Lasst die Farben fließen

© Foto: Ilke, 2020

Neben Lesen und Spielen habe ich noch ein anderes Hobby: das Malen. Über die ArtNight hatte ich letztes Jahr auch einen Artikel geschrieben. Im Dezember entdeckte ich durch Zufall eine neue Maltechnik, die mich sofort begeisterte und seitdem nicht mehr loslässt. So kam ich zum Acrylic Pouring.

Das ist eine Unterart des Fluid Painting. Acrylfarbe wird mittels eines Pouring Mediums und ggf. Zugabe von etwas Wasser fließfähig gemacht, auf eine Leinwand gegossen und durch Kippen der Leinwand verteilt. Es gibt verschiedene Techniken, die jeweils ein spezielles Muster bzw. einen anderen Effekt hervorbringen. Die enststehenden Kunstwerke sind dabei immer Unikate.

Material

Neben Acrylfarben, einer Leinwand, Bechern und Rührstäben benötigt man unbedingt ein Acryl Medium. Dieses sorgt dafür, dass die Farbe flüssiger bzw. fließfähig wird, ohne dabei die Farbpigmente zu verändern. Dadurch bleibt die Leuchtkraft der Farbe erhalten und es ist möglich, Farbschichten zu bilden, ohne dass sich diese vermischen. Für eine höhere Effektbildung kann man einige Tropfen Silikonöl in die Farbe geben. Ich empfehle auch Einmal-Handschuhe und eine Unterlage aus Zeitungen, Abtropfwanne oder Wachstischdecke, da beim Kippen der Leinwand Farbe an den Rändern nach unten tropft.  Außerdem sollte das Bild zum trocknen etwas erhöht von der Unterlage gelagert werden, da sonst die getrocknete Farbe an den Rändern an der Unterlage festklebt. Weitere schöne Zelleffekte entstehen, wenn man über das fertige, noch feuchte Bild vorsichtig mit einem Heißluftfön oder Bunsenbrenner drüber geht, da das Silikonöl mit der Hitze reagiert. Wenn das Bild ausreichend getrocknet ist kann es mit Firnis oder Kunstharz versiegelt werden.

Fluid Painting kommt aus den USA; in Europa ist der Trend schon vor einiger Zeit angekommen.  In jedem großen Kunst- oder Bastelladen gibt es einen eigenen Stand, in dem die Materialien bereits gesammelt ausgestellt sind.

Techniken

Zunächst wird jede Farbe in einen separaten Becher gegeben und mit dem Pouring Medium verrührt, bis die  Konsistenz der Farbe an flüssigen Honig erinnert. Das Mischverhältnis Farbe-Medium-Wasser ist immer individuell und vom jeweiligen Farb- und Pouring-Hersteller abhängig.

Die meisten meiner Bilder sind mit dem Flip Cup entstanden. Dabei werden die angerührten Farben in einem separaten Becher geschichtet, dann wird der Becher umgedreht und kopfüber auf die Leinwand gestülpt. Dort veweilt er einige Sekunden und wird dann angehoben. Die Farbe verteilt sich zunächst von selbst, danach kann man sie mit Kippen der Leinwand weiter verteilen. Je nach Position und Dichte der Farbe können Farbzellen entstehen. Mit Zugabe von Silikonöl in die Farbe wird der Effekt verstärkt.
Ähnlich dem Flip Cup ist der Dirty Pour. Die Farben werden auch hier in einem separaten Becher geschichtet und dann auf die Leinwand gegossen.
Eine weitere Abwandlung davon ist der Swirl. Die Farben werden in einem Becher geschichtet und anschließend in der Mitte der Leinwand in leicht kreisenden Bewegungen in einem dünnen Farbstrahl auf dieselbe Stelle gegossen. Beim Kiss Pour nimmt man statt einem zwei Becher, die dann in einem Strahl zusammen fließen. Diese Technik will ich unbedingt weiter üben, bisher klappt das nicht so ganz bei mir.
Beim Puddle Pour wird die Farbe direkt auf die Leinwand gegossen, oftmals auch übereinander.
Im Moment versuche ich mich am Swipe. Dabei wird eine Farbe mit geringer Dichte, z.B. Weiß, mittels eines Spatels, Pappstückes oder eines Stücks Küchenpapier über die anderen Farben gezogen. Man kann auch die Farbe in dünnen Linien auftragen und dann mit dem Spatel verstreichen. Auf diese Weise ist die Welle entstanden.
Es gibt noch viele andere Pouring-Techniken, die ich nach und nach ausprobieren werde.

Fazit

Das Ergebnis ist immer eine Überraschung. Mit etwas Übung und Kenntnis darüber, wie sich die einzelnen Farben auf der Leinwand verhalten, ist es möglich das Bild zu beeinflussen. Mich fasziniert immer wieder, wie das Werk am Ende aussieht und welche Kombination besonders schön oder nicht so toll aussieht. Mir macht es Spaß, die Techniken zu probieren und untereinander zu kombinieren. Ich finde das Acryl Pouring ziemlich einsteigerfreundlich, da man weder massig Materialien noch viel Vorwissen benötigt. Innerhalb kurzer Zeit ist ein Kunstwerk entstanden. Das kann entweder vollständig abstrakt sein oder ein spezielles Motiv sein, z.B. Welle, Blumenwiese, Galaxie.
Mich nervt nur ein bisschen der Zeitaufwand von Einrichten und Säubern des Arbeitsplatzes. Es ist ein ziemliches Gemansche und nicht unbedingt umweltfreundlich. Hier versuche ich, möglichst viel der Farbe aufzubrauchen und nur wenig wegzuschmeißen bzw. verdünnt wegzukippen. Die getrocknete Farbe in den Bechern kann teilweise abgezogen werden. Die Kreativität hört bei dem fertigen Bild nicht auf, im Gegenteil. Kleine Glasnuggets können in die flüssigen Farbreste getunkt und nach dem Trocknen als Schmuck weiterverarbeitet werden. Mit ein bisschen Übung ist es auch möglich Steine, Vasen oder Bilderrahmen zu pouren.

Es gibt dutzende Bücher, Webseiten, Youtube-Videos und Facebook-Gruppen, die sich mit Acryl Pouring beschäftigen. Einige Webseiten, die mir weitergeholfen haben, sind folgende: https://malen-lernen.org/acrylic-pouring-anleitung/, https://acrylgiessen.com/, https://hobbeasy.de/fluid-paintings-kreieren-mit-acrylic-pouring/.

Ilke

 

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