Die weite Reise zum Berg in der Ferne

© Foto: Katrin, 2020

Da ich seit Neuestem einen halbwegs vernünftigen Gaming-Rechner  mein Eigen nenne, bin ich momentan ein wenig der Welt der PC-Spiele verfallen. Ein erstes Point-and-Click (ihr erinnert euch an Thimbleweed Park?) und den Erwerb eines Controllers später, habe ich mir im Epic -Sale ein Spiel gekauft, dessen Optik mich spontan ansprach. So landete Journey auf meiner Liste, das erstmals 2012 für Playstation erschienen ist.

Nach dem Starten des Spiels finde ich ein äußerst aufgeräumtes Menü vor, das mich direkt zum Beginn des Abenteuers auffordert. Ehe ich es mich versehe, stehe ich inmitten einer Wüste. Der Sand glitzert im Schein der Sonne, die gerade hinter den Dünen aufgeht. Seltsame kleine Steinpfosten ragen überall aus dem Sand und plötzlich scheint eine glitzernde Sternschnuppe vom Himmel zu fallen. Gemeinsam mit ihr rast die Kamera die Dünen entlang, bis sich nach einem letzten Rundum-Schwenk meine Figur aus dem Sand erhebt. Gewandet in eine rote Robe, blickt sie mit leuchtenden Augen zu einem Hügel ganz in der Nähe. Dort scheinen an zwei Säulen Stoffbanner im Wind zu flattern. Geblendet vom Sonnenlicht laufe ich los und hoffe, dass ich von dort aus den weiteren Weg erkennen kann. Auf dem Hügel angekommen, erhebt sich weit in der Ferne vor mir ein mächtiger Berg. Seiner Mitte entströmt ein gleißendes Licht, das in den Himmel schießt. Dahin also wird meine Reise im Laufe des Spiels gehen. Sie hat gerade erst begonnen.

Die Steuerung ist denkbar einfach, denn der Spieler bewegt sich einfach laufend, rennend oder gleitend  durch die Welt. Ansonsten kann er durch Tastendruck gerade mal zwei weitere Aktionen ausführen: eine Art Gleitflug sowie einen wortlosen Ruf. Viel mehr möchte ich auch gar nicht verraten, denn mir hat es wirklich Spaß gemacht, diese Welt und meine eigenen Möglichkeiten selbst zu entdecken. Überall gibt es Objekte zu sammeln, alte Ruinen und Geheimnisse zu erforschen und magische Tore zu durchschreiten. Mal ist die Umgebung hell, frei und weit, dann rast und gleitet man durch stimmungsvoll beleuchtete Ruinen, ohne anhalten zu können oder findet sich im düsteren, scheinbar verlassenen Untergrund wieder, der den Pfad nicht ohne Weiteres erkennen lässt.

Jedes neue Kapitel wird eingeleitet durch einen Rückblick auf die Vergangenheit und einen Ausblick auf den kommenden Wegabschnitt. Irgendwie hatte ich dabei das Gefühl, es könne sich um eine Prophezeihung handeln, die in wuchernden Piktogrammen meine eigentliche Aufgabe erklärt. Wer sind die übergroßen, weiß gewandeten Figuren, denen ich dort begegne: irgendwelche Götter oder doch meine Ahnen? Letztendlich lassen diese kleinen Zwischensequenzen genau wie das Spiel selbst mehr als genug Raum für die eigene Interpretation. Zumindest scheint es sich bei den Ruinen in der Wüste und in den Katakomben um die Überreste einer verschwundenen Zivilisation zu handeln.

Irgendwann im zweiten Drittel des Spiels erschien wie aus dem Nichts eine weitere Figur, die mich einen Teil des nächsten Kapitels begleitete und plötzlich spurlos wieder verschwand. Erst im Nachhinein konnte ich mir einen Reim darauf machen, denn bei bestehender Internetverbindung kann man auf einen weiteren Spieler treffen, der gerade online ist. Dieser etwas schräge, anonyme Kooperationsmodus ermöglicht es, den Weg zusammen zu gehen und sich gegenseitig zu helfen. Nur über die wortlosen Rufe können beide kommunizieren, doch immerhin ist es anhand der Runen auf den Gewändern möglich zu erkennen, ob man den anderen Reisenden bereits früher getroffen hat.

Die tiefere Bedeutung des Spiels hat offenbar viele Menschen sehr beschäftigt und zu diversen Spekulationen veranlasst. Mich wundert das nicht, denn auch ich hätte nach dem Durchspielen gern, dass all meine Freunde sich einen Nachmittag Zeit nehmen für diese Reise.  Die komplette Spielzeit bewegt sich irgendwo zwischen ein und vier Stunden. Das ist nicht viel, doch in sieben Kapiteln schaffte es Journey mühelos, mich zu fesseln  und rief eine ganze Palette von Gefühlen hervor: Neugier, Ratlosigkeit, Vergnügen, Angst, Hoffnung, Traurigkeit und pure Freude.

Eines haben die verschiedenen Passagen oder Stationen jedenfalls gemeinsam. Allesamt sind sie wunderschön anzusehen und mit unglaublich atmosphärischer Musik untermalt. Am Ende hatte ich das Gefühl, meine ganz persönliche Geschichte durchlebt und ein rundum gelungenes Adventure gespielt zu haben.

Katrin

Leitender Entwickler: Jenova Chen
Komponist: Austin Wintory
Studio: Thatgamecompany
Titel: Journey

Publisher: Sony Interactive Entertainment
Veröffentlicht: 2012

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