Manche nennen es Derry

© Bild: IMDb, 2019

Als Irland für den Weltenbummler-Monat auserkoren wurde, war ich zunächst unschlüssig. Mir lief wirklich kein Thema über den Weg, das mich interessierte. Mein Leid habe ich natürlich in die Runde geklagt. „Hast du nicht so begeistert von Derry Girls erzählt?“, kam da prompt zurück. Wie dumm von mir das zu übersehen! Man sollte schließlich jede Gelegenheit nutzen, dieser nordirischen Serie zu mehr Fans zu verhelfen.

Die besten Freundinnen Erin, Clare, Michelle und Orla besuchen gemeinsam eine katholische Schule in der nordirischen Stadt Derry. Es ist der Beginn der 90er Jahre und der Nordirlandkonflikt gehört genauso zum Alltag der Mädchen, wie ihre Teenagerprobleme. Da wird dem coolen Schwarm hinterhergeschmachtet, kurz vor der Prüfung gepaukt und Pläne geschmiedet, um das Geld für die Klassenreise zusammenzubekommen. Dann zieht plötzlich Michelles Cousin James in die Stadt und wird kurzerhand mit in die Mädchenschule der Gruppe geschickt. Aus Sicherheitsgründen, denn schließlich hat er die schlechte Angewohnheit Engländer zu sein.

Derry Girls ist eine Komödie, die es in sich hat! Hier werden witzige, spritzige Dialoge so wunderbar mit schräger Situationskomik verbunden, dass ich mehrfach Lachanfälle bekommen habe. Dabei spielt der Schauplatz der Serie für einzigartigen Konstellationen, in denen sich die Jugendlichen wiederfinden, immer eine große Rolle. Da kommen die Eltern zu spät für die Standpauke der Kinder bei der Schuldirektorin, weil sie wegen einer Bombe eine Umleitung fahren mussten oder die Mädchen streiten sich bei der Gruppenbildung im Friedensprojekt prompt darum, wer nun einen ganzen Protestanten haben kann und wer seinen teilen muss.

Das Ganze ist ausgezeichnet verwoben mit typischen Problemen des Erwachsenwerdens. Erin verknallt sich in den gutausehenden Priester, Michelle muss beim Rangeln um die Sitzplätze im Bus einen Rückzieher machen, Clare scheitert an selbstauferlegten Hürden, Orla lebt sowieso in ihrer eigenen Welt und James muss ständig bekräftigen nicht homosexuell zu sein. Alle diese Figuren sind fehlbar und trotz einiger unsympathischer Eigenschaften doch nahbar. Zu ihnen gesellen sich weniger ausgefeilte, aber darum teilweise um so lustigere Nebencharaktere, wie Erins Familie mit ihrer resoluten Mutter und die großartig miesepetrige Sister Michael. Das die Pointen landen und die Figuren trotzdem glaubhaft sind, liegt vor allem an der tollen Besetzung. Hier stimmt die Chemie.

Derry Girls transportiert Zuschauer aber nicht nur zurück in die eigene Teenagerzeit. Wer sich in den 90ern zu Hause fühlt, bekommt gerade mit der Musik einen ordentlichen Schuss Nostalgie serviert. Besonders hervorzuheben sind allerdings die irischen Akzente, mit denen die Schauspieler meisterhaft umgehen. Jedem sei geraten, zumindest einmal in die Originalfassung hineinzulauschen, allein um das zu erleben. Höchstwahrscheinlich wird man selbst mit sehr gutem Englisch die Serie nicht vollständig im Original schauen können, doch den Versuch ist es wert. Sonst ist klar, was zu tun ist: Zweimal gucken!

Bettina

Erschaffen von: Lisa McGee
Serientitel: Derry Girls
Ausgestrahlt: seit 2018

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