Oh, Nathaviel, beantworte mir eine Frage!

© Foto: Ilke, 2019

Ich liebe Fantasy, Bücher und Drachen. Welch ein Glück, dass der neue Roman von Walter Moers all das vereinigt. Zudem gibt es ein Wiedersehen mit dem großartigen zamonischen Schriftsteller Hildegunst von Mythenmetz und den kleinen knuffigen Buchlingen. Auf geht’s in ein neues Abenteuer.

Hildegunst erzählt uns zunächst von seinem Traum bzw. einem Traum in einem Traum, in dem er in ein Buch gezogen und dort seinem buchlingschen Ebenbild Hildegunst Zwei begegnet. Dieser hat die Werke von Mythenmetz auswendig gelernt und möchte selbst eine Geschichte erzählen, weiß aber nicht so ganz wie. Der Autor bestärkt ihn, einfach loszulegen und so berichtet der Buchling haargenau von seiner Begegnung mit dem legendären Bücherdrachen, der im Ormsumpf wohnen soll, tief in den Eingeweiden der Katakomben von Buchhaim. Eigentlich dachte Hildegunst Zwei, dass es sich bei dem Drachen nur um einen Mythos handelt. Doch seine Mitschüler Estrakos, Arkaneon, Eliastrotes, Eideprius, Steraphasion und Klosophes (na, wer erkennt die Anagramme?) erzählen ihm, dass es den Drachen tatsächlich gibt. Mehr noch, sie gehören einer Geheimgesellschaft an und wollen Hildegunst Zwei aufnehmen, wenn er die Prüfung besteht: den Drachen aufzusuchen und ihm eine Frage zu stellen. Mit mulmigem Gefühl macht sich der Buchling auf in den Teil der Katakomben, der kaum von Buchlingen betreten wurde und in dem viele unbekannte Gefahren lauern. Nach einiger Zeit trifft er tatsächlich auf den Drachen Nathaviel, dessen Schuppenkleid vollständig aus ormgetränkten Büchern besteht. Dieser hatte seit einiger Zeit keine ansprechende Gesellschaft mehr und fühlt sich bemüßigt, dem kleinen Buchling seine Geschichte zu erzählen, während er ihn jedoch langsam einkesselt. Was sind die Motive des Drachen und ist er vielleicht die größte Gefahr des Ormsumpfes?

Ich hatte mich schon lange auf den Roman gefreut und begann mit riesiger Vorfreude zu lesen. Die Geschichte ist eingebettet in einen Comic, in dem Hildegunst davon erzählt, dass er einen Traum hatte. Der Traum selbst, also die Gespräche zwischen Hildegunst und Hildegunst Zwei bzw. dem Buchling und dem Drachen ist dagegen im Fließtext geschrieben. Das hat mir sehr gut gefallen und sorgte für Abwechslung. Der Roman ist gespickt von Illustrationen, die Walter Moers wieder selbst angefertigt hat. Die des Drachen Nathaviel, die sich über mehrere Seiten erstreckt, fand ich besonders schön und beeindruckend. Das Cover ist ebenfalls sehr schön gestaltet.

Die Geschichte selbst hat mir gefallen und auch die Beschreibung des Sumpfes und deren Wesen fand ich toll. Dennoch war ich enttäuscht. Ich merkte, dass ich beim Lesen nicht so viel Spaß hatte, wie bei früheren Werken von Moers. Der Bücherdrache hat meiner Meinung nach zu wenig von dem, was Moers für mich ausmacht: zu wenig fantastische Wesen, zu wenig Abenteuer, zu wenig feinsinnigen Humor, zu wenig Seiten. Am Ende des Buches bleiben viele Fragen, es könnte noch so viel erzählt werden. Der Roman wirkt auf mich unfertig, als hätte ich nur einige Kapitel eines großen Werkes zu lesen bekommen. Sogar Moers selbst greift dies auf und deutet an, dass die Geschichte möglicherweise hier erst richtig anfange. Vielleicht kann ich also in einigen Jahren mehr von Hildegunst Zwei und Nathaviel lesen. Ich wünschte nur, ich müsste nicht so lange darauf warten. Zuvor wird erst einmal Die Insel der 1000 Leuchttürme erscheinen, dessen Leseprobe man am Schluss des Buches erhält.

Ilke

Autor: Walter Moers
Buchtitel: Der Bücherdrache
Verlag: Penguin Verlag

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