielsweise erst zwei Flicken ergattern und danach eine Knopf-Wertung auslösen, um so im nächsten Zug wieder liquide zu sein.

King of Knopf

In dem Spiel dreht sich alles um die kleinen blauen Knöpfe. Sie werden zum einen gebraucht, um Flicken zu erwerben und so den eigenen Spielplan zu füllen. Zum anderen sollen am Ende genügend Knöpfe übrig bleiben, um als Gewinner dazustehen. Ums Beobachten des Gegenspielers kommt man also nicht herum. Wie viele Löcher hat meine Decke noch, wie sieht es beim anderen aus? Das kann (wie ich aus eigener leidvoller Erfahrung weiß) spielentscheidend sein, denn jedes freie Feld bedeutet zum Schluss zwei Minuspunkte! Einmal war ich derart darauf fixiert, die sieben Extra-Knöpfe durch ein perfektes Deckenquadrat von 7×7 Feldern abzugreifen, dass ich gar nicht bemerkte, was Ilke so trieb. Am Ende hatte ich sogar alle fünf Lederflicken ergattert – und verlor. Ihre Patchworkdecke war eben trotz der kleinen Löcher einfach größer! Bitter, bitter …

Genau das macht für mich aber die Stärke des Spiels aus. Die unterschiedliche Reihenfolge der Flicken sorgt für den Glücksfaktor. Trotzdem kann und muss man ständig abwägen, was das Gegenüber vorhat, wann ich neue Knöpfe bekomme und welche der folgenden Teile überhaupt noch passen. Dadurch vergehen die gut 30 Minuten Spielzeit wie im Fluge! Ich weiß schon jetzt, dass Patchwork diesen Winter immer wieder mal aus der Spielekiste geholt wird. Möge euer Knopfvorrat nie zur Neige gehen.

Katrin

Autor: Uwe Rosenberg
Spieltitel: Patchwork
Altersempfehlung: für Spieler ab 8 Jahren
Verlag: Lookout Spiele

10 Gedanken zu “Kleine blaue Knöppis für alle!

  1. moopenheimer schreibt:

    Patchwork ist ein kleines feines Spiel. Wenn du es magst, kannst du Uwe Rosenbergs Folgespiele Cottage Garden und Indian Summer ausprobieren. Das Spielprinzip mit den Tetristeilen ist gleich, aber es gibt noch einige Kniffe.

    Weitere schöne 2-Personen-Spiele sind Onitama, Okiya, Hanamikoji oder Shanghaien. Schau mal hier: spiele-offensive.de

    • Katrin schreibt:

      Vielen Dank für die Tipps. 🙂 Hanamikoji besitze ich selbst und finde es vom Spielprinzip interessant, da etwas sperrig. Cottage Garden und Indian Summer sehen mir tatsächlich auf den ersten Blick etwas zu ähnlich aus. Shanghaien klingt aber extrem witzig und bissl fies. Das kann ich mir auf Anhieb gut vorstellen.

    • jaytiii schreibt:

      Indian Summer habe ich und es ist für mich aufgrund der Optik ein totales Wohlfühlspiel, ist auch zu Zweit sehr gut spielbar. Cottage Garden und Spring Meadow reizen mich dagegen nicht so sehr. Patchwork habe ich bisher leider noch nicht gespielt. Beide Spiele mal vergleichen zu können ist sicher interessant.

      • Katrin schreibt:

        Die Optik finde ich tatsächlich auch wichtig. Und wie sich das Spielmaterial anfühlt. Am wichtigsten ist, dass es nicht so schnell langweilig wird. Bei Patchwork stimmt das bisher ganz gut. Ist wunderbar für Zwischendrin.

  2. Vanessa schreibt:

    Ah, Patchwork, ich mag diese Puzzle-Spiele 🙂 Auch schön in diese Richtung: Second Chance.
    Und hier noch eine Stimme für Cottage Garden.

      • Vanessa schreibt:

        Wenn’s was Kleineres sein soll, vielleicht eher mit Second Chance anfangen. 😉
        Und völlig unabhängig von diesem Tetris-Puzzeln könnte ich mir für euch in Leipzig Team3 herrlich vorstellen.

      • Katrin schreibt:

        Das klingt total verrückt. Aber da muss man sich schon ganz gut verstehen und ausdrücken können, sonst ist das ja wie bei Stille Post. Probieren würde ich das schon mal, das stimmt.

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