Willkommen bei Antares!

© Foto: Ilke, 2020

Um das kooperative Brettspiel Detective schlich ich schon eine Weile lang herum. Zu Silvester beschlossen mein Freund und ich endlich Nägel mit Köpfen zu machen, das Spiel zu kaufen und damit den Nachmittag zu verbringen. So schlüpften wir in die Rollen von Agenten der supermodernen und hochtechnisierten Ermittlungsbehörde Antares. Ziel des Spiels ist es, verschiedene Kriminalfälle zu lösen und deren Zusammenhänge zu erkennen.

Das Spielmaterial

Zunächst muss allerdings erst einmal die Hürde des Verstehens genommen werden, sozusagen als erste Prüfung, ob man überhaupt als Ermittler für Antares taugt. Man bekommt eine 16-seitige Spielanleitung, eine Erklärung der Antares-Datenbank sowie ein Fallbuch vorgesetzt. Zusätzlich muss sich ein Spieler online in die Datenbank einloggen; viele wichtige Informationen findet man nur dort.

Detective ist für bis zu fünf Personen ausgelegt. Jeder Spieler wählt einen vorgefertigten Ermittler, von denen jeder unterschiedliche Talente und Fertigkeiten besitzt. Nicht eingesetzte Agenten stehen als Berater zur Verfügung. Zu Beginn eines Falles erhält man eine dem Ermittlerteam entsprechende Anzahl von Fertigkeitsplättchen, die während der Ermittlung geschickt genutzt werden müssen, beispielsweise für tiefergehende Recherche oder die Befragung von Verdächtigen. Außerdem bekommt man Behörden-Plättchen, die für das Ansehen des Teams innerhalb von Antares stehen und für weitergehende Spuren oder Überzeugungen eingesetzt werden können. Auf dem Spielbrett werden mögliche Ermittlungs-Orte angezeigt, zudem ist die Tages- und Uhrzeitleiste ersichtlich. Holzmarker helfen dabei anzuzeigen, an welchem Tag, zu welcher Uhrzeit und an welchem Ort das Team gerade aktiv ist. Weiterhin gibt es Stressplättchen, die Überstunden anzeigen, Plättchen für verbrauchte Talente und  Spezialplättchen für besondere Ereignisse. Um einen besseren Überblick über auftauchende Personen/Verdächtige zu haben, sind außerdem Fotos aus den Akten beigelegt. Für jeden zu lösenden Fall gibt es außerdem noch ein Kartendeck. Uff.

Spielablauf

Hat man sich einen Überblick über die Materialien und die Funktionsweise der Datenbank und Spielmechanik verschafft, seine Ermittler ausgewählt und sich die benötigten Plättchen in den Vorrat gelegt, kann es losgehen. Eine Spielrunde besteht aus dem Lösen eines Falles, insgesamt gibt es fünf. Dafür liest man die Einleitung im Fallbuch und erhält dort erste Spuren. Hat sich das Team für eine Spur entschieden, die es verfolgen möchte, zieht ein Spieler die jeweilige Karte aus dem Deck und folgt den Anweisungen. Anschließend können sich die Ermittler entscheiden, ob sie der Spur weiter folgen wollen oder eine andere auswählen. Manchmal findet man sich auch in einer Sackgasse wieder. Jedes Kartendeck ist sehr umfangreich, es ist allerdings nicht vorgesehen, alle Karten aufzudecken. Jedes Deck enthält zusätzlich spezielle Informationen, die einen anderen Fall betreffen.

Zur Lösung des aktuellen Falles steht dem Team nur eine begrenzte Zeit zur Verfügung, die zwischen ein und sechs Tagen variiert. Ein Arbeitstag geht von 8 bis 16 Uhr, darüber hinaus können Überstunden geschoben werden. Außer der Recherche in der Datenbank und im Internet kostet jede Aktion Zeit, sei es die Verfolgung von Spuren, die Befragung von Verdächtigen oder ein Ortswechsel. Wie lange eine Aktion dauert steht auf der jeweiligen Karte. Somit muss jeder Schritt sorgsam geplant und durchdacht werden. Möchten wir in die Tiefe oder Breite gehen? Hilft uns dieser Schritt weiter? Benötigen wir wirklich jene Analyse? Ist es notwendig, diese Person zu befragen, wie könnte uns das weiterbringen? Am Ende des letzten Tages wird das Team aufgefordert, einen Abschlussbericht zu schreiben. Hierbei müssen fallspezifische Fragen in der Datenbank beantwortet werden. Für jede richtige Antwort erhält man Punkte, für jede falsche Antwort und für die Anzahl der Stressplättchen/Überstunden werden Punkte abgezogen. Hat man am Ende eine bestimmte Punktzahl erreicht gilt der Fall als gelöst.

© Foto: Ilke, 2020

Um den Überblick zu bewahren ist es unumgänglich, eigene Notizen anzufertigen. Krimifilmtypisch haben wir jede auftauchende Person mit Merkmalen und Informationen auf einen eigenen Zettel geschrieben, zudem noch Timelines und Spurenzettel angefertigt und auf eine Pinnwand bzw. den Boden platziert. Die Personen und Organisationen können so ganz gut in Verbindung untereinander gebracht werden. Folglich benötigt man zum spielen viel Platz. Die Spielzeit beträgt laut Herstellerangabe zwei bis drei Stunden, wir haben zumeist vier bis sechs Stunden gebraucht. Da alle Fälle miteinander verknüpft sind und jede auftauchende Information für einen anderen Fall entscheidend sein kann ist es empfehlenswert, nicht all zu viel Zeit zwischen den Spielrunden vergehen zu lassen.

Fazit

Um Detective gut spielen zu können sollte man sich Zeit nehmen und kognitiv nicht zu ausgelaugt sein, da es Konzentration und Engagement erfordert. Wenn man sich darauf einlässt, erhält man ein immersives und spannendes Spielerlebnis. Großartig finde ich die Nutzung der Datenbank, in der man nicht nur Informationen zu den Verdächtigen/wichtigen Personen findet, sondern auch Verhörprotokolle, Akten und die Möglichkeit des DNA- und Fingerabdruckabgleiches. Sollte die Datenbank irgendwann abgeschaltet werden oder hat man gerade keinen Internetzugang ist Detective jedoch unspielbar. Da man unmöglich jeder Spur nachgehen kann ist es wichtig, im Team zu entscheiden, welcher Schritt als nächstes unternommen wird. Man diskutiert und analysiert gemeinsam alle neuen Erkenntnisse. Es gibt keine Lösungskarte, man muss eigene Schlüsse ziehen und Verbindungen erkennen. Jeder kann seine eigenen Sichtweisen einbringen und somit für das Team neue Perspektiven eröffnen. Je nachdem, wie weit man sich darauf einlässt, kann man sogar ins Rollenspiel abtauchen und Mitspielern einzelne Funktionen zuweisen, sodass es z.B. einen Protokollführer gibt, einen Hacker und einen Erzähler. Somit hat der Autor Recht wenn er schreibt: „Du spielst keinen Ermittler – du BIST ein Ermittler.“

Ilke

Autoren: Ignacy Trzewiczek, Przemyslaw Rymer, Jakub Lapot
Titel: Detective
Verlag: Pegasus Spiele

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